Archiv für die Kategorie ‘Der Verfassungsschutz und ich’

Mein achter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Verfassungsschutz. Nach meinem siebzehnten Geburtstag habe ich Post von einer zwielichtigen Vereinigung bekommen, die mir anbietet, Profi-Killerin zu werden.


Hallo Jochen.

Kim hier. Ich weiß, ich habe lang nichts mehr von mir hören lassen. Aber es ist verdammt wichtig.

Ich habe mich wohl mit den falschen Leuten angelegt. Keine Ahnung, was ich gemacht habe, jedenfalls kam gestern Post von einer Gruppe Bewaffneter, die wollen, dass wir uns treffen. Ich weiß nicht, woher sie wissen, wer ich bin und wo ich wohne, aber sie kennen meinen vollen Namen und mein Geburtsdatum, und ich schiebe hier langsam Panik.

Was wollen die von mir? Sie haben Waffen. Sie wollen mich in ein Kriegsgebiet schicken. Scheiße. Jochen, ich weiß nicht, was hier läuft. Warum tun sie das?

Vielleicht können Sie mir helfen. Ist Ihnen von ähnlichen Fällen bekannt? Oder haben die es nur auf mich abgesehen?

Einen Scan des Briefes habe ich angehängt. Bitte helfen Sie mir.

Kim

Beinahe befürchte ich, die Regierung hat den Bewaffneten meine Adresse verraten. Aber das würden die doch nicht wirklich tun, oder?

Beinahe befürchte ich, die Regierung hat den Bewaffneten meine Adresse verraten. Aber das würden die doch nicht wirklich tun, oder?

Mein siebter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Vielleicht kann Jochen mir helfen, das Radio zu revolutionieren.


 

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Hallo Jochen,

wahrscheinlich sind Sie für das, was ich jetzt vorschlage, gar nicht zuständig, aber man weiß ja nie, wie mächtig Behörden wirklich sind. Könnten Sie mein Konzept bitte an die Zuständigen weiterleiten?

Der Chef der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern, Franz-Robert Liskow, hat ja eine fünfunddreißigprozentige Schlagerquote für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert. Er erklärte dies sehr einleuchtend: „Durch Helene Fischer hat der Schlager ein frisches Image bekommen. Der NDR glaubt noch immer, junge Leute wollen nur internationale Popmusik hören. Die sollen mal in Helenes Konzerte gehen.“

Zuerst dachte ich, das sei Satire.

Danach dachte ich, das sei nervig, egoistisch, spießig und einfach nur peinlich. Sollen die Schlager vielleicht noch regional angeglichen werden? Sollen im Radio alle Moderatoren Mundart sprechen? Oder doch lieber solche Pop-Schlager spielen? Warum führen wir nicht gleich eine Helene Fischer-Quote ein? Ich vergaß, Helene Fische hat ja nur einen Song. Also eine Atemlos-Quote? Ich bin übrigens auch in einer politischen Jugendorganisation und ich mag wirklich gern Rise Against. Warum führen wir also keine Hardcore/Punk-Quote ein? Ach ja, weil der NDR glaubt, junge Leute wollten nur Popmusik hören. Aber da irren sie sich gewaltig. Sollen sie mal auf ein Festival gehen!

Aber dann dachte ich mir – warum nicht? Die CDU ist schließlich die einflussreichste Partei in Deutschland! Und warum nur 35%? Die Union hat bei der letzten Bundestagswahl schließlich 41,5% erreicht. Folglich sollten sie 41,5% der gespielten Musik bestimmen. Alle Politiker sollten so viel Musik bestimmen, wie sie Prozente haben. Ist ja schließlich Hauptaufgabe von Politikern. Das Volk repräsentieren und die Musik im Radio aussuchen. Steht sogar im Grundgesetz. Glaube ich.

Diese perfekte Verschmelzung von Musik und Politik ließe sich natürlich auch schneller vollziehen. Wir könnten zum Beispiel nur noch Musik von Abgeordneten des Bundes- und der Landtage spielen. Um weiterhin Qualität im Rundfunk zu gewährleisten, müsste natürlich jeder, der einen Listenplatz oder ein Direktmandat haben möchte, vorher wahlweise eine kleine Gesangsprobe oder einen Talentbeweis am Schlagzeug oder der Blockflöte abliefern. Sollte ein Kandidat letztendlich von der Bevölkerung in den Bundestag gecastet werden – Juroren unter der Leitung von Dieter Bohlen oder ein Coach-System wie bei The Voice sind durchaus denkbar – können die Fraktionen anhand der Musikrichtungen zusammengestellt werden. Eine Koalition ist extrem schwierig zu bilden, eine Band sehr viel einfacher, allein schon wegen der geringeren Mitgliederzahl. Die so entstandenen Combos treten dann in Blind Auditions und Battles im Parlamentsfernsehen gegeneinander an, wobei der oder die Leadsänger*in der Sieger-Band ins Kanzleramt einziehen darf. Der Rest der Band stellt die Ministerposten. Alternativ kann auch über eine Zusammenlegung von Bundestag und Staatsballett nachgedacht werden.

Um das ganze Verfahren abzukürzen kann natürlich auch gleich Helene Fischer als Bundeskanzlerin eingesetzt werden. Aber nur, wenn Florian Silbereisen Bundespräsident wird.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total verwirrend ist, wenn Sätze anders enden als man Kartoffel.

Mein sechster fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Dieses Mal habe ich eine Schläferzelle entdeckt.


Hallo Jochen,

Kim hier. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Ihnen nicht mehr zu schreiben, Sie nehmen mich ja doch nicht ernst, aber dieses Mal geht es um die nationale Sicherheit. Und die müssen Sie ernstnehmen, nicht wahr?

Sie kennen sich doch sicherlich mit Schläferzellen aus. Terroristen, die vollkommen unerkannt unter normalen Bürgern leben und nur darauf warten, aktiviert zu werden und zuzuschlagen? Die sich harmlos geben und gleichzeitig in geheimen Terrorcamps neue Rekruten ausbilden? Sie sind besonders gefährlich, weil sie eben halb-offiziell sind. Wir sehen ihre Netzwerke, aber wir sehen nicht, dass es sich um Terror-Netzwerke handelt. Sie sind total unverdächtig. Anständige Leute. Nette Nachbarn. Man stößt nur durch Zufall auf sie. Dabei sind sie überall. Ich bin gerade über eine gestolpert.

KLEINGÄRTNERVEREIN "KRAUTGÄRTEN" e.V.Dieses Terrorcamp liegt etwa zehn Kilometer von meinem Haus entfernt. Es tarnt sich als Kleingartenkolonie, und da zeigt sich auch schon das Gefahrenpotential: darin wimmelt es von Kleingarten-Kolonialisten, Gemüsebeet-Imperialisten und Buchsbaum-Nationalisten. Auf einen von ihnen kommen geschätzte 60 m Gartenzaun, 2,2 Gartenzwerge, 0,7 Porzellan-Rehe und 0,4 Springbrunnen. Dazu 2,3 kg biologische Kampfmittel, allen voran Rattengift, 2,6 Heckenscheren, 10 m Stacheldraht und 1,1 Wasserwerfer. Schockierend!

Hier rüstet die extreme Mitte zum Kampf gegen Individualität und alternative Gesellschaftsformen. Hier wird vorgegeben, wie breit ein geharkter Weg, wie hoch eine Fertigbauhütte und wie lang ein Grashalm sein darf. Hier grüßen alle freundlich und bleiben schön auf ihrem eigenen Rollrasen. Hier erprobt FRONTEX neue Grenzzäune.

Die quadratischen Parzellen, penibel mit Maschendrahtzaun getrennt, sind die Keimzelle übertriebener Nationalstaatlichkeit. In jedem der Nationalstaaten flattert eine Deutschlandflagge, gemeinsam mit der Fahne des favorisierten Fußballvereins, daneben ein Bratwurstgrill und ein Gartenzwerg. Jeder Garten ist Deutschland. Aber nicht nur einmal, sondern ganz, ganz oft. Warum können nicht alle so ordentlich, fleißig und pünktlich sein wie wir? Wäre die Welt nicht schöner, wenn in jedem souveränen Staat eine Kuckucksuhr hinge und wenn es überall Kartoffelpuffer gäbe? Das ist der Traum der Kleingartenkolonialisten. Currywurst für alle! Ein deutscher Alptraum. Extreme Mitte, rechter Rand.

Ich habe Angst vor den Kleingärten. Und wenn Sie vernünftig sind, sollten Sie das auch tun. Denn wenn wir nicht handeln, wird bald die ganze Welt in quadratische Nationalparzellen eingeteilt sein. Dann ist keine Rede mehr von Gemeinschaft und Gemeineigentum. Dann sind überall Gartenzäune. Und zwischen den Gartenzäunen gilt das Recht des Stärkeren. Darauf hab ich keine Lust. Ich zähle auf Sie.

Mit besorgten Grüßen,

Kim

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Falafel der Schlüssel zur Lösung des Nahostkonflikts sind.

Mein fünfter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen,

Kim hier. (Wenn Sie meinen Nachnamen weglassen, lasse ich Ihren auch weg.) Ich habe ein kleines Problem, vielleicht können Sie mir helfen.

Gerade war ich zwei Wochen in Südengland, das war sehr schön da. Vor allem London ist einfach der Wahnsinn! Natürlich habe ich viele Fotos gemacht. Leider habe ich versehentlich alle Fotos ab dem 25. August gelöscht. Haben Sie die noch irgendwo?

Dumme Frage, natürlich. Sie sind schließlich beim Geheimdienst und mein Handy ist mit dem Internet verbunden. Könnten Sie bitte mal nachschauen? Vielleicht hat die Bilder ja auch der britische Geheimdienst, und mit dem verstehen Sie sich ja nicht so gut, aber sicher haben Sie ein paar Doppelagenten da, oder?

Schicken Sie mir doch bitte alle Bilder mit mir und meiner Familie drauf. (Ich bin das Mädchen in schwarz mit den türkis-schwarzen Haaren und den roten Schnürsenkeln.) Außerdem waren da noch ein paar Bilder von The Shard (dem Hochhaus), der Towerbridge, dem Camden Market, dem Hochhaus, das ein bisschen wie ein Penis aussieht, und ganz vielen Antifa-Aufklebern. Falls Sie meine Bilder nicht finden, schicken Sie mir einfach irgendwelche scharfen, auf denen nicht so viele Touristen drauf sind. Und falls Sie ein paar Aufnahmen vom London Eye finden, schicken Sie die doch auch gleich mit, ich war zu faul zum Anstehen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe,

Kim S

 PS: Irgendwo müsste ein paar Fotos von einem schwäbischen Touristenpärchen sein, auf denen ich drauf bin. Die zwei haben mich am Picadilly Circus so sehr genervt, dass ich mich aus Rache auf alle ihre Bilder draufgeschmuggelt habe. Die Fotos hätte ich auch gerne. Dankeschön.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass „unnecessary“ das schlimmste Wort der englischen Sprache ist.

Mein vierter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


Hallo Jochen Sönkeberg,

tut mir leid, dass ich in meinem letzten Brief so schnippisch zu Ihnen war. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie in Wirklichkeit so etwas wie ein gescheiterter Held sind! Bisher hatte ich Sie mir ganz bürgerlich vorgestellt, Ende vierzig, verheiratet, Reihenhaus, BMW, Hund. Typische Schreibtischbeamter eben. Kaum zu glauben, dass Sie eigentlich zur Polizei wollten, um die Bevölkerung vor skrupellosen Verbrechern zu schützen!

Schade, dass Sie den Eignungstest so knapp nicht bestanden haben. Und das nur wegen der Sache mit dem Ballsport… (Falls es Sie tröstet – in Ballparcours hatte ich auch immer eine 5. Mindestens.) Jetzt ärgern Sie sich bestimmt, dass Sie stattdessen den ganzen Tag für den Verfassungsschutz langweilige Linksextremisten und Juniorterroristen überwachen müssen. Wenn ich Ihren Job hätte, wäre ich auch total verbittert.

Falls Sie mal was Spannendes machen wollen, eine Razzia oder so: schauen Sie sich doch mal bei der Jungen Union um. Deren aktuelle Werbekampagne nennt sich Black is beautiful. Klingt, als würden sich auch die konservativen Kids endlich mit schwarzafrikanischen Flüchtlingen solidarisieren, ist aber in Wirklichkeit ein weiterer Schritt in den Sumpf des Extremismus.

Auf der Website der JU kann man einheitliche schwarze Oberbekleidung bestellen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Junge, militante Aktivisten in einheitlichem schwarz, die sich auf Demos mit der Polizei anlegen? Schwarz, damit sie die Polizei nicht auseinanderhalten kann? Bei Ihnen als Verfassungsschützer müssten da doch alle Alarmglocken schrillen!

In der JU, der Mitte der Gesellschaft, formiert sich sichtbar vor unseren Augen ein schwarzer Block, wie man ihn von autonomen Linken (und neuerdings auch Rechten) kennt. Diese Strukturen sind auf Demonstrationen für Randale, Verwüstung und Schlägereien mit der Polizei berüchtigt. Auf Grund der erschreckend hohen Mitgliederzahlen der CDU könnte dies der größte und mächtigste Black Bloc der Geschichte werden!

Tun Sie was, Jochen Sönkeberg! Sein Sie der Held, der Sie immer sein wollten, und retten Sie die friedliche Protestkultur vor der Jungen Union!

Viele Grüße,
Kim S

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich? Screenshot der JU-Website

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich?
Screenshot der JU-Website

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es ein Microsoft-Word-Sonderzeichen für „Merkelraute“ geben müsste. Das würde ich dann als Ironie-Zeichen benutzen.

Mein dritter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen Sönkeberg,
hier Kim S.

Ja, ich hatte Sie verarscht. Aber das ist doch noch lange kein Grund, so ungehalten zu werden wie Sie in ihrem letzten Brief. Sie schreiben, ich könne mir meine Ironie stecken, wohin ich will, solche Junior-Terroristen wie ich gingen Ihnen am Arsch vorbei, und ob ich etwa glauben würde, dass es Ihnen Spaß macht, mich zu überwachen.

Gegenfrage: wenn es Ihnen keinen Spaß macht, mich zu überwachen, warum sind Sie dann beim Verfassungsschutz? Es gibt doch sicher genug Arbeitgeber, die Sie mit offenen Armen genommen hätten, oder? Wobei die meisten wichtigen, wirklich erfüllenden Berufe ja grauenhaft bezahlt sind. Wenn man am schnellen Geld interessiert ist, geht man dann wohl doch lieber zum Verfassungsschutz.
Was studiert man da eigentlich? BWL? Wenn man nicht weiß, was man studieren soll, studiert man doch immer BWL, wahlweise auch VWL, oder? Nicht, dass ich das jetzt wissen will, weil ich beim Verfassungsschutz anheuern wollte, auf keinen Fall. Mich interessiert einfach, was das da für Leute sind.

Sie sollten mir mal was über sich schreiben, finde ich. Schließlich wissen Sie fast alles über mich, und ich weiß fast gar nichts über Sie, das ist schon irgendwie unfair. Wissen ist Macht sagte schon der alte Francis Bacon. Ich würde Sie ja auf facebook suchen, da bin ich aber nicht. Aber falls Sie auch bloggen, wäre ich bereit, Ihnen zu folgen. Sie lesen meinen Blog sicherlich schon. Ich nehme an, dass Sie „invisiblesuperj@deutschland.de“ sind. Das freut mich fast ein bisschen, damit sind Sie nämlich genau 10% meiner Follower. Leiten Sie meinen Blog doch bitte an ein paar Ihrer genauso gelangweilten Kollegen weiter.

Viele Grüße,
Kim S

PS: Vielen Dank für den Andi-Comic, den Sie mir geschickt haben. (Ich nehme stark an, dass Sie das waren, ich kenne sonst leider niemanden in Berlin. Schon traurig, oder? Da will man hoch hinaus, die Regierung stürzen und so, und der einzige Berliner, den man kennt, arbeitet beim Verfassungsschutz.) Voll niedlich jedenfalls!!! Die kleinen linksextremen Punks sind ja echt zum Knuddeln mit ihren riesengroßen Manga-Augen! Und wie die alle reden, als hätten sie Das Kapital verschluckt! Vielleicht sollte ich mir auch die Haare lila färben. Sie sind aber leider schon schwarz-türkis, und wenn man sie zu oft umfärbt, ist das nicht so gut für die Haarstruktur. So ein schwarzes Anarcho-T-Shirt brauchte ich aber auf jeden Fall. Sie als Experte wissen doch sicherlich, wo man das herbekommt, oder?

PPS: Die Anarchie-Flagge auf Seite 15 ist falschrum aufgehängt. Bitte ändern.

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir eine neue Nationalhymne brauchen. Die Alte ist erstens negativ vorbelastet und zweitens echt lahm.

Teil zwei eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen hat auf meine Initiativbewerbung geantwortet, jetzt bin ich wieder dran.


Sehr geehrter Herr Jochen Sönkeberg,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort auf meine Initiativbewerbung. Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Antwort erwartet – ich dachte, ironisch gemeinte Anfragen landen bei Ihnen sofort im Schredder. Aber Sie haben wohl ernsthaft gedacht, ich meine das ernst!

Was soll ich denn in der extremen Mitte? Das ist mir doch alles viel zu spießig da. Es macht mir also nichts aus, dass Sie meine Bewerbung zur V-Frau abgelehnt haben. Unverständlich finde ich bloß die Begründung, mit der Sie mich abgelehnt haben.

Ich bin zu extrem? Also bitte. Ich dachte, das gesamte Konzept der V-Leute beruht darauf, Extremisten durch andere Extremisten überwachen zu lassen. Gewalttätige Nazis schützen di Verfassung vor gewalttätigen Nazis? Kein Problem. Autonome Linke bespitzeln autonome Linke? Klar doch. Und mich wollen Sie bei dem Verfassungsschützerclub nicht mitmachen lassen, weil ich zu extrem bin?

Sie haben recht, ich bin Mitglied in einer der, wie Sie es so elegant ausdrücken, „offen extremistischen Strukturen innerhalb der Partei Die Linke“. Ich bin ganz offiziell gegen Kapitalismus, Rassismus, Bundeswehr-Propaganda, Neonazis, Abschiebung von Geflüchteten und Ausbeutung von Ressourcen. Außerdem kleide ich mich unkonventionell, höre unkonventionelle Musik und bin Autorin eines linken Satireblogs. Total extrem also. Laut Ihrer Extremismustheorie bin ich linksextrem.

Allerdings dachte ich, das sie Voraussetzung für den Job! Sie könnten die extreme Mitte natürlich auch durch gekaufte Mitte-Extremisten bespitzeln lassen – das wird aber nicht funktionieren. Als ob die einander verraten würden! Der einzige Weg, der funktionieren würde, wäre der, Extremisten durch Extremisten anderer Richtungen überwachen zu lassen. Zeit für ein paar Linke in der extremen Mitte.

Ich persönlich werde die Machenschaften von JU & Co auch ohne Ihren Auftrag im Blick behalten und Ihnen alle verdächtigen Aktivitäten melden. Irgendjemand muss ja die Verfassung schützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim S

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts!

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat offenbar auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts. Bildquelle: CDU Moers

 

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass 60% aller CSU-Wähler Gartenzwerge sind.

Dies ist der erste Brief eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen will die Welt retten, ich auch. Deshalb bewerbe ich mich bei ihm.


Sehr geehrte Mitarbeiterin,
sehr geehrter Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz,
dies ist eine Initiativbewerbung.

Ich melde mich hiermit freiwillig als V-Frau in der extremen Mitte. Das Konzept der V-Leute selbst erscheint mir sehr einleuchtend. Es versorgt den Verfassungsschutz mit wichtigen Informationen über die Umtriebe in der extrem rechten bzw. linken Szene, was ja auch wichtig ist. Allerdings unterschätzen Sie dabei das hohe Gefahrenpotential der politisch extremen Mitte.

Während rechte und linke Extremisten offenbar flächendeckend überwacht werden, ist mir persönlich nichts von V-Leuten in den Kreisen um CDU, SPD, FDP, Grünen und AfD bekannt. Dabei geht von Mitgliedern, Wählern und Sympathisanten dieser und ähnlicher Parteien unerkannt die größte Gefahr aus.

Die meisten politisch motivierten Straftaten durch Rechte oder Linke werden sofort als solche erkannt und behandelt (von der NSU-Mordserie wollen wir an dieser Stelle nicht schreiben). Allerdings werden so gut wie 0% der Verbrechen durch Mitte-Extremisten als politisch erkannt und statistisch erfasst. Eine enorm hohe Dunkelziffer!

Statistisch gesehen wählen 41,5% der Gewaltverbrecher, Ladendiebe, Steuerhinterzieher und Falschparker die CDU! Weitere 25,7% sind SPD-Wähler und immerhin 4,8% haben FDP gewählt. Das höchste Gewaltpotential steckt in der politisch extremen Mitte der Gesellschaft. Dabei muss man besonders wachsam sein, denn während man extreme Rechte und Linke oft schon an ihrer Kleidung und ihrem Lebensstil erkennt, leben Mitte-Extremisten meist völlig angepasst und daher unerkannt mitten unter uns!

Ich würde Ihnen gern helfen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung vor dem Terror der Mitte zu schützen, damit man sich in Deutschland wieder ohne Angst auf die Straße trauen kann. Für diesen Zweck wäre ich bereit, mich in einer der Mitte-extremen Jugendorganisationen, zum Beispiel der konservativ-extremen Junge Union, einmal umzusehen. Auf diesen Zusammenschluss junger Neo-Konservativer bin ich im Internet gestoßen. Nach außen wirkt die JU äußerst bürgerlich, und innendrinn ist sie auch äußerst bürgerlich! Eine tickende Zeitbombe also, um die sich schnellstmöglich jemand kümmern muss.

Bitte kontaktieren Sie mich.
Mit freundlichen Grüßen,
Kim S

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Deutschland ans Mittelmeer umziehen sollte.