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Hallo SYRIZA!

Veröffentlicht: 29. Januar 2015 in Echt jetzt?, Hallo Welt!
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Bildquelle: Wikipedia (bearbeitet)

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Hallo SYRIZA,

es hätte so schön mit euch werden können.

Schon vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Griechenland war es relativ sicher, dass Ihr die Mehrheit im Parlament und den Ministerpräsidenten stellen würdet. Und das als junge, radikal linke Reformpartei. Alle deutschen Medien haben gezittert. Ich persönlich fand es ziemlich cool.

Es gab diese Kampagne unter deutschen Linken, Internationalen und Gewerkschaftlern, #westandwithsyriza. Die Teilnahme war einfach: druck das Bild aus, mach ein Foto von dir und dem Bild, poste es irgendwo unter dem Hashtag We stand with SYRIZA. Mein Bild war fertig. Und jetzt?

Ihr habt die Mehrheit bekommen. Und was dann? Von all den Koalitionspartnern, die ihr hättet haben können, habt Ihr euch ausgerechnet die „Unabhängigen Griechen“ ausgesucht, die neuen Rechtspopulisten, einen Ableger der konservativen Ex-Regierungspartei. (Kommt uns bekannt vor, nicht wahr, Deutschland?) Die sind nämlich, wie Ihr, gegen die Troika-Sparpolitik. Aber das ist auch schon alles. Und das ist euch genug? Dafür wollt Ihr alles andere in Kauf nehmen? Die Politik zurückstecken, die nichts mit den Spar-Reformen zu tun hat? Eure solidarische, internationalistische Ausrichtung über Bord werfen? Beim „nationalen Erwachen“ der Rechtspopulisten mitmachen, die sich einer Verschwörung zum Opfer gefallen sehen?

Was ist jetzt mit Griechenland? Was wird das „nationale Erwachen“ mit den Bürger*inne anstellen, die zu 36,34% in eine linke Regierung vertraut haben? Wie wird das Land aussehen, wenn die Krise nicht mehr das größte Problem ist? Wie wird es den Migranten gehen, die da sind, den Migranten, die noch kommen, den Homosexuellen, den Kindern, die keine einheitliche orthodoxe Schulbildung haben wollen?

Mein Vertrauen habt Ihr mit dieser allzu wütenden und total unüberlegten Querfront-Regierung fürs Erste verspielt. Mir als linksradikaler Europäerin ist sie peinlich. Wenn mir jemand sagt, links oder rechts, Extremismus sei immer gleich, dann halte ich ihm unter anderem immer vor, Links- und Rechts-„Populisten“ seien sich doch Spinnenfeind. Linke und rechte Regierungen hätten doch Unterschiede. Was soll ich jetzt sagen? Mir sind auch die Vertreter der Partei Die Linke peinlich, die das Problem dieser Regierung relativieren, schließlich seien die Unabhängigen Griechen keine Goldene Morgenröte und kein Front National. Was stimmt, aber nichts daran ändert, dass Ihr falsch entschieden habt.

Herzliches Beileid,

Kim S

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Strände auch ganz schön wären, wenn man sie mit Schnee auffüllen würde.

 

CCTV is everywhere…

Veröffentlicht: 21. Oktober 2014 in Echt jetzt?
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CCTV_HK

Das Chinesische Staatsfernsehen heißt also tatsächlich CCTV… witzig, denn die Abkürzung hat noch eine ganz andere Bedeutung:

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung. Screenshot: Wikipedia

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung.
Screenshot: Wikipedia

Das ist zumindest mir suspekt. Und „Smile, you’re on CCTV“ bekommt dadurch eine ganz neue Dimension.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man in der Schule als vierte Fremdsprache zwischen Chinesisch und Klingonisch wählen sollen könnte.

Wer in ein Internat einzieht, bekommt zwei heilige Schriften zur Begrüßung. Die eine ist das Wertepapier und predigt Toleranz, Solidarität und Respekt für alle. Die andere ist das Regelwerk, und darin steht: nichts an Türen und Schränke kleben.
Ich muss sagen, als ich die Antifa- und No-Homophobia-Sticker am Schrank eines Mitschülers entdeckt habe, waren es weniger die Aufkleber, über die ich mich gefreut habe, als vielmehr diese kleine Geste des zivilen Ungehorsams. Denn wenn wir trotz kostenloser Schulbildung unsere Unterbringung im Internat bezahlen müssen, dann ist es unser gutes Recht, die Renovierungspauschale zu verplempern.
Für viele Menschen bedeutet ziviler Ungehorsam allerdings immer noch…
…abends elmex und morgens aronal zu benutzen…
…den Ohrstöpsel fürs linke Ohr und rechte Ohr zu stecken…
…im Schwimmbad vom Beckenrand zu springen…
…sich mit Handcreme das Gesicht einzuschmieren…
…während der Fahrt mit dem Busfahrer zu sprechen
& mehr als drei Teile mit in die Umkleidekabine zu nehmen.
Diese Leute rebellieren nicht nicht, weil sie keine Gründe zum Rebellieren finden. Sie rebellieren nicht, weil sie keie Gründe zum Rebellieren suchen. Wer sich umschaut, findet überall Gründe. In jeder Welt gibt es etwas zu verbessern, und manchmal erreichen wir diese Verbesserung eben nur durch Widerstand. Um erfolgreich (oder wenigstens enthusiastisch) Widerstand zu leisten, müssen wir uns klar machen, warum es sich lohnt, Aufkleber zu verteilen.

Aufkleber machen nicht nur Laternenpfähle schöner - hier in Brighton.

Aufkleber machen nicht nur Laternenpfähle schöner – hier in Brighton.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Schule eine klassenlose Gesellschaft zu werden hat.

Mein dritter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen Sönkeberg,
hier Kim S.

Ja, ich hatte Sie verarscht. Aber das ist doch noch lange kein Grund, so ungehalten zu werden wie Sie in ihrem letzten Brief. Sie schreiben, ich könne mir meine Ironie stecken, wohin ich will, solche Junior-Terroristen wie ich gingen Ihnen am Arsch vorbei, und ob ich etwa glauben würde, dass es Ihnen Spaß macht, mich zu überwachen.

Gegenfrage: wenn es Ihnen keinen Spaß macht, mich zu überwachen, warum sind Sie dann beim Verfassungsschutz? Es gibt doch sicher genug Arbeitgeber, die Sie mit offenen Armen genommen hätten, oder? Wobei die meisten wichtigen, wirklich erfüllenden Berufe ja grauenhaft bezahlt sind. Wenn man am schnellen Geld interessiert ist, geht man dann wohl doch lieber zum Verfassungsschutz.
Was studiert man da eigentlich? BWL? Wenn man nicht weiß, was man studieren soll, studiert man doch immer BWL, wahlweise auch VWL, oder? Nicht, dass ich das jetzt wissen will, weil ich beim Verfassungsschutz anheuern wollte, auf keinen Fall. Mich interessiert einfach, was das da für Leute sind.

Sie sollten mir mal was über sich schreiben, finde ich. Schließlich wissen Sie fast alles über mich, und ich weiß fast gar nichts über Sie, das ist schon irgendwie unfair. Wissen ist Macht sagte schon der alte Francis Bacon. Ich würde Sie ja auf facebook suchen, da bin ich aber nicht. Aber falls Sie auch bloggen, wäre ich bereit, Ihnen zu folgen. Sie lesen meinen Blog sicherlich schon. Ich nehme an, dass Sie „invisiblesuperj@deutschland.de“ sind. Das freut mich fast ein bisschen, damit sind Sie nämlich genau 10% meiner Follower. Leiten Sie meinen Blog doch bitte an ein paar Ihrer genauso gelangweilten Kollegen weiter.

Viele Grüße,
Kim S

PS: Vielen Dank für den Andi-Comic, den Sie mir geschickt haben. (Ich nehme stark an, dass Sie das waren, ich kenne sonst leider niemanden in Berlin. Schon traurig, oder? Da will man hoch hinaus, die Regierung stürzen und so, und der einzige Berliner, den man kennt, arbeitet beim Verfassungsschutz.) Voll niedlich jedenfalls!!! Die kleinen linksextremen Punks sind ja echt zum Knuddeln mit ihren riesengroßen Manga-Augen! Und wie die alle reden, als hätten sie Das Kapital verschluckt! Vielleicht sollte ich mir auch die Haare lila färben. Sie sind aber leider schon schwarz-türkis, und wenn man sie zu oft umfärbt, ist das nicht so gut für die Haarstruktur. So ein schwarzes Anarcho-T-Shirt brauchte ich aber auf jeden Fall. Sie als Experte wissen doch sicherlich, wo man das herbekommt, oder?

PPS: Die Anarchie-Flagge auf Seite 15 ist falschrum aufgehängt. Bitte ändern.

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir eine neue Nationalhymne brauchen. Die Alte ist erstens negativ vorbelastet und zweitens echt lahm.