Mit ‘Deutschland’ getaggte Beiträge

Ich wünschte, ich wäre rechts

Veröffentlicht: 15. März 2016 in Allgemein
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Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen. Bildquelle

Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen.
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Rechte Menschen leben in einer schönen Welt.

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist nämlich total links.

Rechte Menschen treffen ständig linke Menschen. Für rechte Menschen sind fast alle anderen Menschen links. Deutschland ist bevölkert mit Gutmenschen, die alles unterwandern. Rechte Menschen gehen auf linke Schulen. Unis sind rechten Menschen auch zu links.

Wenn rechte Menschen sich mal anständig informieren wollen, müssen sie leider feststellen, dass die Mainstream-Medien alle total links sind. Rechte Menschen lesen die FAZ und kriegen Schreikrämpfe, so links, wie die ist. Sie müssen stattdessen in der Jungen Freiheit lesen, wie fürchterlich Deutschland nach links gerutscht ist.

Rechte Menschen können nicht bei facebook herumhängen und nicht twittern, weil die Amerikanischen Massenmedien in der Welt der rechten Menschen total links sind.

Rechte Menschen brauchen keinen Feminismus, weil die Gleichberechtigung in der Welt der rechten Menschen längst erreicht ist und Frauen nicht sich also gar nicht mehr beschweren müssen. Traditionelle Geschlechterrollen haben sich aufgelöst. In der Welt der rechten Menschen sind Schwangerschaftsabbrüche viel zu einfach.

Rechte Menschen leben in einem Staat, in dem die Kirche an Macht verliert und Homosexualität in Schulen als etwas Normales gelehrt wird.

Für den „angeblichen“ Klimawandel sind wir in der Welt vieler rechter Menschen auch nicht verantwortlich. Wir Menschen sind unschuldig. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht.

Wie schön das sein muss. Ich will auch rechts sein.

Aber wenn doch bloß alles so einfach wäre…

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist von einem ständigen Gefühl des „wir gegen die“ geprägt, von Angst vor „Fremden“, Angst vor Veränderung, Angst vor Offenheit, vor Unkonventionalität. Ich will nicht in einer Welt leben, in der wir allen, die anders sind als wir, mit Misstrauen und Hass begegnen. Ich will nicht die ganze Zeit meine Festung vor Drachen verteidigen, die nicht da sind.

Laut einer Statistik aus der Jungen Freiheit sympathisiert also jeder fünfte Muslim in Deutschland mit Islamisten? Scheiße.

Und laut einer sehr, sehr wirkungsvollen und ziemlich seriösen Statistik vom 13. März sympathisiert knapp jeder vierte Wähler in Sachsen-Anhalt mit der AfD. Auch scheiße.

Wie reagieren wir also darauf, dass manche Menschen Scheiße denken, glauben und bauen? Na, ab besten, wir werden selbst scheiße. Wir lesen Junge Freiheit und wählen AfD. Denken zumindest rechte Menschen. Ganz einfach. Kann jeder. Denken braucht man dazu übrigens auch nicht – steht ja alles in der Jungen Freiheit.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass ich den Joghurt im Kühlschrank mitgebracht habe, aber ich bin mir nicht mehr sicher. Wisst ihr was, Mädels? Esst ihn einfach. Aber lasst mir was übrig. Teilen ist schön.

PS: Meine Zimmerpartnerin sagt, ich solle den Text noch länger machen, aber dazu müsste ich leider noch länger Junge Freiheit lesen.

Quelle der Ideen rechter Menschen: Junge Freiheit Online

Schiebt mich doch ab!

Veröffentlicht: 2. Februar 2016 in Allgemein, Hallo Welt!
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Guten Tag, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Gestatten Sie, dass ich mich kurz vorstelle. Mein Name ist Kim S und in meiner Freizeit liege ich gern dem Staat auf der Tasche. Mit ein wenig Stolz kann ich sagen, dass ich ausgesprochen gut darin bin.

Ich bin seit sechzehn, bald siebzehn Jahren in Deutschland. Seit ich hier bin, habe ich noch keinen Tag gearbeitet oder Steuern gezahlt. Stattdessen beziehe ich regelmäßig Sozialleistungen. Meine Eltern erhalten beispielsweise jeden Monat Kindergeld für mich. Die Tatsache meiner Existenz hat die beiden zudem jahrelang daran gehindert, Vollzeit zu arbeiten und angemessen zum Wirtschaftswachstum beizutragen. In den letzten Jahren war ich zudem mehrfach krank, jedes Mal zumindest zum Teil auf Kosten des Staates. Man muss dazusagen, dass mein Aufenthalt in Deutschland sogar mit einem ausgedehnten Krankenhausaufenthalt für mich und meine Mutter begann. Ich erhalte regelmäßig haus- sowie zahnärztliche Routineuntersuchungen, für die jeweils meine gesetzliche Krankenversicherung aufkommt. Sogar einen Teil meiner langwierigen kieferorthopädischen Behandlung übernahm diese.

Dazu kommt all das Geld, das der Staat Jahr für Jahr in meine Bildung steckt. Ich gehe seit über zehn Jahren auf Staatskosten zur Schule. Ich sitze im Mathe-, Bio- und PoWi-Leistungskurs. Ich könnte Ingenieurin, Krebsforscherin oder Hedgefonds-Managerin werden und dem Staat was Gutes tun und dabei ordentlich Steuern zahlen. Will ich aber nicht. Ich werde lieber was Nutzloses mit Geisteswissenschaften. Zurzeit besuche ich eine für mein Bundesland äußerst kostspielige staatliche Schule, inklusive teurer Gimmicks wie einem vierwöchigen Auslandsaufenthalt, einer jährlichen Klassenfahrt und einem unverschämt großen neuen Fernseher im Fernsehraum, der vermutlich so viel gekostet hat wie das Auto meiner Mutter und die neue Matratze meines Vaters kombiniert. Und das alles von Ihren Steuergeldern, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Sonderlich integrationswillig bin ich im Übrigen auch nicht. Bis ich fließend Deutsch sprach, dauerte es mehrere Jahre. Ich habe, obwohl ich seit sechzehn Jahren hier bin, nie einen Deutschkurs besucht. Ich bin keine Christin, verweigere mich seit der Mittelstufe dem schulischen Religionsunterricht, und esse kein Schweinefleisch und kein Sauerkraut. Anstatt angemessen deutsches Kulturgut wie Helene Fischer zu fördern, importiere ich lieber – häufig mit politsicher Ideologie bepackte – Musik aus der Anglosphäre.

Einen deutschen Pass habe ich dennoch sofort bekommen. Es geht doch nichts über die richtigen Eltern. Die Regierung, die all das für mich ermöglicht, ziehe ich dabei in meinem pathetischen kleinen Blog durch den Kakao.

Wann ich etwas zurückgebe? Das weiß ich noch nicht. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich überhaupt etwas zurückgeben werde. Vielleicht wandere ich stattdessen aus. Ich genieße das Recht auf freie Wahl meines Wohnraumes innerhalb der EU. Dublin III gilt für mich nicht. Ich könnte nach dem Abitur Tschüss sagen und nach Schottland ziehen. Dann wäre ich weg mit Ihrem Steuergeld, und Sie könnten nichts dagegen machen! Aber wenigstens liegen meine Kinder dann nicht Deutschland auf der Tasche.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim S

"Zu viele" Flüchtlinge? Wem die Überbevölkerung in Deutschland zu kritsiche wird, der soll leine Kinder kriegen. Quele des Originalplakats

„Zu viele“ Flüchtlinge? Wem die Überbevölkerung in Deutschland zu kritsich wird, der soll keine Kinder kriegen.
Quele des Originalplakats

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Staat lieber an der Parteienfinanzierung für die AfD sparen sollte als an Geldern für die Flüchtlingshilfe.

Noch mal für alle

Veröffentlicht: 11. Oktober 2015 in Echt jetzt?
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Liebe Leute,

da offenbar immer noch nicht alle verstanden haben, wie wir auf fliehende Menschen zu reagieren haben, hier noch mal die häufigsten Fehlannahmen einfach erklärt.

Fluechtlingsboot

Dieses Boot ist voll.

DeutschlandSchiff

Dieses Boot ist nicht voll.

Seehofer

Dieser Mann will Grenzzäune bauen und sagt, er sei kein Rassist.

TrumpQuote

Dieser Mann will eine Grenzmauer bauen und sagt, er sein kein Rassist.

Hmmm.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bahnfahren wirklich kompliziert ist.

Bildquellen: DW, Alles Kreuzfahrt, gmx, CNN Money

Ich wollte ein Bild zum Thema "Political Correctness" posten, aber alles, was ich fand, war rechte Hetze und White-Pride-Shit. Deshalb stattdessen ein Bild, das das Hubble-Space-Teleskop geschossen hat. Bildquelle

Ich wollte ein Bild zum Thema „Political Correctness“ posten, aber alles, was ich fand, war rechte Hetze und White-Pride-Shit. Deshalb stattdessen ein Bild, das das Hubble-Space-Teleskop geschossen hat.
Bildquelle

Ich werde heute etwas aussprechen, was nicht gern gehört wird. Von wem? Ach, von den ganzen Gutmenschen und Phrasendreschern und Wahrheitsverdrehern da oben. Was weiß ich. Denen muss mal ordentlich wer auf die Füße treten. Was ich jetzt aussprechen werde, denken viele, die trauen sich nur nicht, das Maul aufzusperren.

Deutschland muss anders werden. Sich mehr auf seine Werte zurückbesinnen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Wir Deutschen müssen wieder politisch korrekt werden. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Spaß beiseite.

Politisch zu sein ist, soweit ich mich erinnere, etwas Gutes. Korrekt war meiner Meinung nach auch immer ein positives Wort. Was, frage ich mich, haben dann ständig alle gegen Politische Korrektheit? Googeln Sie den Begriff mal. Sie werden eine Definition und gefühlt eine Million Parodien, Karikaturen und Hetzreden gegen politische Korrektheit finden.

Wir haben schon immer Negerkuss gesagt. Ich meine das ja gar nicht abwertend, aber. Mit „Wissenschaftler“ sind natürlich auch Frauen gemeint, aber der Einfachheit halber verzichten wir im Weiteren auf. Ihr müsst schon zugeben, dass. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

„Politisch korrekt“ scheint ein grauenhaftes Schimpfwort für alle zu sein, die sich kleinhalten und den Mund verbieten lassen. Wer politisch korrekt ist, könnte man denken, plappert nach, denkt nicht mit und lässt sich von liberal-linksgrün-versifften Sprachnazis diktieren, was er_sie zu sagen und zu denken hat. Politisch korrekte Mitbürger*innen sind die armen Schlucker, die nicht mehr „Zigeunerschnitzel“ sagen dürfen und deshalb natürlich automatisch alle Probleme in Europa weglächeln, weil man ja über Zigeuner nicht reden darf. Oder so ähnlich.

Aber ganz ehrlich?

Politische Korrektheit bedeutet genau das Gegenteil – nämlich, dass wir über unsere Sprach- und Denkmuster nachdenken, bevor wir den Mund aufmachen, nicht, dass wir den Mund gar nicht aufmachen. Politische Korrektheit bedeutet nicht, alles nachzuplappern, sondern über das nachzudenken, was wir nachplappern. Täglich übernehmen wir unbewusst die Sprach- und damit die Denkmuster unserer Umgebung. Wie wir reden, entscheidet darüber, wie wir denken und wie andere denken. Wenn wir unsere Umgebung ändern wollen, müssen wir unsere Denkmuster ändern, und das beginnt mit der Änderung unserer Sprachmuster. Ganz einfach.

Wenn wir etwas scheiße finden, sagen wir, dass wir es scheiße finden, nicht, dass wir es schwul oder behindert oder abartig finden. Wenn jemand ein Arschloch ist, nennen wir ihn_sie ein Arschloch und keinen Mongo oder Spasti. Wenn wir einen Brief an unsere Kolleginnen und Kollegen schreiben, schreiben wir ihn an unsere Kolleginnen und Kollegen, nicht bloß an unsere Kollegen. Wenn wir eine Packung Schokoküsse kaufen, kaufen wir eine Packung Schokoküsse und keine Packung Mohrenköpfe. Wenn wir Politik weltfremd finden, nennen wir sie weltfremd und nicht autistisch. Wenn wir uns an Fasching unbedingt als etwas Originelles verkleiden müssen, dann verkleiden wir uns als etwas wirklich Originelles, zum Beispiel als Zeitreisebananen oder als Guerillazahncremetuben, und nicht als Inder oder Chinesen. Ganz einfach.

Wenn ich sehe, WER in unserer Gesellschaft am lautesten gegen politische Korrektheit wettert, dann sind das rechtslastige und undemokratische Zeitungen wie die Junge Freiheit und eigentümlich frei und Blogs wie Politically Incorrect. Und wenn ich lese, dass politische Korrektheit zugunsten derer rechter Meinungsmache aufgegeben werden soll, wird sie mir gleich noch viel sympathischer.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jede gute Fernsehserie ein Crossover mit Doctor Who verdient.

Am liebsten würde ich jede*n Rassist*in gegen eine*n geflüchtete*n tauschen. Bildquelle

Am liebsten würde ich jede*n Rassist*in gegen eine*n Geflüchtete*n tauschen.
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“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.”

„Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.“

Hallo Westen™, erinnerst du dich?

So beginnt die Präambel der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. 1776 wurde sie unterzeichnet – lange ist das her. Vergessen wurde sie nicht. Sie ist bis heute eines der einflussreichsten Dokumente der westlichen™ Welt. Geflügelte Worte. Die Gleichheit aller Menschen. Die unumstößlichen Rechte. Leben. Freiheit. Das Streben nach Glück.

Das, lieber Westen™, ist ein Dokument, das von Menschen handelt. Das ist es, was Menschen tun. Wir wollen gleiche, unumstößliche Rechte genießen. Leben. Frei sein. Wir streben nach Glück. Jede*r von uns. Jeden Tag.

Die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika ist über 239 Jahre alt. Ihre Gründerväter waren weiße, christliche, privilegierte Männer. Sie schrieben damals „alle Menschen“ und meinten vermutlich weiße, christliche, privilegierte Männer. Das ist 239 Jahre her. Seitdem hat sich viel verändert. Frauen, Nichtweiße und Nichtchristen haben gesetzliche Gleichberechtigung erkämpft. Stände und Klassen sind zumindest offiziell überwunden. Seit 1776 sind wir einen weiten Weg gekommen. Aber wir haben noch einen verdammt weiten Weg vor uns, um all das auch wirklich umzusetzen, für jede*n von uns, jeden Tag.

Und was tust du dafür, lieber Westen™? Jeden Tag kommen Menschen zu dir, die genau das wollen. Rechte. Leben. Freiheit. Glück. All die Fliehenden, die jeden Tag über das Mittelmeer und den Balkan nach Europa und über den Rio Grande in die USA kommen, streben nach Glück. Und du, der doch so stolz darauf ist, diese Bedürfnisse als erster erkannt zu haben, weist sie ab. Du lässt sie nicht nach Glück streben, weil sie nicht weiß, nicht christlich, nicht privilegiert sind, weil sie keine Europäer*innen und Amerikaner*innen sind. Deine Westlichen Werte™ gelten nicht für all die Menschen, die nicht aus dem Westen™ kommen. Die sind offenbar nicht „alle Menschen“.

„Sollen sie doch zuhause nach Glück streben“, sagst du. „Wir haben keinen Platz. Wir haben kein Geld. Wir können ihre Kultur, ihre Religion nicht brauchen.“

Und du? Hast du immer zuhause nach Glück gestrebt? Die Männer, die die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten, stammten nicht aus Amerika. Ihre Vorfahren kamen aus Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden – Europa. Viele von ihnen hatten Europa verlassen, weil sie ihren puritanischen Glauben dort nicht ausleben konnten. Sie waren politisch Verfolgte, Religionsflüchtlinge. Andere waren neugierig. Ehrgeizig. Wollten etwas aufbauen. Perspektiven. Reich werden. Und wer zeigt deshalb mit dem Finger auf sie? Wer hat versucht, sie aufzuhalten? Lieber Westen™, du nicht.

Menschen gehen dahin, wo es ihnen am besten geht. Sie wechseln ihre Jobs, ihre Freunde, und manchmal wechseln sie ihr Land. Das war schon immer so, und das wird vermutlich immer so sein. Menschen wandern schon seit es sie gibt. Sie wollen überleben. Leben. Frei sein. Sie streben nach Glück. Staatsgrenzen kamen erst viel später. Beim Streben nach Glück kommen sie vielen in den Weg. Als Menschen aus Europa in Übersee nach Glück strebten, waren noch keine Grenzposten und Zäune da, um sie aufzuhalten. Jetzt, wo auch andere in Übersee nach Glück streben, sind sie überall. Kein Mensch ist illegal, wenn er_sie irgendwo hinkommt. Erst die Zäune machen ihn_sie illegal. „Illegalität“ ist ein menschgemachtes Konzept, und nicht nur das – sie ist ein westliches™ Konzept.

Was ich dir sagen will, lieber Westen™? Menschen streben nach Glück, und du hast kein Recht, sie aufzuhalten. Steck dir deine Grenzzäune sonst wohin. Du warst dran. Jetzt sind sie dran. Und egal, was sie dir für wirtschaftliche Probleme bereiten – denk mal drüber nach, woher ihre Probleme kommen. Denk darüber nach, wer sie kolonialisiert, versklavt und ermordet hat, ihre Grenzen falsch gezogen, sie bekriegt, ihre Unterdrücker mit Waffen beliefert, ihre Diktatoren unterstützt hat, wer sie länger als genug erst ausgebeutet und dann im Stich gelassen hat? Hör auf, sie als „Wirtschaftsflüchtlinge“ abzutun, wenn du es warst, der ihre Wirtschaft zerstört hat. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was es bedeutet, Wirtschaftsflüchtling zu sein? Da gibt man nicht zuhause alles auf und kommt nach Amerika oder Europa, weil man ein dickeres Auto fahren will, sondern weil man Hunger hat, perspektivlos ist, die Arztrechnungen nicht bezahlen kann. Da will man erstmal was zu Essen und was zum Anziehen und ein kleines bisschen Hilfsbereitschaft, und keine verdammten Zäune oder Zeltstädte oder Nazihorden, die einem die Unterkunft anzünden. Und du, lieber Westen, bist dafür verantwortlich, dass das funktioniert.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Donald Trump mal versuchen sollte, durch den Rio Grande zu schwimmen.

Ich benutze das ™Symbol, wenn ich ein Konzept beschreibe, dass im allgemeinen Sprachgebrauch oft verwendet wird, obwohl es sich lohnt, dieses Konzept aufzubrechen. (normal™, Deutschland™, der Westen™)

Hallo Bernd Lucke

Veröffentlicht: 22. Juli 2015 in Hallo Welt!
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Hallo Bernd Lucke,

Herzlichen Glückwunsch zur Gründung von Alfa, der „Allianz für Aufbruch und Fortschritt“! Das war eine tolle Idee, Herr Lucke. Aus der AfD auszutreten ist immer eine gute Idee. Deshalb finde ich es schade, dass Sie sich diese einmalig gute Idee durch einen so einfallslosen Parteinamen zerstören.

Zunächst einmal Allianz – ist das nicht eine Versicherung? Oder irre ich mich da und verwechsle die Versicherung mit dem korrupten diktatorischen Imperium aus Joss Whedons genialer Science-Fiction-Serie firefly?

Außerdem – Aufbruch und Fortschritt? Kommen Sie, das ist wie Zukunft und Zukunft oder schön und gut oder Sicherheit und Verantwortung, die rechtspopulistische Partei aus den Känguru-Chroniken. Da könnten Sie Ihre Partei genauso gut Allianz für Floskeln und Phrasen nennen. Da steckt ja nichts drin. Sie müssen Ihre Inhalte in einem schnittigen Akronym unterbringen. Also… äh… rechts gibt sich mittig? Ich bin ja kein Rassist, aber? Raus aus dem Euro? Na ja, Inhalte eben. Sie werden schon wissen, wofür Ihre Partei so steht. Irgendwann zumindest.

Man prophezeit Ihnen, Herr Lucke, Ihre Partei werde sich nicht halten, weil sie kein Alleinstellungsmerkmal habe. Das glaube ich nicht. Ihre Partei ist in den Grundzügen zwar sehr AfD-nah, ABER NICHT RECHTS UND NICHT POPULISTISCH. Und außerdem ein großer Fan der NATO. Also ganz anders. AfD, aber nicht rechts. Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem ehemaligen Präsidenten des Vegetarierbundes austauschen, der nach seinem Austritt bekanntgab, er werde eine eigene Organisation gründen – wie VeBu, aber nicht vegetarisch.

Mit diesem bahnbrechenden Unterschied zu Ihrer Mutterpartei ist Ihnen der Weg in den Bundestag so gut wie sicher. Schließlich haben Sie dieses Mal, anders als bei der Gründung der AfD, dafür gesorgt, dass Populisten, Reformer und Nein-Sager, also alle, die sich von einer aufstrebenden Partei wohlmöglich abspalten könnten, erst gar kein Parteibuch bekommen. Denn Sie hassen Spalter, und das ist komplett nachvollziehbar. Wer hasst die nicht? Sie sollen eine Liste mit Personen haben, die Sie niemals in Ihre Partei aufnehmen werden. Auf dieser Liste stehen ungeliebte AfD-Mitglieder und alle, die einmal einer „wohlmöglich extremistischen Partei“ angehört haben. Sie selbst sind natürlich eine Ausnahme, aber auch das ist total nachvollziehbar. Ich würde das auch so machen, wenn ich Sie wäre.

Den Weg in Ihre Partei muss man sich verdienen. Wer Mitglied werden will, wird erst einmal Mitglied auf Zeit, für ein Jahr ohne Stimmrecht. Das ist eine geniale Methode, sich vor dem Mitgliederandrang zu schützen, den Sie zu erwarten haben. Außerdem werden Sie als Parteigründer im ersten Jahr das alleinige Stimmrecht haben – enorm wichtig für den demokratischen Austausch innerhalb einer Partei, der ansonsten von populistischen Neumitgliedern gefährdet würde, die nur zum Pöbeln gekommen sind.

Was soll ich sagen, Herr Lucke? Sie sind ein Genie. Demokratisch, unpopulistisch, inhaltsorientiert und selbstkritisch. Um die Macht in Deutschland an sich zu reißen, fehlt Ihnen also nur der richtige Parteiname. Wie wäre es mit BeTA? Ballungsraum ehemaliger Total-Arschl*****? Oder GaMmA? Griesgrämige alte Männer machen Aufstand? Nur ein Witz, ich finde Ihre Partei super. Sie ist eine echte Alternative zu meiner Zweitlieblingspartei, der Alternative für Deutschland. Das wäre doch ein guter Name. Alternative zur Alternative. AzA, oder falls Ihnen das zu kurt ist, AzAfD. Ich wäre dabei. Setzen Sie mich bitte bloß nicht auf die Liste der gesperrten Parteibewerber. Ich bin vielleicht links, aber den Spaß lasse ich mir ungern entgehen.

Alle Liebe und viel Erfolg,

Kim S

PS: Ihr Logo gefällt mir auch super. Grau ist eine total beruhigende Farbe, vor allem für Bestattungsunternehmen. Haben Sie Momo gelesen? Na ja, auch egal.

ALFA bestattet Ihre Toten - schnell und unauffällig. Bildquelle

ALFA bestattet Ihre Toten – schnell und unauffällig.
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PPS: Oh, das war nicht Ihr Logo, auf Wikipedia war einfach noch kein Logo vorhanden, daher das grau. Verzeihung.

Im Übrigen war ich lange der Meinung, dass Zeitreisen unmöglich sind, aber dann kam mein zukünftiges Ich und belehrte mich eines Besseren.

 Die beste Satire-Aktion seit langem! Bildquelle (bearbeitet)


Die beste Satire-Aktion seit langem!
Bildquelle (bearbeitet)

Endlich. Die deutsche Bundesregierung lernt dazu.

Es erstaunt mich gleichermaßen, wie es mich freut, diesen Post schreiben zu dürfen. Denn nach Jahren neoliberaler, marktradikaler und Arbeitnehmerfeindlicher Politik von CDU & Co hatte sogar ich als junge, optimistische Bundesbürgerin nicht mit einem so schnellen Kurswechsel gerechnet.

Jetzt aber haben Merkel, das Institut der deutschen Wirtschaft und die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie ihre Fehler eingesehen und sich mit einem Augenzwinkern dafür entschuldigt. Mit der großartigen Kunstaktion „INSM – Initiative Neoliberale Scheiß-Meinungsmache“ schaffen sie es, ihre ehemaligen Positionen gekonnt durch den Kakao zu ziehen und sich dabei als zwar nicht unfehlbare, aber durchaus humorvolle und sympathische Zeitgenossen zu präsentieren.

INSM steht vordergründig für „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Diese fiktive Initiative predigt angeblich mehr Leistung, mehr Wachstum, mehr Markt, weniger Einschränkungen, weniger Freizeit und weniger Energiewende. Glücklicherweise sind diese Statements gut als Satire zu erkennen – schließlich werden sie in Form von klar als Fake erkennbaren Zitaten in pinker Schrift auf schwarzen Plakatwänden präsentiert. Und damit selbst Ironie-resistente Mitbürger*innen sie als Satire erkennen, zeigen diese Plakate ebenfalls halbe schwarz-weiß-Portraits grimmig dreinblickender älterer Herrschaften – eine äußerst gelungene Hommage an Grumpy Cat. Ich persönlich hätte Aussagen wie „Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch“ (Ludwig Erhard, CDU) oder „Märkte sind wie Fallschirme: sie funktionieren nur, wenn sie offen sind“ (Felix Baumgartner) jedoch auch ohne diese optische Unterstützung als beinahe überspitzte Satire erkannt.

Diese Plakate, mit denen ganz Berlin verschönert wurde, sind zum Glück nicht die einzigen Produkte der genialen Kunstaktion. Kostenlose „Unterrichtsmaterialien“ wie „Wir erklären Wirtschaft“ (gemeinsam mit dem beliebten Satire-Magazin Focus Money) sollen auch schon Schüler*innen der Mittel- und Oberstufen die Absurdität der freien Marktwirtschaft auf humorvolle Weise beibringen. Durch lustige Studien-Parodien wie „Chancengerechtigkeit durch Aufstiegsmobilität“ – sozialer Aufstieg sei angeblich problemlos möglich – unterstreicht die INSM ihren Satire-Charakter. Und auch das Fernsehen erobert das verantwortliche Künstlerkollektiv um CDU-und Commerzbank-Mitglied Johanna Hey, CDU- und Moody’s-Mitglied Hans Tietmeyer, Headhunter und Lobbyist Dieter Rickert und andere. Versteckte INSM-Themen machten sogar die ARD-Seifenoper „Marienhof“ zur Comedy-Show.

Alles in allem ist die INSM die witzigste und ehrlichste Satire, die die Bundesrepublik seit langem gesehen hat. Sie zeigt, dass unsere Medienkünstler*innen auch den internationalen Vergleich mit den grandiosen „Joint the Army“-Kampagne aus den USA oder der weltweit hochgelobten „Sozialistischen Propaganda“ des ehemaligen Ostblocks nicht zu scheuen braucht. Ich als Satirikerin bin jedenfalls stolz, dass meine Regierung so lustig und kreativ ist. Es lebe die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass keine Meinung auch eine Meinung ist, oder auch nicht.

Die INSM bei Lobbypedia

Die INSM bei Lobby Control

„Stoppt die INSM“ auf Facebook

Mein siebter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Vielleicht kann Jochen mir helfen, das Radio zu revolutionieren.


 

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Hallo Jochen,

wahrscheinlich sind Sie für das, was ich jetzt vorschlage, gar nicht zuständig, aber man weiß ja nie, wie mächtig Behörden wirklich sind. Könnten Sie mein Konzept bitte an die Zuständigen weiterleiten?

Der Chef der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern, Franz-Robert Liskow, hat ja eine fünfunddreißigprozentige Schlagerquote für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert. Er erklärte dies sehr einleuchtend: „Durch Helene Fischer hat der Schlager ein frisches Image bekommen. Der NDR glaubt noch immer, junge Leute wollen nur internationale Popmusik hören. Die sollen mal in Helenes Konzerte gehen.“

Zuerst dachte ich, das sei Satire.

Danach dachte ich, das sei nervig, egoistisch, spießig und einfach nur peinlich. Sollen die Schlager vielleicht noch regional angeglichen werden? Sollen im Radio alle Moderatoren Mundart sprechen? Oder doch lieber solche Pop-Schlager spielen? Warum führen wir nicht gleich eine Helene Fischer-Quote ein? Ich vergaß, Helene Fische hat ja nur einen Song. Also eine Atemlos-Quote? Ich bin übrigens auch in einer politischen Jugendorganisation und ich mag wirklich gern Rise Against. Warum führen wir also keine Hardcore/Punk-Quote ein? Ach ja, weil der NDR glaubt, junge Leute wollten nur Popmusik hören. Aber da irren sie sich gewaltig. Sollen sie mal auf ein Festival gehen!

Aber dann dachte ich mir – warum nicht? Die CDU ist schließlich die einflussreichste Partei in Deutschland! Und warum nur 35%? Die Union hat bei der letzten Bundestagswahl schließlich 41,5% erreicht. Folglich sollten sie 41,5% der gespielten Musik bestimmen. Alle Politiker sollten so viel Musik bestimmen, wie sie Prozente haben. Ist ja schließlich Hauptaufgabe von Politikern. Das Volk repräsentieren und die Musik im Radio aussuchen. Steht sogar im Grundgesetz. Glaube ich.

Diese perfekte Verschmelzung von Musik und Politik ließe sich natürlich auch schneller vollziehen. Wir könnten zum Beispiel nur noch Musik von Abgeordneten des Bundes- und der Landtage spielen. Um weiterhin Qualität im Rundfunk zu gewährleisten, müsste natürlich jeder, der einen Listenplatz oder ein Direktmandat haben möchte, vorher wahlweise eine kleine Gesangsprobe oder einen Talentbeweis am Schlagzeug oder der Blockflöte abliefern. Sollte ein Kandidat letztendlich von der Bevölkerung in den Bundestag gecastet werden – Juroren unter der Leitung von Dieter Bohlen oder ein Coach-System wie bei The Voice sind durchaus denkbar – können die Fraktionen anhand der Musikrichtungen zusammengestellt werden. Eine Koalition ist extrem schwierig zu bilden, eine Band sehr viel einfacher, allein schon wegen der geringeren Mitgliederzahl. Die so entstandenen Combos treten dann in Blind Auditions und Battles im Parlamentsfernsehen gegeneinander an, wobei der oder die Leadsänger*in der Sieger-Band ins Kanzleramt einziehen darf. Der Rest der Band stellt die Ministerposten. Alternativ kann auch über eine Zusammenlegung von Bundestag und Staatsballett nachgedacht werden.

Um das ganze Verfahren abzukürzen kann natürlich auch gleich Helene Fischer als Bundeskanzlerin eingesetzt werden. Aber nur, wenn Florian Silbereisen Bundespräsident wird.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total verwirrend ist, wenn Sätze anders enden als man Kartoffel.

Hallo FraGIDA, wir haben uns gestern leider knapp verpasst.

Ich wünschte, ich wäre gestern auf der Gegendemonstration gewesen. Es muss lustig gewesen sein, zu hören, wie Heidi Mund immer hysterischer wurde und wie Ihr knapp 70 FraGIDA-Freaks unter den 16000 Gegendemonstranten untergingt. Ich hätte gern das Abendland gegen die Pegidisierung verteidigt. Ich war nicht dabei, weil ich und die sieben Freunde, mit denen ich mich verabredet hatte, schließlich an einer Unmenge bürokratischer und logistischer Problemchen gescheitert sind. Das ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung, ich weiß. Die Party lief ja dann auch ohne uns.

In der Presse sieht man euch als schwarz gekleidete, Fraktur-beschriftete Fahnenschwenker. Interessanterweise sind alle Fahnen Deutschlandflaggen, Europafahnen habe ich keine einzige gesehen. Wofür das E in „Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung Des Abendlandes“ wirklich stehen soll, ist mir also schleierhaft. Aber PDGIDA klingt einfach bescheuert, und würdet Ihr euch wahrheitsgemäß VODGAA (Völkisch Orientierte Deutsche Gegen Alle Anderen) nennen, hättet Ihr es wohl kaum von facebook auf die Straße geschafft. Seid Ihr die Mitte der Gesellschaft? Der besorgte Deutsche? Der kleine Mann? Das Volk?

PEGIDA, Ihr seid nicht das Volk. Das Volk ist, das müsst Ihr akzeptieren, bunt, „linksversifft“ und zu 5% muslimisch. Egal, wie viele Deutschlandflaggen Ihr schwenkt. Und Ihr verteidigt nicht das Abendland. Die 16000 Frankfurter*innen, die euch gestern ausgelacht haben, die verteidigen das Abendland. Ihr seid lächerlich.

Eine Bitte noch: könntet Ihr *verdammt noch mal* aufhören, Israel-Flaggen zu schwenken? Ihr sprecht nicht für Israel, Ihr sprecht nicht für die Juden in Deutschland, und hättet Ihr ein wenig Ahnung von der jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, Ihr hättet sicher das ein oder andere Mitglied auf der Gegendemo entdeckt. Die Gemeinde gehört nämlich zu den Organisatoren derselben.

Ihr beruft euch auf die „jüdisch-christlichen“ Wurzeln des Abendlandes, um damit der dritten abrahamitischen Religion, dem Islam, hier die Existenz abzusprechen. Muslime in Deutschland, eine religiöse Minderheit, diffamiert Ihr auf Grund ihres Glaubens und ihrer Kultur. Und glaubt Ihr wirklich, damit im Sinne der jüdischen Minderheit in Deutschland zu sprechen, die lange genug selbst verfolgt wurde? Die Bilder, die heute anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren durch die Medien gehen, sollen uns nicht nur daran erinnern, dass Faschismus nie mehr sein darf. Sie sagen uns auch, dass Hass niemals eine Lösung ist. Damals nicht, heute nicht, und auch in Zukunft nicht.

PEGIDA, FraGIDA – Ihr seid nicht ich. Ihr seid nicht Deutschland. Ihr seid nicht das Abendland. Ihr seid eine – in Frankfurt nicht einmal siebzigköpfige – rechte Randgruppe, und ich hoffe, Ihr habt es gestern verstanden.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es weniger Krieg gäbe, wenn wir alle mehr essen und mehr schlafen würden. Grüße von der Lügenpresse!

Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Sie leben mit Ihrer Freundin in einer Stadt in einem Land, in dem Sie sich sicher fühlen. Sie sind in der Lage, ihren Beruf frei auszuüben und nach ihre Religion zu leben. Ihr größtes Problem besteht darin, dass die Regierung in Ihrem Land nicht demokratisch gewählt wurde.
Dann befiehlt die Regierung, Sie und Ihre Landsleute müssten umgesiedelt werden, temporär, versteht sich. Sie machen sich also mit Ihrer Freundin auf den Weg in Ihr neues Übergangszuhause. Leider müssen Sie feststellen, dass sich niemand um Unterkünfte für die Umgesiedelten gekümmert hat, und auch die Logistik ist ausgesprochen dürftig, Sie müssen also laufen. Dass Ihre Freundin hochschwanger ist, scheint niemanden zu interessieren.
Schließlich müssen Sie in einer total heruntergekommen Baracke übernachten, weil niemand bereit ist, sie aufzunehmen. Bei Ihrer Freundin setzen die Wehen ein, und Sie sind gezwungen, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen Ihr Kind zur Welt zu bringen.
Dann kommt es noch schlimmer. Die Regierung sieht, warum auch immer, eine Bedrohung in Ihrem unschuldigen Kind und beschließt, Sie alle drei umbringen zu lassen. Um sicher zu gehen, dass Sie auch wirklich tot sind, richtet die Regierung zudem ein Massaker an Ihren Landsleuten an. Was tun Sie? In Ihrem Land können Sie nicht bleiben, also müssen Sie wohl oder übel fliehen.
Auf legalem Weg können Sie das Land nicht verlassen.
Den ungünstigen Umständen zum Trotz gelingt es Ihnen, unversehrt ins Nachbarland zu fliehen. Die Menschen dort sprechen eine andere Sprache, haben eine andere Religion und waren in der Vergangenheit nicht allzu gut auf Ihr Land zu sprechen, aber Sie hoffen auf ihre Gastfreundschaft.

Ende der Geschichte: Sie erleiden zwar einen Kulturschock, werden aber in Ihrem Gastland gut aufgenommen. Zuhause sprechen Sie selbstverständlich Ihre Muttersprache, und auch Ihre Religion können Sie ungestört ausleben. Ihr Sohn verbringt eine schöne Kindheit dort und wird später der Gründer einer Weltreligion, die (zumindest oft, 2000 Jahre später) Toleranz und Nächstenliebe predigt.

Alternatives Ende der Geschichte: Sie landen zunächst in einem Auffanglager, wo Sie unter kaum verbesserten Bedingungen ohne Job und Sprachkenntnisse mehrere Jahre verbringen. Als Ihr Asyl-Antrag schließlich behandelt wird, haben Sie bereits das Gefühl, die Bürger dieses Landes seien gegen Sie, zumindest die mit den PÄGIÄ-Plakaten, die sich selbst „Patriotische Ägypter gegen die Israelisierung Ägyptens“ nennen und die panische Angst davor haben, sich mit Ihrer Religion anzustecken. Nach Ablehnung Ihres Antrages werden Sie zurück in Ihr Heimatland abgeschoben, das gerade von Ihrem Aufnahmeland zum sicheren Drittstaat erklärt worden ist. Dort werden Sie bald von einem wütenden Mob zu Tode geprügelt.

Liebe Pegida-Sympathisanten, liebe Fahnenträger westlicher Werte, liebe Verteidiger der christlich-abendländischen Kultur,
denken Sie an diese Geschichte, wann immer Sie einen Zuwanderer anderer Religion treffen, und wenn Sie das nächste Mal meinen, dass Zuwanderung klare Regeln braucht, dann rufen Sie sich in Erinnerung, dass Ihr Messias auch ein Asylant war.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Pullunder nicht zum DRÜBER-Ziehen gemacht sind.

Mein Name ist Kim S. Ich wurde zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer im Westen der BRD geboren. Die Wende beginnt für mich im letzten Kapitel meines Geschichtsbuches. Ich kenne kein anderes Deutschland als ein Vereintes. Ich erinnere mich nicht an die innerdeutsche Grenze. Ich kann sie mir auch nicht vorstellen. Ich habe keine Ahnung davon, und ich nehme mir nicht das Recht heraus, darüber zu schreiben. Das will ich auch nicht. Das will ich denen überlassen, die dabei waren. Mein Name ist Kim S, ich bin fünfzehn Jahre alt und Europäerin, und heute möchte ich über eine andere Mauer schreiben.

Die Mauer, über die ich schreiben möchte, ist offiziell keine Mauer. Offiziell ist sie nicht einmal ein „Antiimperialistischer Schutzwall“. Sie ist eine „Eindämmungsanlage“. Klingt, als könne sie Wassermassen eindämmen, Ebola oder dem Klimawandel. Kann sie aber nicht. Das einzige, was sie eindämmen kann, sind „Flüchtlingsströme“.

Screenshot: Duden Online

Screenshot: Duden Online

Flüchtlinge sind Menschen. Was gibt uns als Europäern das Recht, andere Menschen wie Wasser zu behandeln?

Eindämmungsanlagen sind dazu da, Wasser im eingedämmten Gebiet drinnen zu halten. Sie sind nicht dazu da, Menschen aus dem eingedämmten Gebiet draußen zu halten. Sicherlich nicht, sie zu hindern, aufzuhalten und zu unterdrücken. Und sicherlich nicht mit Stacheldraht und Reizmittelschussanlagen. Wären die europäischen Außengrenzen wirklich Eindämmungsanlagen, würden sie kein Menschenleben fordern. Nicht in Spanien/Marokko, nicht in Griechenland/Türkei, nicht in Bulgarien/Türkei, nirgendwo. Und dass sie Menschenleben fordern, kann auch nicht dadurch relativiert werden, dass es keine Schießbefehle gibt. Es sterben Menschen, die Grenzzäune sind der Auslöser, das müsste doch reichen, um als Menschenrechtsverletzung durchzugehen. Tut es aber nicht.

Die wenigen Menschen, die gegen das Unrecht an den europäischen Außengrenzen vorgehen, werden sofort kriminalisiert. Die Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit, die sich mit Bolzenschneidern nach Griechenland aufgemacht hatten, wurden von der serbischen Polizei festgenommen. In Deutschland werden sie übrigens wegen besonders schweren Diebstahls der weißen Kreuze gesucht, die in Berlin an die Mauertoten erinnern sollen. Die Aktivisten haben die Kreuze an die europäische Außengrenze gebracht, zu ihren Schicksalsgenossen. Rechtlich gesehen sind die Festnahmen natürlich begründet. Es handelt sich um Diebstahl und versuchte Sachbeschädigung, vermutlich auch um Sabotage und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Die Frage, die wir uns aber wirklich stellen sollten, lautet: Warum werden die von der Polizei verfolgt, die die Mauer abreißen wollen, und nicht die, die sie gebaut haben? Was ist die (unbemerkte!) Versetzung von Denkmälern und eine Kunstaktion mit Bolzenschneidern gegen die Inkaufnahme von tausenden toten Menschen?

Wer sich die Internetartikel über die Aktion des ZPS anschaut, findet darunter fast ausschließlich Kommentare wie

Screenshot: Spiegel Online

Screenshot: Spiegel Online

Screenshot: Spiegel Online

Screenshot: Spiegel Online

Was all diese Kommentierenden nicht verstehen: es geht nicht um die Verhöhnung von Mauertoten und Diktaturopfern. Es geht um das Retten von Menschenleben. Und es geht nicht um das Ausnutzen von Flüchtlingen zu linkspopulistischen Zwecken. Es geht um das Retten von Flüchtlingen. Und – an ihrem Tod sind nicht die Fliehenden mit ihren „waghalsigen Aktionen“ schuld. Was für ein Widerspruch, in ein und demselben Kommentar die einen Mauertoten zu verteidigen und die anderen für das Unrecht, das ihnen wiederfährt, verantwortlich zu machen!

Keine Mauer steht für immer. Das hat man von der in Berlin schließlich auch gedacht, und heute ist das 25. Jubiläum ihres Falls. Irgendwann werden auch die europäischen Mauern fallen. Irgendwann werden in ganz Europa und darum herum Kinder geboren werden, die sich ein Leben mit Mauern nicht mehr vorstellen können. Aber die Mauern werden nicht von selbst fallen, genau so wenig, wie die Berliner Mauer von allein gefallen ist. Jemand muss sie umstoßen, damit sie fallen. Deshalb hat das Zentrum für Politische Schönheit meine uneingeschränkte Solidarität. Wenn der Berliner Mauerfall 28 wird, werde ich volljährig. Und wenn die europäischen Mauern dann noch stehen, bringe ich einen Bolzenschneider mit. (Ist natürlich alles Theater. Aktionskunst an der längsten Bühne der Welt.)

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Die Deutschen™ ohne importierte Küche schon längst verhungert wären.

Mein sechster fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Dieses Mal habe ich eine Schläferzelle entdeckt.


Hallo Jochen,

Kim hier. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Ihnen nicht mehr zu schreiben, Sie nehmen mich ja doch nicht ernst, aber dieses Mal geht es um die nationale Sicherheit. Und die müssen Sie ernstnehmen, nicht wahr?

Sie kennen sich doch sicherlich mit Schläferzellen aus. Terroristen, die vollkommen unerkannt unter normalen Bürgern leben und nur darauf warten, aktiviert zu werden und zuzuschlagen? Die sich harmlos geben und gleichzeitig in geheimen Terrorcamps neue Rekruten ausbilden? Sie sind besonders gefährlich, weil sie eben halb-offiziell sind. Wir sehen ihre Netzwerke, aber wir sehen nicht, dass es sich um Terror-Netzwerke handelt. Sie sind total unverdächtig. Anständige Leute. Nette Nachbarn. Man stößt nur durch Zufall auf sie. Dabei sind sie überall. Ich bin gerade über eine gestolpert.

KLEINGÄRTNERVEREIN "KRAUTGÄRTEN" e.V.Dieses Terrorcamp liegt etwa zehn Kilometer von meinem Haus entfernt. Es tarnt sich als Kleingartenkolonie, und da zeigt sich auch schon das Gefahrenpotential: darin wimmelt es von Kleingarten-Kolonialisten, Gemüsebeet-Imperialisten und Buchsbaum-Nationalisten. Auf einen von ihnen kommen geschätzte 60 m Gartenzaun, 2,2 Gartenzwerge, 0,7 Porzellan-Rehe und 0,4 Springbrunnen. Dazu 2,3 kg biologische Kampfmittel, allen voran Rattengift, 2,6 Heckenscheren, 10 m Stacheldraht und 1,1 Wasserwerfer. Schockierend!

Hier rüstet die extreme Mitte zum Kampf gegen Individualität und alternative Gesellschaftsformen. Hier wird vorgegeben, wie breit ein geharkter Weg, wie hoch eine Fertigbauhütte und wie lang ein Grashalm sein darf. Hier grüßen alle freundlich und bleiben schön auf ihrem eigenen Rollrasen. Hier erprobt FRONTEX neue Grenzzäune.

Die quadratischen Parzellen, penibel mit Maschendrahtzaun getrennt, sind die Keimzelle übertriebener Nationalstaatlichkeit. In jedem der Nationalstaaten flattert eine Deutschlandflagge, gemeinsam mit der Fahne des favorisierten Fußballvereins, daneben ein Bratwurstgrill und ein Gartenzwerg. Jeder Garten ist Deutschland. Aber nicht nur einmal, sondern ganz, ganz oft. Warum können nicht alle so ordentlich, fleißig und pünktlich sein wie wir? Wäre die Welt nicht schöner, wenn in jedem souveränen Staat eine Kuckucksuhr hinge und wenn es überall Kartoffelpuffer gäbe? Das ist der Traum der Kleingartenkolonialisten. Currywurst für alle! Ein deutscher Alptraum. Extreme Mitte, rechter Rand.

Ich habe Angst vor den Kleingärten. Und wenn Sie vernünftig sind, sollten Sie das auch tun. Denn wenn wir nicht handeln, wird bald die ganze Welt in quadratische Nationalparzellen eingeteilt sein. Dann ist keine Rede mehr von Gemeinschaft und Gemeineigentum. Dann sind überall Gartenzäune. Und zwischen den Gartenzäunen gilt das Recht des Stärkeren. Darauf hab ich keine Lust. Ich zähle auf Sie.

Mit besorgten Grüßen,

Kim

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Falafel der Schlüssel zur Lösung des Nahostkonflikts sind.

Mein geheimes Spionage-Logbuch

Veröffentlicht: 16. August 2014 in Allgemein
Schlagwörter:, , ,
Nachbarn_google

Screenshot einer Internet-Suchleiste. Das „Suchergebnis“ ist von mir.

Mein Radio belauscht heimlich meine Nachbarn!

Das ist zwar ganz interessant, wirkt aber leider, als würde ich rumspionieren. Was ich natürlich nicht tue. Freiwillig würde ich meinen Nachbarn nie die Privatsphäre klauen, aber wenn das Radio schon mal spinnt, kann ich auch nichts dafür…


 

„Mama, Mama! Ich hab Nudeln gekocht!“

„Super, Schatz!“

„Muss ich das Feuer im Topf selber ausmachen oder geht das von alleine aus?“

„…“

„Mama?“

„Ruf die Feuerwehr. Sofort!“


 

„Du Gabi, ich muss dir was erzählen.“

„Was denn?“

„Ne, nicht hier am Telefon. Ich komm grade rüber.“


 

„Und dann hat nämlich die Brigitte zur Gabi gesagt, sie hält es nicht mehr länger aus beim Werner, und es wissen ja sowieso alle, dass der Werner beim Grillfest letztes Jahr an der Ulrike rumgefummelt hat, obwohl die damals noch mit dem Bernd verheiratet war, das war, bevor der Bernd sich ins Koma gesoffen hatte, aber da hatte ja auch die Susanna noch nicht mit ihm Schluss gemacht, und überhaupt, dass die Susanna sich geoutet hat und im Urlaub mit dieser Babsi geknutscht hat, das hat die nur gemacht, um den Marco loszuwerden, der stalkt sie seit Jahren, der ist sowieso nicht mehr ganz beisammen seit er seine Mutter mit dem Johannes erwischt hat…“

„Warte kurz… wer war noch mal Brigitte?“


 

„Besorg‘s mir, du Sau! Ja, ja, jaaah!“


 

„Guten Tag, hier ist der Anrufbeantworter von Brigitte E. Ich bin zurzeit nicht erreichbar, bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Ton.“

„Bitte, Brigitte, komm zu mir zurück!“


„Hallo, haben Sie kurz Zeit für eine kleine Umfrage?“

„Nicht schon wieder…“

„Super. Wir wollten nur wissen: sind Sie auch so genervt von Telefonumfragen?“


 

„Findest du auch, dass die Kim voll extrem ist in letzter Zeit?“

„Ja, politisch, ge? Und mit den schwarzen Haaren sieht die ja auch irgendwie gruselig aus, oder?“


 

„Sag mal, hast du manchmal Angst, dass dich wer abhört? Die NSA oder der BND?“

„Sollen die mich ruhig abhören. Ich hab nichts zu verbergen.“

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Payback-Punkte keinen strafrechtlichen Versammlungsschutz genießen sollten.