Goldener Windbeutel für die Bundeswehr

Veröffentlicht: 30. Juli 2014 in Echt jetzt?, Krieg & Frieden
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Der Goldene Windbeutel, der jährlich von der Organisation FoodWatch verliehen wird, ist ein Negativpreis für die verlogenste Produktwerbung, vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen. Actimel, Milchschnitte und Capri-Sonne waren schon unter den Preisträgern. Coole, vielversprechende Werbung, ungesunder Inhalt – das ist oft Standard in der Werbung, und das nicht nur bei Lebensmitteln.

Den Preisträger 2014 muss die Verbraucherumfrage noch bestimmen. Wie wäre es, wenn statt Nutella, Cola Light oder Activia dieses Jahr ein echter Werbepfuscherverein den Preis bekäme?

Den Goldenen Windbeutel 2014 verdient am meisten die deutsche Bundeswehr!

Soldat ist ein tödlicher Beruf. Nicht nur für denjenigen, der im Panzer sitzt, sondern auch für denjenigen, der aus Versehen vor den Panzer läuft. Dabei muss man sich doch fragen: sind die Zivilisten im Weg? Oder sind die Panzer im Weg?

Darüber, ob das Massensterben von Soldaten und Zivilisten notwendig ist, lässt sich sowieso streiten. Ganz klar sollte aber sein, dass für einen tödlichen Beruf, ob notwendig oder nicht, nicht auch noch mithilfe von Sommercamps geworben werden soll.

Man mag hier gegenhalten, dass die Bundeswehr ohne diese Veranstaltungen wohlmöglich keinen Nachwuchs finden würde. Junge Leute interessieren sich eben mehr für Sport und Flugzeuge als für zerfetzte Gliedmaßen und tote Zivilisten. Die gehören allerdings auch zur Bundeswehr – die, und nicht Sommercamps und Journalistenworkshops. Wenn sich niemand für die wahren Inhalte der Bundeswehr begeistert, bedeutet das dann nicht, dass die wahren Inhalte der Bundeswehr schlichtweg abstoßend sind?

Die Bundeswehr wirbt mit Sport, Action und dem Versprechen auf intellektuellen Austausch für Auslandseinsätze, die, ob notwendig oder nicht, sowohl die Mitglieder der Streitkräfte als auch tausende von Zivilisten täglich in Lebensgefahr bringen und viele von ihnen töten. Kein Wunder, dass es mittlerweile Schulen gibt, die sogenannte „Jungendoffiziere“ der Bundeswehr nicht mehr zu „Informationsveranstaltungen“ einladen und Werbematerial der „Young Leaders Presseakademie“ – mitgetragen von der Bundeswehr – nicht verteilen. Denn daraus, dass all diese Veranstaltungen zur Anwerbung von Nachwuchs dienen, macht die Bundeswehr selbst keinen Hehl. „Und das ist auch das Ziel des Sommercamps – Einblicke geben und Begeisterung für den Soldatenberuf wecken.“ So heißt es etwa auf der Jugendwebsite der Bundeswehr. „Ich kann mir schon vorstellen, später bei der Bundeswehr zu landen“ und „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, später zur Bundeswehr zu gehen“ werden Vierzehn- und Fünfzehnjährige zitiert, die sich schon um den Finger haben wickeln lassen. Vielleicht winkt den beiden wirklich eine glorreiche Karriere. Vielleicht enden sie auch schon in ein paar Jahren als Kollateralschaden.

Von den Risiken des Soldatenberufs schreibt die Bundeswehr auf diesen Websites natürlich nichts. Die Karriereseite der Bundeswehr verspricht stattdessen das Blaue vom Himmel. Lesen Sie mal folgende Stellenanzeige: „Als […] erwarten Sie interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit hohen Anforderungen. Dafür bieten wir Ihnen Teamwork, berufliche Qualifizierung und ein attraktives Gehalt. Informieren Sie sich!“ Könnten Sie das einem Beruf zuordnen? Lehrer? Koch? Pilot vielleicht? Wer genau hinschaut, liest nur hohle Phrasen, die auch auf einer Capri-Sonne stehen könnten. Der Windbeutel wäre verdient.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man eine Eyeliner-Flatrate einführen müsste.

 

 

Mehr zum Thema (von linksjugend[‘solid])

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