Mit ‘Fuck JU’ getaggte Beiträge

Mein siebter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Vielleicht kann Jochen mir helfen, das Radio zu revolutionieren.


 

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Hallo Jochen,

wahrscheinlich sind Sie für das, was ich jetzt vorschlage, gar nicht zuständig, aber man weiß ja nie, wie mächtig Behörden wirklich sind. Könnten Sie mein Konzept bitte an die Zuständigen weiterleiten?

Der Chef der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern, Franz-Robert Liskow, hat ja eine fünfunddreißigprozentige Schlagerquote für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert. Er erklärte dies sehr einleuchtend: „Durch Helene Fischer hat der Schlager ein frisches Image bekommen. Der NDR glaubt noch immer, junge Leute wollen nur internationale Popmusik hören. Die sollen mal in Helenes Konzerte gehen.“

Zuerst dachte ich, das sei Satire.

Danach dachte ich, das sei nervig, egoistisch, spießig und einfach nur peinlich. Sollen die Schlager vielleicht noch regional angeglichen werden? Sollen im Radio alle Moderatoren Mundart sprechen? Oder doch lieber solche Pop-Schlager spielen? Warum führen wir nicht gleich eine Helene Fischer-Quote ein? Ich vergaß, Helene Fische hat ja nur einen Song. Also eine Atemlos-Quote? Ich bin übrigens auch in einer politischen Jugendorganisation und ich mag wirklich gern Rise Against. Warum führen wir also keine Hardcore/Punk-Quote ein? Ach ja, weil der NDR glaubt, junge Leute wollten nur Popmusik hören. Aber da irren sie sich gewaltig. Sollen sie mal auf ein Festival gehen!

Aber dann dachte ich mir – warum nicht? Die CDU ist schließlich die einflussreichste Partei in Deutschland! Und warum nur 35%? Die Union hat bei der letzten Bundestagswahl schließlich 41,5% erreicht. Folglich sollten sie 41,5% der gespielten Musik bestimmen. Alle Politiker sollten so viel Musik bestimmen, wie sie Prozente haben. Ist ja schließlich Hauptaufgabe von Politikern. Das Volk repräsentieren und die Musik im Radio aussuchen. Steht sogar im Grundgesetz. Glaube ich.

Diese perfekte Verschmelzung von Musik und Politik ließe sich natürlich auch schneller vollziehen. Wir könnten zum Beispiel nur noch Musik von Abgeordneten des Bundes- und der Landtage spielen. Um weiterhin Qualität im Rundfunk zu gewährleisten, müsste natürlich jeder, der einen Listenplatz oder ein Direktmandat haben möchte, vorher wahlweise eine kleine Gesangsprobe oder einen Talentbeweis am Schlagzeug oder der Blockflöte abliefern. Sollte ein Kandidat letztendlich von der Bevölkerung in den Bundestag gecastet werden – Juroren unter der Leitung von Dieter Bohlen oder ein Coach-System wie bei The Voice sind durchaus denkbar – können die Fraktionen anhand der Musikrichtungen zusammengestellt werden. Eine Koalition ist extrem schwierig zu bilden, eine Band sehr viel einfacher, allein schon wegen der geringeren Mitgliederzahl. Die so entstandenen Combos treten dann in Blind Auditions und Battles im Parlamentsfernsehen gegeneinander an, wobei der oder die Leadsänger*in der Sieger-Band ins Kanzleramt einziehen darf. Der Rest der Band stellt die Ministerposten. Alternativ kann auch über eine Zusammenlegung von Bundestag und Staatsballett nachgedacht werden.

Um das ganze Verfahren abzukürzen kann natürlich auch gleich Helene Fischer als Bundeskanzlerin eingesetzt werden. Aber nur, wenn Florian Silbereisen Bundespräsident wird.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total verwirrend ist, wenn Sätze anders enden als man Kartoffel.

Mein vierter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


Hallo Jochen Sönkeberg,

tut mir leid, dass ich in meinem letzten Brief so schnippisch zu Ihnen war. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie in Wirklichkeit so etwas wie ein gescheiterter Held sind! Bisher hatte ich Sie mir ganz bürgerlich vorgestellt, Ende vierzig, verheiratet, Reihenhaus, BMW, Hund. Typische Schreibtischbeamter eben. Kaum zu glauben, dass Sie eigentlich zur Polizei wollten, um die Bevölkerung vor skrupellosen Verbrechern zu schützen!

Schade, dass Sie den Eignungstest so knapp nicht bestanden haben. Und das nur wegen der Sache mit dem Ballsport… (Falls es Sie tröstet – in Ballparcours hatte ich auch immer eine 5. Mindestens.) Jetzt ärgern Sie sich bestimmt, dass Sie stattdessen den ganzen Tag für den Verfassungsschutz langweilige Linksextremisten und Juniorterroristen überwachen müssen. Wenn ich Ihren Job hätte, wäre ich auch total verbittert.

Falls Sie mal was Spannendes machen wollen, eine Razzia oder so: schauen Sie sich doch mal bei der Jungen Union um. Deren aktuelle Werbekampagne nennt sich Black is beautiful. Klingt, als würden sich auch die konservativen Kids endlich mit schwarzafrikanischen Flüchtlingen solidarisieren, ist aber in Wirklichkeit ein weiterer Schritt in den Sumpf des Extremismus.

Auf der Website der JU kann man einheitliche schwarze Oberbekleidung bestellen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Junge, militante Aktivisten in einheitlichem schwarz, die sich auf Demos mit der Polizei anlegen? Schwarz, damit sie die Polizei nicht auseinanderhalten kann? Bei Ihnen als Verfassungsschützer müssten da doch alle Alarmglocken schrillen!

In der JU, der Mitte der Gesellschaft, formiert sich sichtbar vor unseren Augen ein schwarzer Block, wie man ihn von autonomen Linken (und neuerdings auch Rechten) kennt. Diese Strukturen sind auf Demonstrationen für Randale, Verwüstung und Schlägereien mit der Polizei berüchtigt. Auf Grund der erschreckend hohen Mitgliederzahlen der CDU könnte dies der größte und mächtigste Black Bloc der Geschichte werden!

Tun Sie was, Jochen Sönkeberg! Sein Sie der Held, der Sie immer sein wollten, und retten Sie die friedliche Protestkultur vor der Jungen Union!

Viele Grüße,
Kim S

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich? Screenshot der JU-Website

Die Junge Union geht neuerdings als BlackBloc zu Demos – aber wofür demonstrieren Konservative eigentlich?
Screenshot der JU-Website

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es ein Microsoft-Word-Sonderzeichen für „Merkelraute“ geben müsste. Das würde ich dann als Ironie-Zeichen benutzen.

Teil zwei eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen hat auf meine Initiativbewerbung geantwortet, jetzt bin ich wieder dran.


Sehr geehrter Herr Jochen Sönkeberg,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort auf meine Initiativbewerbung. Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Antwort erwartet – ich dachte, ironisch gemeinte Anfragen landen bei Ihnen sofort im Schredder. Aber Sie haben wohl ernsthaft gedacht, ich meine das ernst!

Was soll ich denn in der extremen Mitte? Das ist mir doch alles viel zu spießig da. Es macht mir also nichts aus, dass Sie meine Bewerbung zur V-Frau abgelehnt haben. Unverständlich finde ich bloß die Begründung, mit der Sie mich abgelehnt haben.

Ich bin zu extrem? Also bitte. Ich dachte, das gesamte Konzept der V-Leute beruht darauf, Extremisten durch andere Extremisten überwachen zu lassen. Gewalttätige Nazis schützen di Verfassung vor gewalttätigen Nazis? Kein Problem. Autonome Linke bespitzeln autonome Linke? Klar doch. Und mich wollen Sie bei dem Verfassungsschützerclub nicht mitmachen lassen, weil ich zu extrem bin?

Sie haben recht, ich bin Mitglied in einer der, wie Sie es so elegant ausdrücken, „offen extremistischen Strukturen innerhalb der Partei Die Linke“. Ich bin ganz offiziell gegen Kapitalismus, Rassismus, Bundeswehr-Propaganda, Neonazis, Abschiebung von Geflüchteten und Ausbeutung von Ressourcen. Außerdem kleide ich mich unkonventionell, höre unkonventionelle Musik und bin Autorin eines linken Satireblogs. Total extrem also. Laut Ihrer Extremismustheorie bin ich linksextrem.

Allerdings dachte ich, das sie Voraussetzung für den Job! Sie könnten die extreme Mitte natürlich auch durch gekaufte Mitte-Extremisten bespitzeln lassen – das wird aber nicht funktionieren. Als ob die einander verraten würden! Der einzige Weg, der funktionieren würde, wäre der, Extremisten durch Extremisten anderer Richtungen überwachen zu lassen. Zeit für ein paar Linke in der extremen Mitte.

Ich persönlich werde die Machenschaften von JU & Co auch ohne Ihren Auftrag im Blick behalten und Ihnen alle verdächtigen Aktivitäten melden. Irgendjemand muss ja die Verfassung schützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim S

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts!

Die Junge Union ist nicht nur eine äußerst gefährliche Organisation, sie hat offenbar auch Probleme mit dem Unterscheiden von links und rechts. Bildquelle: CDU Moers

 

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass 60% aller CSU-Wähler Gartenzwerge sind.

Dies ist der erste Brief eines fiktiven Briefwechsels zwischen mir und Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Jochen will die Welt retten, ich auch. Deshalb bewerbe ich mich bei ihm.


Sehr geehrte Mitarbeiterin,
sehr geehrter Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz,
dies ist eine Initiativbewerbung.

Ich melde mich hiermit freiwillig als V-Frau in der extremen Mitte. Das Konzept der V-Leute selbst erscheint mir sehr einleuchtend. Es versorgt den Verfassungsschutz mit wichtigen Informationen über die Umtriebe in der extrem rechten bzw. linken Szene, was ja auch wichtig ist. Allerdings unterschätzen Sie dabei das hohe Gefahrenpotential der politisch extremen Mitte.

Während rechte und linke Extremisten offenbar flächendeckend überwacht werden, ist mir persönlich nichts von V-Leuten in den Kreisen um CDU, SPD, FDP, Grünen und AfD bekannt. Dabei geht von Mitgliedern, Wählern und Sympathisanten dieser und ähnlicher Parteien unerkannt die größte Gefahr aus.

Die meisten politisch motivierten Straftaten durch Rechte oder Linke werden sofort als solche erkannt und behandelt (von der NSU-Mordserie wollen wir an dieser Stelle nicht schreiben). Allerdings werden so gut wie 0% der Verbrechen durch Mitte-Extremisten als politisch erkannt und statistisch erfasst. Eine enorm hohe Dunkelziffer!

Statistisch gesehen wählen 41,5% der Gewaltverbrecher, Ladendiebe, Steuerhinterzieher und Falschparker die CDU! Weitere 25,7% sind SPD-Wähler und immerhin 4,8% haben FDP gewählt. Das höchste Gewaltpotential steckt in der politisch extremen Mitte der Gesellschaft. Dabei muss man besonders wachsam sein, denn während man extreme Rechte und Linke oft schon an ihrer Kleidung und ihrem Lebensstil erkennt, leben Mitte-Extremisten meist völlig angepasst und daher unerkannt mitten unter uns!

Ich würde Ihnen gern helfen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung vor dem Terror der Mitte zu schützen, damit man sich in Deutschland wieder ohne Angst auf die Straße trauen kann. Für diesen Zweck wäre ich bereit, mich in einer der Mitte-extremen Jugendorganisationen, zum Beispiel der konservativ-extremen Junge Union, einmal umzusehen. Auf diesen Zusammenschluss junger Neo-Konservativer bin ich im Internet gestoßen. Nach außen wirkt die JU äußerst bürgerlich, und innendrinn ist sie auch äußerst bürgerlich! Eine tickende Zeitbombe also, um die sich schnellstmöglich jemand kümmern muss.

Bitte kontaktieren Sie mich.
Mit freundlichen Grüßen,
Kim S

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Deutschland ans Mittelmeer umziehen sollte.

Oft bestätigt sich ja das Klischee, man könne junge Leute anhand ihres Musikgeschmacks grob politisch einordnen. Bei den jungen Grünen wird offenbar Folk gehört, und wer auf Punkrock steht ist automatisch links, oder so ähnlich. Jetzt mischt sich endlich auch die Junge Union Frankfurt ein, und sie fordert: Musik muss genormt werden! Straßenmusiker brauchen eine Lizenz!

Die Begründung lautet, auf der Zeil könne man oft aufgrund der vielen Musiker kaum etwas hören. Musikalische Vielfalt belästigt den jungen, konservativen Durchschnitts-Passanten offenbar. Als Lösung schlägt die JU ein Casting vor: mindestens einmal wöchentlich soll das Ordnungsamt bei allen aktiven Straßenmusikern testhören. In München funktioniert’s, bei uns wird es auch funktionieren.

Castings, die aus der Vielfalt der Musiker die Mainstream-konformen, Radio-tauglichen Popsternchen herausfiltert, begleiten uns auf Schritt und Tritt. Die Musikindustrie ist voll davon. Straßenmusik ist einer der wenigen Independent-Bereiche der Musik, der wirklich noch Independent ist. Die JU, der CDU-Ordnungsdezernent Markus Frank und andere konservative Kräfte, allen voran der Unternehmerverband Neue Zeil e. V., wollen nun auch hier das Steuer übernehmen. Der Sprecher von Neue Zeil e.V., Frank Diergard, betont in der Frankfurter Rundschau auch, welche Musik ihn am meisten stört – Osteuropäische. Die sei so ungewohnt für uns Deutsche.

Ausländischen Musikern ohne Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis würde ein Straßen-Casting besonders schaden. Denn sicher würde so ein Ordnungsamt-Bohlen auch die Papiere sehen wollen. Wer keine Papiere besitzt, ist in Deutschland aufgeschmissen, auch dann, wenn er mit seinem Akkordeon, seiner Gitarre oder seinen Trommeln tausend Mal besser klingt als sein Nachbar mit seiner Trompete. Und wer schadet dem Sozialstaat mehr – ein Straßenmusiker, der keine Steuern zahlt, oder zum Beispiel ein brav zahlender Waffenfabrikant?

Gerne würde ich die JU mal als Band formiert sehen – was die wohl so draufhaben? Im Casting für qualifizierte junge Politiker würden sie mit mir in der Jury sofort rausfliegen. Andersrum wäre es natürlich genauso. Schließlich bin ich nicht systemkonform, nicht Mainstream-tauglich. Auf die Jury kommt es an, und ich höre auf der Zeil lieber ein bisschen mehr osteuropäische Musik als solche, die das konservative Ordnungsamt für mich ausgesucht hat.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Punk zwar tot ist, Schlager aber nie gelebt hat.