Herzlichen Glückwunsch, Irland!

Veröffentlicht: 30. Mai 2015 in Allgemein
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In Irland kann man jetzt heiraten. Bildquelle

In Irland kann man/frau jetzt heiraten.
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Als erstes Land der Welt hat Irland nach einem Volksentscheid die Ehe legalisiert. Für Paare in Irland ist es jetzt also endlich möglich, zu heiraten und somit offiziell als Paar zusammenzuleben. Bisher war das in Irland nicht möglich. Partnerschaften konnten zwar anerkannt werden, aber sie genossen nicht den rechtlichen Schutz einer Ehe. Irland war in dieser Hinsicht bislang ein Spätzünder, denn dort ist es erst seit 1993 legal, überhaupt einen Partner zu haben.

Vor dem Referendum am 22. Mai schien unklar, ob das Volk den Schritt zur Öffnung der Ehe wagen würde. Irland ist ein sehr katholisches Land, und die katholische Kirche stellt sich noch immer vehement gegen die Ehe. In streng religiösen Kreisen gilt das Zusammenleben von Paaren als unnatürlich und unmoralisch – genau wie zum Beispiel Sex. Kardinal-Staatssekretär Parolin im Vatikan bezeichnete die Entwicklungen in Irland sogar als eine „Niederlage für die Menschheit“.

Liberale und säkulare Iren hingegen feiern das Referendum als einen Sieg der Toleranz und einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung von Paaren. Unter den Hashtags #MarRef (Marriage Referendum), #equal (gleichberechtigt) und #YES (ja) zeigen sie auch im Internet ihre Solidarität mit den heiratswilligen Paaren.

In Deutschland ist es Paaren bisher noch nicht erlaubt, zu heiraten. Doch auch bei uns werden seit Jahren immer mehr Stimmen laut, die Ehe zu öffnen. Nicht nur Liberale und Linke, sondern auch die „Mitte der Gesellschaft“ wird Paaren und Individuen gegenüber immer aufgeschlossener. In der Politik stemmen sich einzig CDU und AfD vehement gegen die Ehe – als Partei der konservativen, traditionellen und „christlichen“ Werte sieht es die Union nicht gern, wenn geheiratet wird. Die AfD steht hier wie gewohnt noch einen Schritt weiter rechts.

Dass Paare sogar in streng christlichen Ländern wie Irland und einigen Staaten der USA heiraten dürfen, nicht aber im angeblich so aufgeklärten Deutschland, sollte uns zu denken geben. Ein Volksentscheid wäre auch bei uns eine Möglichkeit, die Ehe für alle zu legalisieren.

Allerdings frage ich mich, ob ein Volksentscheid nicht ein falsches Signal setzten würde. Denn was geht es die Mehrheitsbevölkerung, die gar keinen Partner heiraten möchte, an, ob Paare heiraten dürfen? Sollte die Möglichkeit, einen Lebensbund mit einem Partner der Wahl einzugehen, nicht für alle ein unumstößliches Grundrecht sein, an dem auch kein Volksentscheid etwas ändern kann? Ich mache mich für die Einführung der Ehe per Gesetz stark – denn auch, wenn gesellschaftliche Akzeptanz für Paare wünschenswert ist, darf (mangelnde) gesellschaftliche Akzeptanz nicht über Grundrechte entscheiden. Das Wahlrecht für alle wurde schließlich auch nicht erst eingeführt, als plötzlich die Mehrheit der bis dahin wahlberechtigten Bevölkerung dafür war. Damals waren es die nicht wahlberechtigten Frauen, die das Wahlrecht für sich selbst erkämpften – die Paare und Individuen, die heiraten wollen, fordern die Ehe schon jetzt. Zeit, sie zu hören. Zeit, zu begreifen, dass alle Menschen und Liebesformen gleich viel wert sind. Zeit für einen Schritt in die richtige Richtung.

Hinweis: dieser Text ist keine Satire. Ich habe lediglich an einigen Stellen die Adjektive gleichgeschlechtlich, schwul und lesbisch weggelassen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es in der U-Bahn für alle, die vor neun aufstehen mussten, erlaubt werden sollte, die Füße hochzulegen.

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