Mit ‘Anarchie’ getaggte Beiträge

Schachspielen für die Revolution

Veröffentlicht: 10. November 2014 in WGweisend
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Ich kenne keinen Ort, an dem mehr Schach gespielt wird als in meinem Internat. Die Bewohner hier sind versessen auf dieses Spiel. Auf eine WG kommen schätzungsweise zwei Schachbretter, und die am häufigsten gesuchten Gegenstände hier sind Bauern, die im Staubsauger gelandet sind. Die meisten von uns können gleichzeitig Schachspielen und Hausaufgaben machen. Oder den Kühlschrank abtauen. Oder sich über physikalische Fehler in Science-Fiction-Filmen austauschen. Wer hier nicht weiß, wie ein Turm ziehen kann, wird angeschaut, als wüsste er nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

Das Schachspiel entstand zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert in Persien. Der Name Schach leitet sich vom Persischen ‏شاه (Schah), König, ab. Es wird von zwei Spielern oder Teams gegeneinander gespielt, die mit ihren schwarzen bzw. weißen Figuren versuchen, den König des anderen zu stürzen. Jetzt wüsste ich gern – warum kommt nie jemand auf die Idee, seinen eigenen König zu stürzen?

Schachmatt, oder Persisch شاه مات (Shah mat), bedeutet Der König ist geschlagen und stellt das Ende des Spiels da. Die Mannschaft ohne König hat verloren, Ende der Geschichte. Aber wissen wir nicht alle, dass die Geschichte erst richtig interessant wird, wenn der König endlich weg ist? Monarchie-Anhänger, Liberale, Sozialisten, Kommunisten, religiöse Fundamentalisten, Faschisten und Anarchisten prügeln sich um die neue Herrschaft (oder Nicht-Herrschaft) im Staat. Ehemals machtlose Nicht-Eliten, Arbeiter, Bauern, Frauen fordern ihre Rechte. Meistens fließt Blut. Aber wenn man alles richtig macht, kommt am Ende eine Demokratie dabei raus.

Wenn die Könige weg sind, haben die Schwarzen und die Weißen außerdem keinen Grund mehr, sich gegenseitig zu bekämpfen. Weg fällt auch das Privileg, dass die Weißen immer anfangen dürfen. Dass sich die Bauern für den König opfern müssen. Dass es insgesamt nur zwei Frauen in Führungspositionen gibt. Um antiautoritär, antirassistisch und feministische zu handeln, müssen beide Könige weg!

Schachmatt.

Auf einem Schachbrett ohne Könige können alle anderen Figuren ohne Konkurrenzdenken zusammenstehen und sich zusammen bewegen, ohne sich gegenseitig rauszuschmeißen. Und idealerweise ärgere ich mich dann auch nicht mehr so, weil ich nicht mehr gegen unseren Junior-Großmeister verliere.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Völkerball das nationalistischste Spiel der Welt ist.

Kommunismus im Kühlschrank

Veröffentlicht: 18. Oktober 2014 in WGweisend
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Donnerstagnachmittag.

Ich sitze in einer WG, die nicht meine ist, auf einem Bett, das nicht meins ist, und schaue auf einem Laptop, der nicht meiner ist, ein Werbevideo für die wohl überflüssigste, überteuerste und insignifikanteste Erfindung des Jahrhunderts: Kinetischer Sand. Kinetischer Sand ist eine Substanz, die laut Angaben des Herstellers zu 98% aus Sand und zu 2% aus einem nicht genannten Supermaterial besteht, sich kneten lässt und für die gelangweiltesten aller Zeitgenossen erfunden wurde. Mich irritiert, dass ich dieses Produkt unbedingt haben möchte.

Auf einmal deutet eine Äußerung aus der Küche darauf hin, dass dort wohl jemand den Kommunismus hasst. „Ich hasse den Kommunismus! Ich hasse, hasse, hasse ihn einfach!“ Das ist eine unerwartete Wendung in der Hintergrundgeräuschkulisse, da es bis eben noch um die Bestückung des Kühlschrankes ging.

Dann allerdings stellt sich heraus, dass der spontane Hass auf den Kommunismus mit eben diesem Thema eine Menge zu tun hat. Offenbar macht eine der Bewohnerinnen den Kommunismus dafür verantwortlich, dass jemand ihre Margarine aufgegessen hat. Als einzige geoutete Antikapitalistin in der Wohnung fühle ich mich verpflichtet, die Verhältnisse geradezurücken.

ich:      Ich hasse den Kapitalismus.

sie:      Aber wieso?

ich:      Weil er unfair ist. Weil dabei Menschen ausgebeutet werden. Wettbewerb, Marktwirtschaft, das ist ja alles schön und gut, aber es ist nicht fair, wenn die einen im Wettbewerb bessere Chancen haben als die anderen. Und das wird sich niemals ändern, wenn die einen darüber entscheiden können, ob die anderen Arbeit haben, wo sie arbeiten, wie viel sie arbeiten und wie viel sie dabei verdienen.

sie:      Aber es werden doch immer Menschen ausgebeutet. Wettbewerb ist nie fair.

ich:      Und willst du nicht, dass sich das ändert?

sie:      Das geht nicht.

ich:      Was ist mit Sportwettkämpfen? Da starten doch auch alle an derselben Linie.

sie:      Aber nicht alle Teilnehmer sind gleich stark und schnell. Und das ist in echt auch nicht so.

ich:      Und ist das fair? Dass, zum Beispiel, eine Frau in einem indischen Slum oder ein Südafrikaner aus einem Township geringere Chancen hat, nur weil er oder sie ein Frau oder schwarz oder einfach am falschen Ort geboren ist?

sie:      Die können ja woanders hingehen?

ich:      Aber das sollen sie doch gar nicht! Jeder soll doch überall klarkommen! Und wenn die alle nach Deutschland kommen, werden hier die Grenzen dicht gemacht, weil „zu viele Flüchtlinge“ unserer Wirtschaft schaden, und dann kommen wieder ein paar Nazis und sagen, die Ausländer nutzen unser Sozialsystem aus, und – zack! – dann werden nur noch die aufgenommen, die arbeiten können, und das ist ganz super für unsere Wirtschaft, aber dann haben wir das Überleben von tausenden Menschen leider davon abhängig gemacht, ob sie wirtschaftlich was wert sind, und wir helfen ihnen nur unseretwegen, und das…

sie:      …das ist doch total bescheuert!

ich:      Meine Rede.

sie:      Bist du Kommunistin?

ich:      Anarcho-Sozialistin. Und für mich ist das nicht deine Margarine, sondern die Margarine von allen, die sie brauchen. Oder die Margarine von niemandem, je nachdem.

sie:      Aber… ich bin Laktose-intolerant!

ich:      Versteck doch deine Margarine das nächste Mal.

Sie:      Geht das nicht gegen deine Prinzipien?

ich:      Global – ja. Aber nicht in der WG. WGs sind Schlachtfelder. Jeder für sich und Gott gegen alle.

sie:      Das Leben ist hart.

ich:      In der Tat.

sie:      …

ich:      …

sie:      Was ist das da eigentlich auf deinem Brot?

Ich:      Äh… guck mal, kinetischer Sand!

Ein unterschätzter Kühlschrank-Bewohner: die Margarine-Kobra. Bildquelle: Wikipedia

Ein unterschätzter Kühlschrank-Bewohner: die Margarine-Kobra.
Bildquelle: Wikipedia

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Veganer nicht „Alles in Butter“ sagen sollten.

Take the lead and melt it down

Veröffentlicht: 11. August 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
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Das englische Wort für Blei ist lead.
Das englische Wort für Führung ist auch lead.
Zu viel Blei macht krank…

GroKo goes Anarchy!

Veröffentlicht: 31. Juli 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
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Kennen Sie diese Sterne? Diese fünfzackigen Sterne, die zur Hälfte rot und zur Hälfte schwarz sind? So einer pinnt neuerdings an meiner schwarzen Tasche, direkt neben dem Roten. Soll heißen: die Trägerin dieser Tasche hat eine anarchistische Grundeinstellung.
Heute Morgen bemerkte jemand dieses – im Gallus eigentlich ganz alltägliche – Symbol und sprach mich darauf an.

„Du unterstützt die große Koalition?“

Die große Koalition, sprich, die Regierung, zu unterstützen, ist wirklich das Letzte, was ich mit so einem Pin bewirken will. Aber der Typ hatte Recht. Die Anarchie-Flagge sieht wirklich ein bisschen aus wie das GroKo-Logo. Besser gesagt, die derzeitige Regierung sieht farblich ein bisschen anarchistisch aus.

Könnte es einen größeren Kontrast geben? Stellen Sie sich mal vor, die USA und Al-Qaida hätten dieselbe Flagge. (Wer in diesem Fall die USA und wer Al-Qaida ist, das überlasse ich Ihnen.) So etwa erscheint mir das. Jetzt stellen Sie sich eine Gruppe Jusos und JU-Mitglieder vor, die mit Anarchie-Pins und Anarchie-T-Shirts in der Fußgängerzone stehen, direkt neben ein paar Punks. Vielleicht könnten sie sich ja mit den Punks anfreunden und nachts zusammen „KEINE MACHT FÜR NIEMAND, KUCHEN FÜR ALLE“ an die Europäische Zentralbank sprayen.

Wessen Logo ist das wohl? Bildquelle: Wikipedia http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAnarchist_flag.svg

Wessen Logo ist das wohl?
Bildquelle: Wikipedia

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Abschaffen von Autos die Anzahl von Staus um 100% verringern würde. Mindestens.
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