Junge Union präsentiert: Das Straßencasting

Veröffentlicht: 31. Juli 2014 in Echt jetzt?, Fuck JU
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Oft bestätigt sich ja das Klischee, man könne junge Leute anhand ihres Musikgeschmacks grob politisch einordnen. Bei den jungen Grünen wird offenbar Folk gehört, und wer auf Punkrock steht ist automatisch links, oder so ähnlich. Jetzt mischt sich endlich auch die Junge Union Frankfurt ein, und sie fordert: Musik muss genormt werden! Straßenmusiker brauchen eine Lizenz!

Die Begründung lautet, auf der Zeil könne man oft aufgrund der vielen Musiker kaum etwas hören. Musikalische Vielfalt belästigt den jungen, konservativen Durchschnitts-Passanten offenbar. Als Lösung schlägt die JU ein Casting vor: mindestens einmal wöchentlich soll das Ordnungsamt bei allen aktiven Straßenmusikern testhören. In München funktioniert’s, bei uns wird es auch funktionieren.

Castings, die aus der Vielfalt der Musiker die Mainstream-konformen, Radio-tauglichen Popsternchen herausfiltert, begleiten uns auf Schritt und Tritt. Die Musikindustrie ist voll davon. Straßenmusik ist einer der wenigen Independent-Bereiche der Musik, der wirklich noch Independent ist. Die JU, der CDU-Ordnungsdezernent Markus Frank und andere konservative Kräfte, allen voran der Unternehmerverband Neue Zeil e. V., wollen nun auch hier das Steuer übernehmen. Der Sprecher von Neue Zeil e.V., Frank Diergard, betont in der Frankfurter Rundschau auch, welche Musik ihn am meisten stört – Osteuropäische. Die sei so ungewohnt für uns Deutsche.

Ausländischen Musikern ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis würde ein Straßen-Casting besonders schaden. Denn sicher würde so ein Ordnungsamt-Bohlen auch die Papiere sehen wollen. Wer keine Papiere besitzt, ist in Deutschland aufgeschmissen, auch dann, wenn er mit seinem Akkordeon, seiner Gitarre oder seinen Trommeln tausend Mal besser klingt als sein Nachbar mit seiner Trompete. Und wer schadet dem Sozialstaat mehr – ein Straßenmusiker, der keine Steuern zahlt, oder zum Beispiel ein brav zahlender Waffenfabrikant?

Gerne würde ich die JU mal als Band formiert sehen – was die wohl so draufhaben? Im Casting für qualifizierte junge Politiker würden sie mit mir in der Jury sofort rausfliegen. Andersrum wäre es natürlich genauso. Schließlich bin ich nicht systemkonform, nicht Mainstream-tauglich. Auf die Jury kommt es an, und ich höre auf der Zeil lieber ein bisschen mehr osteuropäische Musik als solche, die das konservative Ordnungsamt für mich ausgesucht hat.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Punk zwar tot ist, Schlager aber nie gelebt hat.

Kommentare
  1. Krause sagt:

    Der Artikel gefällt mir.

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