Archiv für Juli, 2015

Hallo Bernd Lucke

Veröffentlicht: 22. Juli 2015 in Hallo Welt!
Schlagwörter:, , , ,

Hallo Bernd Lucke,

Herzlichen Glückwunsch zur Gründung von Alfa, der „Allianz für Aufbruch und Fortschritt“! Das war eine tolle Idee, Herr Lucke. Aus der AfD auszutreten ist immer eine gute Idee. Deshalb finde ich es schade, dass Sie sich diese einmalig gute Idee durch einen so einfallslosen Parteinamen zerstören.

Zunächst einmal Allianz – ist das nicht eine Versicherung? Oder irre ich mich da und verwechsle die Versicherung mit dem korrupten diktatorischen Imperium aus Joss Whedons genialer Science-Fiction-Serie firefly?

Außerdem – Aufbruch und Fortschritt? Kommen Sie, das ist wie Zukunft und Zukunft oder schön und gut oder Sicherheit und Verantwortung, die rechtspopulistische Partei aus den Känguru-Chroniken. Da könnten Sie Ihre Partei genauso gut Allianz für Floskeln und Phrasen nennen. Da steckt ja nichts drin. Sie müssen Ihre Inhalte in einem schnittigen Akronym unterbringen. Also… äh… rechts gibt sich mittig? Ich bin ja kein Rassist, aber? Raus aus dem Euro? Na ja, Inhalte eben. Sie werden schon wissen, wofür Ihre Partei so steht. Irgendwann zumindest.

Man prophezeit Ihnen, Herr Lucke, Ihre Partei werde sich nicht halten, weil sie kein Alleinstellungsmerkmal habe. Das glaube ich nicht. Ihre Partei ist in den Grundzügen zwar sehr AfD-nah, ABER NICHT RECHTS UND NICHT POPULISTISCH. Und außerdem ein großer Fan der NATO. Also ganz anders. AfD, aber nicht rechts. Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem ehemaligen Präsidenten des Vegetarierbundes austauschen, der nach seinem Austritt bekanntgab, er werde eine eigene Organisation gründen – wie VeBu, aber nicht vegetarisch.

Mit diesem bahnbrechenden Unterschied zu Ihrer Mutterpartei ist Ihnen der Weg in den Bundestag so gut wie sicher. Schließlich haben Sie dieses Mal, anders als bei der Gründung der AfD, dafür gesorgt, dass Populisten, Reformer und Nein-Sager, also alle, die sich von einer aufstrebenden Partei wohlmöglich abspalten könnten, erst gar kein Parteibuch bekommen. Denn Sie hassen Spalter, und das ist komplett nachvollziehbar. Wer hasst die nicht? Sie sollen eine Liste mit Personen haben, die Sie niemals in Ihre Partei aufnehmen werden. Auf dieser Liste stehen ungeliebte AfD-Mitglieder und alle, die einmal einer „wohlmöglich extremistischen Partei“ angehört haben. Sie selbst sind natürlich eine Ausnahme, aber auch das ist total nachvollziehbar. Ich würde das auch so machen, wenn ich Sie wäre.

Den Weg in Ihre Partei muss man sich verdienen. Wer Mitglied werden will, wird erst einmal Mitglied auf Zeit, für ein Jahr ohne Stimmrecht. Das ist eine geniale Methode, sich vor dem Mitgliederandrang zu schützen, den Sie zu erwarten haben. Außerdem werden Sie als Parteigründer im ersten Jahr das alleinige Stimmrecht haben – enorm wichtig für den demokratischen Austausch innerhalb einer Partei, der ansonsten von populistischen Neumitgliedern gefährdet würde, die nur zum Pöbeln gekommen sind.

Was soll ich sagen, Herr Lucke? Sie sind ein Genie. Demokratisch, unpopulistisch, inhaltsorientiert und selbstkritisch. Um die Macht in Deutschland an sich zu reißen, fehlt Ihnen also nur der richtige Parteiname. Wie wäre es mit BeTA? Ballungsraum ehemaliger Total-Arschl*****? Oder GaMmA? Griesgrämige alte Männer machen Aufstand? Nur ein Witz, ich finde Ihre Partei super. Sie ist eine echte Alternative zu meiner Zweitlieblingspartei, der Alternative für Deutschland. Das wäre doch ein guter Name. Alternative zur Alternative. AzA, oder falls Ihnen das zu kurt ist, AzAfD. Ich wäre dabei. Setzen Sie mich bitte bloß nicht auf die Liste der gesperrten Parteibewerber. Ich bin vielleicht links, aber den Spaß lasse ich mir ungern entgehen.

Alle Liebe und viel Erfolg,

Kim S

PS: Ihr Logo gefällt mir auch super. Grau ist eine total beruhigende Farbe, vor allem für Bestattungsunternehmen. Haben Sie Momo gelesen? Na ja, auch egal.

ALFA bestattet Ihre Toten - schnell und unauffällig. Bildquelle

ALFA bestattet Ihre Toten – schnell und unauffällig.
Bildquelle

PPS: Oh, das war nicht Ihr Logo, auf Wikipedia war einfach noch kein Logo vorhanden, daher das grau. Verzeihung.

Im Übrigen war ich lange der Meinung, dass Zeitreisen unmöglich sind, aber dann kam mein zukünftiges Ich und belehrte mich eines Besseren.

Jugend Existiert

Veröffentlicht: 14. Juli 2015 in Echt jetzt?
Schlagwörter:, ,

Liebe Leserinnen und Leser,

vergeben Sie mir bitte die lange Abwesenheit. Ich war in letzter Zeit sehr damit beschäftigt, meine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Monatelang war ich die einzige in meiner WG, die bei keinem Wirtschaftswettbewerb mitmachte. Junior, Jugend Gründet, Deutscher Gründerpreis, Schulbanker, Business@School und Jugend spekuliert mit Lebensmitteln gingen immer an mir vorbei. (Einer dieser Wettbewerbe ist kein richtiger Wettbewerb.)

Ich interessierte mich nie für Businesspläne. Mit Zahlen war ich schlecht. Ich konnte keinen Haushaltsplan aufstellen, weil ich schon regelmäßig meine PIN vergaß. Auf Konferenzen hatte ich keine Lust, auf Konkurrenz auch nicht, und um mich vier Stunden am Stück vor eine Excel-Tabelle zu setzen, fehlten mir einfach die Nerven. Ich war heillos faul und es gab mit Sicherheit bessere Teamplayer als mich. In der „echten freien Marktwirtschaft“ wäre ich vermutlich ziemlich schnell verhungert. Aber ich hatte lange Zeit auch nicht vor, durch Wettbewerbe besser im Wettbewerb zu werden. Wettbewerb war einfach nicht mein Ding.

Das, liebe Leserinnen und Leser, wird jetzt anders. Ich bin in den Wettbewerb eingetreten. Jeder gegen jeden, Compañeros. Ich hab’s verstanden. Wettbewerb ist total mein Ding. Man muss nämlich gar nicht fleißig, diszipliniert und ökonomisch sein. Es reicht, wenn man sich gut verkaufen kann – Präsentieren und Gewinnen!

Präsentieren und Gewinnen ist tatsächlich der Titel eines Wettbewerbs, der bei uns im Foyer beworben wird. Und der hat mich auf eine Idee gebracht.

Präsentieren und Verlieren! Die schlechteste Präsentation gewinnt.

Schummeln und Gewinnen! Gewinnen kann nur, wer die Aufgabenstellung umgeht. Wer das allerdings tut, erfüllt sie ja gleichzeitig, was allerdings wieder eine Umgehung der Aufgabenstellung wäre… es ist paradox. Meta-Schummeln.

Jugend Plagiiert! Nach Jugend Präsentiert, Jugend Forscht, Jugend Debattiert und Jugend Musiziert kommt jetzt das weitaus bessere EU-Remake des Schweizer Erfolgswettbewerbs Jugend Kopiert. Der erste Platz geht hierbei an das beste Plagiat des Vorjahres-Gewinners. In der Schweiz gewinnt zum Beispiel seit dreizehn Jahren die Beispielpräsentation.

Jugend Boykottiert! Der Pries wird an alle Teams verliehen, die erfolgreich nicht am Wettbewerb teilnehmen – allerdings nur bei Selbstabholung.

Jugend verpasst den Einsendeschluss! Was genau hier gefordert ist, weiß ich auch noch nicht genau. Aber ich wäre sicher gut darin.

Und last but not least – Jugend Existiert! Der Wettbewerb für all die unglücklichen Unwissenden, die sich immer noch vor dem Segen des Wettbewerbs zu drücken versuchen. Denn es ist nicht möglich, sich dem Wettbewerb zu verschließen! Nicht in unserer Welt! Wir können die Welt nicht ändern, also ist es nur logisch, uns ihr anzupassen! Willkommen in der Arena.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total cool wäre, auf der Oscar-Verleihung mit einem Segway über den roten Teppich zu fahren. (Und wenn das nächstes Jahr jemand macht: Kim S hat es zuerst gesagt!)