Archiv für August, 2014

Mein fünfter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen,

Kim hier. (Wenn Sie meinen Nachnamen weglassen, lasse ich Ihren auch weg.) Ich habe ein kleines Problem, vielleicht können Sie mir helfen.

Gerade war ich zwei Wochen in Südengland, das war sehr schön da. Vor allem London ist einfach der Wahnsinn! Natürlich habe ich viele Fotos gemacht. Leider habe ich versehentlich alle Fotos ab dem 25. August gelöscht. Haben Sie die noch irgendwo?

Dumme Frage, natürlich. Sie sind schließlich beim Geheimdienst und mein Handy ist mit dem Internet verbunden. Könnten Sie bitte mal nachschauen? Vielleicht hat die Bilder ja auch der britische Geheimdienst, und mit dem verstehen Sie sich ja nicht so gut, aber sicher haben Sie ein paar Doppelagenten da, oder?

Schicken Sie mir doch bitte alle Bilder mit mir und meiner Familie drauf. (Ich bin das Mädchen in schwarz mit den türkis-schwarzen Haaren und den roten Schnürsenkeln.) Außerdem waren da noch ein paar Bilder von The Shard (dem Hochhaus), der Towerbridge, dem Camden Market, dem Hochhaus, das ein bisschen wie ein Penis aussieht, und ganz vielen Antifa-Aufklebern. Falls Sie meine Bilder nicht finden, schicken Sie mir einfach irgendwelche scharfen, auf denen nicht so viele Touristen drauf sind. Und falls Sie ein paar Aufnahmen vom London Eye finden, schicken Sie die doch auch gleich mit, ich war zu faul zum Anstehen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe,

Kim S

 PS: Irgendwo müsste ein paar Fotos von einem schwäbischen Touristenpärchen sein, auf denen ich drauf bin. Die zwei haben mich am Picadilly Circus so sehr genervt, dass ich mich aus Rache auf alle ihre Bilder draufgeschmuggelt habe. Die Fotos hätte ich auch gerne. Dankeschön.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass „unnecessary“ das schlimmste Wort der englischen Sprache ist.

Smile, you’re on CCTV!

Veröffentlicht: 31. August 2014 in Allgemein, Unterwegs
Schlagwörter:,
WHAT ARE YOU LOOKING AT?

Ein Schablonen-Graffiti des britischen Graffiti-Künstlers Banksy.
Bildquelle

England ist wirklich ein wahnsinnig schönes Land. Man könnte sich England ständig angucken, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, zweiundfünfzig Wochen im Jahr. Man könnte. Das heißt aber nicht, dass man es muss.

England steht unter Beobachtung. An jeder Straßenecke, vor jeder Tankstelle, in jeder Hotel-Lobby, überall sind Kameras angebracht. Netterweise wird auch noch auf die Kameras hingewiesen. Von einem nüchternen „CCTV operating 24/7“ (24 Stunden Videoüberwachung) bis zu einem fast zynischen „Smile! You’re on CCTV“ (Bitte lächeln! Sie werden gefilmt!) findet man alle Arten von CCTV-Schildern. Hätte ich in vierzehn Tagen Großbritannien jeden Hinweis auf Überwachung fotografiert, hätte das wahrscheinlich meine Handy-Speicherkarte gesprengt. Und am Bildschirm hinter der Kamera hätte sich wahrscheinlich das britische Pendant zu Jochen Sönkeberg gewundert, welche verrückte Touristin alle Überwachungskameras des Landes fotografiert.

Das Beitragsbild stammt vom britischen Graffiti-Künstler Banksy. “What are you looking at?“, fragt er die Kamera. Was glotz du so?

Ich weiß es selbst nicht. Ob es wohl diejenigen wissen, die die Kameras aufhängen? Oder filmen sie nur, weil jeder Mensch verdächtig ist, just in case? Sammeln sie für Upps – Die Pannenshow? Reicht es, dass wir glauben, dass die Möglichkeit besteht, dass wir eventuell überwacht werden, damit wir uns ruhig verhalten? (Das Känguru-Manifest, Marc-Uwe Kling, Ullstein-Verlag, Kapitel „Überwachen und schlafen“. Ich habe eine Quellenangabe benutzt! Siehst du das, Jochen? Halleluja!)

England wird vermutlich das erste Land sein, dass flächendeckend videoüberwacht wird. Und vor allem – fast niemand regt es auf. Banksy bleibt eine Ausnahme. Ich fühle mich unwohl. Aber für die meisten Engländer ist das ganz normal.

Was mich wirklich beunruhigt, ist: wie weit reicht die Überwachung wirklich? In England wird wenigstens mit Schildern auf die Kameras hingewiesen. Aber wo hängen überall Kameras, ohne dass wir es wissen? Wenn wir nicht wissen, wo die Überwachung ist, können wir uns nicht gegen sie wehren.

Zurzeit wird heiß über das Verbot von Burkas und sonstiger Vollverschleierung diskutiert. Eines der Argumente der Burka-Gegner ist: wenn mir jemand auf der Straße begegnet, habe ich das Recht, zu sehen, wer das ist. Dieses Argument zielt auf ein generelles Vermummungsverbot ab, wie wir es schon von Versammlungen wie Demos kennen.

Vielleicht habe ich als Privatperson, als Individuum, das Recht, mein Gegenüber zu erkennen. Genau so haben die Menschen um mich herum das Recht, mich zu erkennen. Aber was ist mit den Überwachungskameras?

Irgendwo in den Archiven von Land und Staat lagern meine Daten. Biometrische Ausweisfotos, ohne die ich das Land theoretisch gar nicht verlassen darf. Meine Fingerabdrücke. Mein Krankenakte. Wenn mich irgendjemand beim Geheimdienst finden wollte, würde er mich finden. Ich müsste nur an einer Kamera vorbeispazieren.

Mein Handy hat eine automatische Gesichtserkennung. Wenn einer meiner Freunde bei Whatsapp ein Profilfoto hat, auf dem man ihn erkennt, und wenn ich ihn in meinen Kontakten unter seinem echten Namen gespeichert habe, dann ordnet mein Handy den Fotos, die in meinem Album habe, automatisch die Namen meiner Freunde zu. Es war nicht schwer, die automatische Gesichtserkennung auszuschalten. Aber bis man erst mal weiß, dass sie überhaupt da ist, hat sie schon alle meine Freunde erkannt. Was soll ich dagegen machen? Mir eine alte Polaroid-Kamera kaufen? Meine Freunde durchnummerieren?

Jeder Mensch hat das Recht, unerkannt durch eine Straße zu gehen. Hängt die Kameras ab, und wir können über das Vermummungsverbot sprechen. Jeder Mensch hat etwas zu verbergen. Das müssen keine „Geheimnisse“ sein, nicht Kriminelles oder Intimes. Das kann auch sein, wo wir sind und wie wir den Nachmittag verbringen. Das geht niemanden etwas an.

Überwachungskameras sollen Sicherheit schaffen. Aber ich persönlich will keine Sicherheit, wenn der Preis, den ich dafür zahlen muss, meine Privatsphäre ist und wenn mir die Sicherheit Angst macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total nervt, wenn man extra vorsichtig an Touristen vorbeischleicht, weil man denkt, dass sie irgendetwas fotografieren, und wenn sich dann herausstellt, dass sie sich selbst fotografieren.

Mein geheimes Spionage-Logbuch

Veröffentlicht: 16. August 2014 in Allgemein
Schlagwörter:, , ,
Nachbarn_google

Screenshot einer Internet-Suchleiste. Das „Suchergebnis“ ist von mir.

Mein Radio belauscht heimlich meine Nachbarn!

Das ist zwar ganz interessant, wirkt aber leider, als würde ich rumspionieren. Was ich natürlich nicht tue. Freiwillig würde ich meinen Nachbarn nie die Privatsphäre klauen, aber wenn das Radio schon mal spinnt, kann ich auch nichts dafür…


 

„Mama, Mama! Ich hab Nudeln gekocht!“

„Super, Schatz!“

„Muss ich das Feuer im Topf selber ausmachen oder geht das von alleine aus?“

„…“

„Mama?“

„Ruf die Feuerwehr. Sofort!“


 

„Du Gabi, ich muss dir was erzählen.“

„Was denn?“

„Ne, nicht hier am Telefon. Ich komm grade rüber.“


 

„Und dann hat nämlich die Brigitte zur Gabi gesagt, sie hält es nicht mehr länger aus beim Werner, und es wissen ja sowieso alle, dass der Werner beim Grillfest letztes Jahr an der Ulrike rumgefummelt hat, obwohl die damals noch mit dem Bernd verheiratet war, das war, bevor der Bernd sich ins Koma gesoffen hatte, aber da hatte ja auch die Susanna noch nicht mit ihm Schluss gemacht, und überhaupt, dass die Susanna sich geoutet hat und im Urlaub mit dieser Babsi geknutscht hat, das hat die nur gemacht, um den Marco loszuwerden, der stalkt sie seit Jahren, der ist sowieso nicht mehr ganz beisammen seit er seine Mutter mit dem Johannes erwischt hat…“

„Warte kurz… wer war noch mal Brigitte?“


 

„Besorg‘s mir, du Sau! Ja, ja, jaaah!“


 

„Guten Tag, hier ist der Anrufbeantworter von Brigitte E. Ich bin zurzeit nicht erreichbar, bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Ton.“

„Bitte, Brigitte, komm zu mir zurück!“


„Hallo, haben Sie kurz Zeit für eine kleine Umfrage?“

„Nicht schon wieder…“

„Super. Wir wollten nur wissen: sind Sie auch so genervt von Telefonumfragen?“


 

„Findest du auch, dass die Kim voll extrem ist in letzter Zeit?“

„Ja, politisch, ge? Und mit den schwarzen Haaren sieht die ja auch irgendwie gruselig aus, oder?“


 

„Sag mal, hast du manchmal Angst, dass dich wer abhört? Die NSA oder der BND?“

„Sollen die mich ruhig abhören. Ich hab nichts zu verbergen.“

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Payback-Punkte keinen strafrechtlichen Versammlungsschutz genießen sollten.

 

Mein vierter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


Hallo Jochen Sönkeberg,

tut mir leid, dass ich in meinem letzten Brief so schnippisch zu Ihnen war. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie in Wirklichkeit so etwas wie ein gescheiterter Held sind! Bisher hatte ich Sie mir ganz bürgerlich vorgestellt, Ende vierzig, verheiratet, Reihenhaus, BMW, Hund. Typische Schreibtischbeamter eben. Kaum zu glauben, dass Sie eigentlich zur Polizei wollten, um die Bevölkerung vor skrupellosen Verbrechern zu schützen!

Schade, dass Sie den Eignungstest so knapp nicht bestanden haben. Und das nur wegen der Sache mit dem Ballsport… (Falls es Sie tröstet – in Ballparcours hatte ich auch immer eine 5. Mindestens.) Jetzt ärgern Sie sich bestimmt, dass Sie stattdessen den ganzen Tag für den Verfassungsschutz langweilige Linksextremisten und Juniorterroristen überwachen müssen. Wenn ich Ihren Job hätte, wäre ich auch total verbittert.

Falls Sie mal was Spannendes machen wollen, eine Razzia oder so: schauen Sie sich doch mal bei der Jungen Union um. Deren aktuelle Werbekampagne nennt sich Black is beautiful. Klingt, als würden sich auch die konservativen Kids endlich mit schwarzafrikanischen Flüchtlingen solidarisieren, ist aber in Wirklichkeit ein weiterer Schritt in den Sumpf des Extremismus.

Auf der Website der JU kann man einheitliche schwarze Oberbekleidung bestellen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Junge, militante Aktivisten in einheitlichem schwarz, die sich auf Demos mit der Polizei anlegen? Schwarz, damit sie die Polizei nicht auseinanderhalten kann? Bei Ihnen als Verfassungsschützer müssten da doch alle Alarmglocken schrillen!

In der JU, der Mitte der Gesellschaft, formiert sich sichtbar vor unseren Augen ein schwarzer Block, wie man ihn von autonomen Linken (und neuerdings auch Rechten) kennt. Diese Strukturen sind auf Demonstrationen für Randale, Verwüstung und Schlägereien mit der Polizei berüchtigt. Auf Grund der erschreckend hohen Mitgliederzahlen der CDU könnte dies der größte und mächtigste Black Bloc der Geschichte werden!

Tun Sie was, Jochen Sönkeberg! Sein Sie der Held, der Sie immer sein wollten, und retten Sie die friedliche Protestkultur vor der Jungen Union!

Viele Grüße,
Kim S

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich? Screenshot der JU-Website

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich?
Screenshot der JU-Website

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es ein Microsoft-Word-Sonderzeichen für „Merkelraute“ geben müsste. Das würde ich dann als Ironie-Zeichen benutzen.

Mein dritter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen Sönkeberg,
hier Kim S.

Ja, ich hatte Sie verarscht. Aber das ist doch noch lange kein Grund, so ungehalten zu werden wie Sie in ihrem letzten Brief. Sie schreiben, ich könne mir meine Ironie stecken, wohin ich will, solche Junior-Terroristen wie ich gingen Ihnen am Arsch vorbei, und ob ich etwa glauben würde, dass es Ihnen Spaß macht, mich zu überwachen.

Gegenfrage: wenn es Ihnen keinen Spaß macht, mich zu überwachen, warum sind Sie dann beim Verfassungsschutz? Es gibt doch sicher genug Arbeitgeber, die Sie mit offenen Armen genommen hätten, oder? Wobei die meisten wichtigen, wirklich erfüllenden Berufe ja grauenhaft bezahlt sind. Wenn man am schnellen Geld interessiert ist, geht man dann wohl doch lieber zum Verfassungsschutz.
Was studiert man da eigentlich? BWL? Wenn man nicht weiß, was man studieren soll, studiert man doch immer BWL, wahlweise auch VWL, oder? Nicht, dass ich das jetzt wissen will, weil ich beim Verfassungsschutz anheuern wollte, auf keinen Fall. Mich interessiert einfach, was das da für Leute sind.

Sie sollten mir mal was über sich schreiben, finde ich. Schließlich wissen Sie fast alles über mich, und ich weiß fast gar nichts über Sie, das ist schon irgendwie unfair. Wissen ist Macht sagte schon der alte Francis Bacon. Ich würde Sie ja auf facebook suchen, da bin ich aber nicht. Aber falls Sie auch bloggen, wäre ich bereit, Ihnen zu folgen. Sie lesen meinen Blog sicherlich schon. Ich nehme an, dass Sie „invisiblesuperj@deutschland.de“ sind. Das freut mich fast ein bisschen, damit sind Sie nämlich genau 10% meiner Follower. Leiten Sie meinen Blog doch bitte an ein paar Ihrer genauso gelangweilten Kollegen weiter.

Viele Grüße,
Kim S

PS: Vielen Dank für den Andi-Comic, den Sie mir geschickt haben. (Ich nehme stark an, dass Sie das waren, ich kenne sonst leider niemanden in Berlin. Schon traurig, oder? Da will man hoch hinaus, die Regierung stürzen und so, und der einzige Berliner, den man kennt, arbeitet beim Verfassungsschutz.) Voll niedlich jedenfalls!!! Die kleinen linksextremen Punks sind ja echt zum Knuddeln mit ihren riesengroßen Manga-Augen! Und wie die alle reden, als hätten sie Das Kapital verschluckt! Vielleicht sollte ich mir auch die Haare lila färben. Sie sind aber leider schon schwarz-türkis, und wenn man sie zu oft umfärbt, ist das nicht so gut für die Haarstruktur. So ein schwarzes Anarcho-T-Shirt brauchte ich aber auf jeden Fall. Sie als Experte wissen doch sicherlich, wo man das herbekommt, oder?

PPS: Die Anarchie-Flagge auf Seite 15 ist falschrum aufgehängt. Bitte ändern.

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir eine neue Nationalhymne brauchen. Die Alte ist erstens negativ vorbelastet und zweitens echt lahm.

Feminismus? Ohne die Junge AfD…

Veröffentlicht: 8. August 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
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Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative. Ich habe daran herumgebastelt - aber nur ein bisschen.

Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative.
Ich habe daran herumgebastelt – aber nur ein bisschen.

Die Junge Alternative für Deutschland ist gar nicht so verkorkst, wie ich bisher dachte. Ich war mir sicher, es gäbe dort nur krasse Antifeministen. Es gibt aber noch mehr. Es gibt auch krasse Antifeminist*innen!

Per Facebook hat die JA schon vor Monaten die Kampagne „Vernunft statt Genderwahn“ oder „Gleichberechtigung statt Gleichstellung“ gestartet. Dabei gab es auch schon nackte Hintern zu sehen. (Es waren nicht die Hintern von AfD-Mitgliedern. Wäre ja auch zu schön gewesen. Aber anscheinend ist alles rechts von der CDU asexuell oder gibt sich zumindest so.)

Die nackten Model-Hintern waren aber nicht genug. Jetzt lichten sich auch AfD-Mädels als Antifeministinnen ab – allerdings nicht im Bikini, sondern mit Plakaten, auf denen sie erklären, warum sie keine Feministinnen sind. Kräftige Unterstützung kommt natürlich von den AfD-Jungs. Da diese ihre „Keimzellen der deutschen Gesellschaft“ später wohl mit braven, vernünftigen deutschen Mädchen gründen wollen, kommt ihnen die Selbst-Degradierungsaktion ihrer Parteifreundinnen wahrscheinlich sehr gelegen.

„Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist“, „Ich bin kein Feminist, weil Familie wichtiger ist als Karriere und ich den Genderwahn stoppen will“ oder „Ich bin kein Feminist, weil ich keine Ideologie brauche, um Frauen zu respektieren“ sind die Aussagen. Irgendwie ist diese Anti-Ideologie fast schon witzig. Mir zumindest macht das Ausdenken von Sprüchen so viel Spaß, dass ich erwäge, sie auf T-Shirts zu drucken.

„Ich bin keine Feministin, weil ich das Denken lieber meinem Mann überlasse.“
„Ich bin keine Feministin, weil ich nicht weiß, wie man ein Kondom benutzt.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich keine Frau will, die klüger ist als ich.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich nicht kochen kann.“
„Ich bin keine Feministin, weil Eva auch keine Feministin war.“
„Ich bin kein Feminist, weil Frauen beim Sex die Klappe zu halten haben!“

Sehr schön, liebe AfD-Kids. Wie wäre es mit der nächsten Kampagne: „Ich mag keine Männer, weil…“, „Ich bin nicht sexy, weil…“ oder „Ich denke niemals selbst, weil…“? Ich würde euch dabei mit Vergnügen beraten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bernd Lucke mit seiner Blümchenkrawatte gar nicht so homophob aussieht, wie er redet.

Die taz hat übrigens auch ein paar lustige Vorschläge.

CDU will Krieg verbieten?

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Echt jetzt?, Krieg & Frieden
Schlagwörter:, , ,
Höchster Kreisblatt 23. Juni 2014

Höchster Kreisblatt
23. Juni 2014

Oh. Junge Deutsche sollen nicht an bewaffneten Konflikten im Ausland teilnehmen? Das war mir neu.
Sicherlich ist es auch Frau von der Leyen neu, die mit einer Konjunkturspritze von insgesamt über 10 Milliarden Euro für die Bundeswehr winkt.

10 Milliarden Euro!
10.000.000.000 €
1.000.000.000.000 ct
Mehr als 114.155 Jahre (!) Arbeit, wenn man 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr durcharbeitet und dabei den von den Linken geforderten Mindestlohn bekommt.

Auf der Welt gibt es über sieben Milliarden Menschen. Das ist mehr als ein Euro pro Mensch. Für die Armee eines einzigen Landes. Und da soll noch mal eine CDU-Politikerin sagen, sie sei dagegen, dass junge Deutsche sich an bewaffneten Konflikten beteiligen!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass zwischen „mit dem Ziel“ und „an bewaffneten Konflikten“ ein Komma fehlt.

Auf der Jagd nach dem fünften Stern

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Allgemein
Schlagwörter:, ,

Kein Fußballbeitrag. Versprochen.


Bei vielen Online-Bestellungs- und Bewertungsportalen kann man zur Einschätzung seiner Zufriedenheit ein bis fünf Sterne vergeben. Das erinnert an Hotels und Restaurants und ist ja auch schon fast ein geflügeltes Wort.

Fünf-Sterne-Bewertungen sind aber auch diejenigen, die sich niemand durchliest. Wenn alles perfekt ist, braucht man nicht mehr zu erfahren, damit ist alles gesagt. Sobald aber jemand weniger als die Bestnote vergibt, wollen wir wissen, warum.

Vier Sterne – wo ist der Haken?
Drei Sterne – ist das Produkt noch okay?
Zwei Sterne – wer zur Hölle vergibt zwei Sterne?
Ein Stern – war der Film so scheiße oder ist bloß die DVD nicht gekommen?

Ein Stern und vier Sterne sind wahrscheinlich die spannendsten Bewertungen. Wir interessieren uns für die großen Katastrophen und die kleinen Meckereien. Wir wollen nicht wissen, warum etwas perfekt ist. Wir wollen wissen, warum es nicht perfekt ist. Wir glauben nicht an Perfektion. Wir lästern gern.

Was mir häufig auffällt, sind Vier-Sterne-Bewertungen wie

4Sterne_perfekt
Die große Frage lautet: Warum gibt es dann keine fünf Sterne? Wie viel besser als perfekt soll das Produkt denn noch werden?

Soll die Kurzhaarfrisur für immer halten, ohne nachzuwachsen? Soll der Staubsauger die Wohnung von alleine saugen? Wie soll man „super CD, super Künstlerin, jeder Song ist einzigartig & aufrichtig, schönes Artwork, Lieferung ging auch schnell, alles top“ denn bitte noch steigern?

Ich hatte mal eine Lehrerin, die generell keine Einsen vergab, weil sie meinte, so gut könne sowieso niemand sein. Eine Zwei bei ihr entsprach quasi einer Eins, und wo andere Lehrer eine Sechs vergaben, hätte sie eine sieben drunter geschrieben.

Nach diesem Prinzip funktioniert leider ein großer Teil unserer Gesellschaft. Wir werden nicht mehr von gesundem Ehrgeiz, sondern von krankhaftem Perfektionismus angetrieben. Anstatt uns zu freuen, dass etwas gut ist, wollen wir, dass alles noch schneller, noch besser, noch bequemer für uns wird. Wir streben so sehr nach dem Glück, dass wir es nicht mehr erkennen, wenn es längst da ist. Wir heben uns den fünften Stern auf, bis wir irgendwann vergessen, dass wir ihn haben.

Wann haben Sie das letzte Mal über etwas ganz Banales gelacht, nicht auf die anderen gehört und einfach gelacht?

Freuen Sie sich doch mal. Lachen Sie im Kino, im Theater, in der Oper, im Museum. Lachen Sie, auch wenn Ihnen die Etikette das Lachen verbietet, denn Sie müssen nicht verstecken, dass Sie glücklich sind. Loben Sie sich und andere wieder mehr. Sie haben es verdient. Vergeben Sie öfter mal fünf Sterne.

Graffiti sind illegal, aber wunderschön? Vergeben Sie fünf Sterne. Ihr Stammdöner ist kein Nobelrestaurant, macht aber die besten Falafel-Sandwiches weltweit? Fünf Sterne. Sie haben den ganzen Tag ohne Ihr Smartphone überlebt? Fünf Sterne.

Besorgen Sie sich einen Fünf-Sterne-Stempel, Fünf-Sterne-Aufkleber, eine Fünf-Sterne-Sprühschablone. Sagen Sie „Das ist super“, wenn etwas super ist, damit Sie guten Gewissens „Das ist die letzte Scheiße“ sagen können, wenn etwas die letzte Scheiße ist. Sparen Sie sich den Ärger für die Dinge, die Ihnen wichtig sind. Sie müssen nicht zufrieden sein mit der Welt. Aber das muss Sie nicht davon abhalten, glücklich zu sein.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Recht auf eine Hängematte ins Grundgesetz gehört.

Teil zwei eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen hat auf meine Initiativbewerbung geantwortet, jetzt bin ich wieder dran.


Sehr geehrter Herr Jochen Sönkeberg,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort auf meine Initiativbewerbung. Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Antwort erwartet – ich dachte, ironisch gemeinte Anfragen landen bei Ihnen sofort im Schredder. Aber Sie haben wohl ernsthaft gedacht, ich meine das ernst!

Was soll ich denn in der extremen Mitte? Das ist mir doch alles viel zu spießig da. Es macht mir also nichts aus, dass Sie meine Bewerbung zur V-Frau abgelehnt haben. Unverständlich finde ich bloß die Begründung, mit der Sie mich abgelehnt haben.

Ich bin zu extrem? Also bitte. Ich dachte, das gesamte Konzept der V-Leute beruht darauf, Extremisten durch andere Extremisten überwachen zu lassen. Gewalttätige Nazis schützen di Verfassung vor gewalttätigen Nazis? Kein Problem. Autonome Linke bespitzeln autonome Linke? Klar doch. Und mich wollen Sie bei dem Verfassungsschützerclub nicht mitmachen lassen, weil ich zu extrem bin?

Sie haben recht, ich bin Mitglied in einer der, wie Sie es so elegant ausdrücken, „offen extremistischen Strukturen innerhalb der Partei Die Linke“. Ich bin ganz offiziell gegen Kapitalismus, Rassismus, Bundeswehr-Propaganda, Neonazis, Abschiebung von Geflüchteten und Ausbeutung von Ressourcen. Außerdem kleide ich mich unkonventionell, höre unkonventionelle Musik und bin Autorin eines linken Satireblogs. Total extrem also. Laut Ihrer Extremismustheorie bin ich linksextrem.

Allerdings dachte ich, das sie Voraussetzung für den Job! Sie könnten die extreme Mitte natürlich auch durch gekaufte Mitte-Extremisten bespitzeln lassen – das wird aber nicht funktionieren. Als ob die einander verraten würden! Der einzige Weg, der funktionieren würde, wäre der, Extremisten durch Extremisten anderer Richtungen überwachen zu lassen. Zeit für ein paar Linke in der extremen Mitte.

Ich persönlich werde die Machenschaften von JU & Co auch ohne Ihren Auftrag im Blick behalten und Ihnen alle verdächtigen Aktivitäten melden. Irgendjemand muss ja die Verfassung schützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim S

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts!

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat offenbar auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts. Bildquelle: CDU Moers

 

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass 60% aller CSU-Wähler Gartenzwerge sind.

Dies ist der erste Brief eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen will die Welt retten, ich auch. Deshalb bewerbe ich mich bei ihm.


Sehr geehrte Mitarbeiterin,
sehr geehrter Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz,
dies ist eine Initiativbewerbung.

Ich melde mich hiermit freiwillig als V-Frau in der extremen Mitte. Das Konzept der V-Leute selbst erscheint mir sehr einleuchtend. Es versorgt den Verfassungsschutz mit wichtigen Informationen über die Umtriebe in der extrem rechten bzw. linken Szene, was ja auch wichtig ist. Allerdings unterschätzen Sie dabei das hohe Gefahrenpotential der politisch extremen Mitte.

Während rechte und linke Extremisten offenbar flächendeckend überwacht werden, ist mir persönlich nichts von V-Leuten in den Kreisen um CDU, SPD, FDP, Grünen und AfD bekannt. Dabei geht von Mitgliedern, Wählern und Sympathisanten dieser und ähnlicher Parteien unerkannt die größte Gefahr aus.

Die meisten politisch motivierten Straftaten durch Rechte oder Linke werden sofort als solche erkannt und behandelt (von der NSU-Mordserie wollen wir an dieser Stelle nicht schreiben). Allerdings werden so gut wie 0% der Verbrechen durch Mitte-Extremisten als politisch erkannt und statistisch erfasst. Eine enorm hohe Dunkelziffer!

Statistisch gesehen wählen 41,5% der Gewaltverbrecher, Ladendiebe, Steuerhinterzieher und Falschparker die CDU! Weitere 25,7% sind SPD-Wähler und immerhin 4,8% haben FDP gewählt. Das höchste Gewaltpotential steckt in der politisch extremen Mitte der Gesellschaft. Dabei muss man besonders wachsam sein, denn während man extreme Rechte und Linke oft schon an ihrer Kleidung und ihrem Lebensstil erkennt, leben Mitte-Extremisten meist völlig angepasst und daher unerkannt mitten unter uns!

Ich würde Ihnen gern helfen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung vor dem Terror der Mitte zu schützen, damit man sich in Deutschland wieder ohne Angst auf die Straße trauen kann. Für diesen Zweck wäre ich bereit, mich in einer der Mitte-extremen Jugendorganisationen, zum Beispiel der konservativ-extremen Junge Union, einmal umzusehen. Auf diesen Zusammenschluss junger Neo-Konservativer bin ich im Internet gestoßen. Nach außen wirkt die JU äußerst bürgerlich, und innendrinn ist sie auch äußerst bürgerlich! Eine tickende Zeitbombe also, um die sich schnellstmöglich jemand kümmern muss.

Bitte kontaktieren Sie mich.
Mit freundlichen Grüßen,
Kim S

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Deutschland ans Mittelmeer umziehen sollte.