Mit ‘Geheimdienste’ getaggte Beiträge

CCTV is everywhere…

Veröffentlicht: 21. Oktober 2014 in Echt jetzt?
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CCTV_HK

Das Chinesische Staatsfernsehen heißt also tatsächlich CCTV… witzig, denn die Abkürzung hat noch eine ganz andere Bedeutung:

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung. Screenshot: Wikipedia

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung.
Screenshot: Wikipedia

Das ist zumindest mir suspekt. Und „Smile, you’re on CCTV“ bekommt dadurch eine ganz neue Dimension.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man in der Schule als vierte Fremdsprache zwischen Chinesisch und Klingonisch wählen sollen könnte.

Mein fünfter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz.


 

Hallo Jochen,

Kim hier. (Wenn Sie meinen Nachnamen weglassen, lasse ich Ihren auch weg.) Ich habe ein kleines Problem, vielleicht können Sie mir helfen.

Gerade war ich zwei Wochen in Südengland, das war sehr schön da. Vor allem London ist einfach der Wahnsinn! Natürlich habe ich viele Fotos gemacht. Leider habe ich versehentlich alle Fotos ab dem 25. August gelöscht. Haben Sie die noch irgendwo?

Dumme Frage, natürlich. Sie sind schließlich beim Geheimdienst und mein Handy ist mit dem Internet verbunden. Könnten Sie bitte mal nachschauen? Vielleicht hat die Bilder ja auch der britische Geheimdienst, und mit dem verstehen Sie sich ja nicht so gut, aber sicher haben Sie ein paar Doppelagenten da, oder?

Schicken Sie mir doch bitte alle Bilder mit mir und meiner Familie drauf. (Ich bin das Mädchen in schwarz mit den türkis-schwarzen Haaren und den roten Schnürsenkeln.) Außerdem waren da noch ein paar Bilder von The Shard (dem Hochhaus), der Towerbridge, dem Camden Market, dem Hochhaus, das ein bisschen wie ein Penis aussieht, und ganz vielen Antifa-Aufklebern. Falls Sie meine Bilder nicht finden, schicken Sie mir einfach irgendwelche scharfen, auf denen nicht so viele Touristen drauf sind. Und falls Sie ein paar Aufnahmen vom London Eye finden, schicken Sie die doch auch gleich mit, ich war zu faul zum Anstehen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe,

Kim S

 PS: Irgendwo müsste ein paar Fotos von einem schwäbischen Touristenpärchen sein, auf denen ich drauf bin. Die zwei haben mich am Picadilly Circus so sehr genervt, dass ich mich aus Rache auf alle ihre Bilder draufgeschmuggelt habe. Die Fotos hätte ich auch gerne. Dankeschön.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass „unnecessary“ das schlimmste Wort der englischen Sprache ist.

Smile, you’re on CCTV!

Veröffentlicht: 31. August 2014 in Allgemein, Unterwegs
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WHAT ARE YOU LOOKING AT?

Ein Schablonen-Graffiti des britischen Graffiti-Künstlers Banksy.
Bildquelle

England ist wirklich ein wahnsinnig schönes Land. Man könnte sich England ständig angucken, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, zweiundfünfzig Wochen im Jahr. Man könnte. Das heißt aber nicht, dass man es muss.

England steht unter Beobachtung. An jeder Straßenecke, vor jeder Tankstelle, in jeder Hotel-Lobby, überall sind Kameras angebracht. Netterweise wird auch noch auf die Kameras hingewiesen. Von einem nüchternen „CCTV operating 24/7“ (24 Stunden Videoüberwachung) bis zu einem fast zynischen „Smile! You’re on CCTV“ (Bitte lächeln! Sie werden gefilmt!) findet man alle Arten von CCTV-Schildern. Hätte ich in vierzehn Tagen Großbritannien jeden Hinweis auf Überwachung fotografiert, hätte das wahrscheinlich meine Handy-Speicherkarte gesprengt. Und am Bildschirm hinter der Kamera hätte sich wahrscheinlich das britische Pendant zu Jochen Sönkeberg gewundert, welche verrückte Touristin alle Überwachungskameras des Landes fotografiert.

Das Beitragsbild stammt vom britischen Graffiti-Künstler Banksy. “What are you looking at?“, fragt er die Kamera. Was glotz du so?

Ich weiß es selbst nicht. Ob es wohl diejenigen wissen, die die Kameras aufhängen? Oder filmen sie nur, weil jeder Mensch verdächtig ist, just in case? Sammeln sie für Upps – Die Pannenshow? Reicht es, dass wir glauben, dass die Möglichkeit besteht, dass wir eventuell überwacht werden, damit wir uns ruhig verhalten? (Das Känguru-Manifest, Marc-Uwe Kling, Ullstein-Verlag, Kapitel „Überwachen und schlafen“. Ich habe eine Quellenangabe benutzt! Siehst du das, Jochen? Halleluja!)

England wird vermutlich das erste Land sein, dass flächendeckend videoüberwacht wird. Und vor allem – fast niemand regt es auf. Banksy bleibt eine Ausnahme. Ich fühle mich unwohl. Aber für die meisten Engländer ist das ganz normal.

Was mich wirklich beunruhigt, ist: wie weit reicht die Überwachung wirklich? In England wird wenigstens mit Schildern auf die Kameras hingewiesen. Aber wo hängen überall Kameras, ohne dass wir es wissen? Wenn wir nicht wissen, wo die Überwachung ist, können wir uns nicht gegen sie wehren.

Zurzeit wird heiß über das Verbot von Burkas und sonstiger Vollverschleierung diskutiert. Eines der Argumente der Burka-Gegner ist: wenn mir jemand auf der Straße begegnet, habe ich das Recht, zu sehen, wer das ist. Dieses Argument zielt auf ein generelles Vermummungsverbot ab, wie wir es schon von Versammlungen wie Demos kennen.

Vielleicht habe ich als Privatperson, als Individuum, das Recht, mein Gegenüber zu erkennen. Genau so haben die Menschen um mich herum das Recht, mich zu erkennen. Aber was ist mit den Überwachungskameras?

Irgendwo in den Archiven von Land und Staat lagern meine Daten. Biometrische Ausweisfotos, ohne die ich das Land theoretisch gar nicht verlassen darf. Meine Fingerabdrücke. Mein Krankenakte. Wenn mich irgendjemand beim Geheimdienst finden wollte, würde er mich finden. Ich müsste nur an einer Kamera vorbeispazieren.

Mein Handy hat eine automatische Gesichtserkennung. Wenn einer meiner Freunde bei Whatsapp ein Profilfoto hat, auf dem man ihn erkennt, und wenn ich ihn in meinen Kontakten unter seinem echten Namen gespeichert habe, dann ordnet mein Handy den Fotos, die in meinem Album habe, automatisch die Namen meiner Freunde zu. Es war nicht schwer, die automatische Gesichtserkennung auszuschalten. Aber bis man erst mal weiß, dass sie überhaupt da ist, hat sie schon alle meine Freunde erkannt. Was soll ich dagegen machen? Mir eine alte Polaroid-Kamera kaufen? Meine Freunde durchnummerieren?

Jeder Mensch hat das Recht, unerkannt durch eine Straße zu gehen. Hängt die Kameras ab, und wir können über das Vermummungsverbot sprechen. Jeder Mensch hat etwas zu verbergen. Das müssen keine „Geheimnisse“ sein, nicht Kriminelles oder Intimes. Das kann auch sein, wo wir sind und wie wir den Nachmittag verbringen. Das geht niemanden etwas an.

Überwachungskameras sollen Sicherheit schaffen. Aber ich persönlich will keine Sicherheit, wenn der Preis, den ich dafür zahlen muss, meine Privatsphäre ist und wenn mir die Sicherheit Angst macht.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total nervt, wenn man extra vorsichtig an Touristen vorbeischleicht, weil man denkt, dass sie irgendetwas fotografieren, und wenn sich dann herausstellt, dass sie sich selbst fotografieren.

Mein geheimes Spionage-Logbuch

Veröffentlicht: 16. August 2014 in Allgemein
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Nachbarn_google

Screenshot einer Internet-Suchleiste. Das „Suchergebnis“ ist von mir.

Mein Radio belauscht heimlich meine Nachbarn!

Das ist zwar ganz interessant, wirkt aber leider, als würde ich rumspionieren. Was ich natürlich nicht tue. Freiwillig würde ich meinen Nachbarn nie die Privatsphäre klauen, aber wenn das Radio schon mal spinnt, kann ich auch nichts dafür…


 

„Mama, Mama! Ich hab Nudeln gekocht!“

„Super, Schatz!“

„Muss ich das Feuer im Topf selber ausmachen oder geht das von alleine aus?“

„…“

„Mama?“

„Ruf die Feuerwehr. Sofort!“


 

„Du Gabi, ich muss dir was erzählen.“

„Was denn?“

„Ne, nicht hier am Telefon. Ich komm grade rüber.“


 

„Und dann hat nämlich die Brigitte zur Gabi gesagt, sie hält es nicht mehr länger aus beim Werner, und es wissen ja sowieso alle, dass der Werner beim Grillfest letztes Jahr an der Ulrike rumgefummelt hat, obwohl die damals noch mit dem Bernd verheiratet war, das war, bevor der Bernd sich ins Koma gesoffen hatte, aber da hatte ja auch die Susanna noch nicht mit ihm Schluss gemacht, und überhaupt, dass die Susanna sich geoutet hat und im Urlaub mit dieser Babsi geknutscht hat, das hat die nur gemacht, um den Marco loszuwerden, der stalkt sie seit Jahren, der ist sowieso nicht mehr ganz beisammen seit er seine Mutter mit dem Johannes erwischt hat…“

„Warte kurz… wer war noch mal Brigitte?“


 

„Besorg‘s mir, du Sau! Ja, ja, jaaah!“


 

„Guten Tag, hier ist der Anrufbeantworter von Brigitte E. Ich bin zurzeit nicht erreichbar, bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Ton.“

„Bitte, Brigitte, komm zu mir zurück!“


„Hallo, haben Sie kurz Zeit für eine kleine Umfrage?“

„Nicht schon wieder…“

„Super. Wir wollten nur wissen: sind Sie auch so genervt von Telefonumfragen?“


 

„Findest du auch, dass die Kim voll extrem ist in letzter Zeit?“

„Ja, politisch, ge? Und mit den schwarzen Haaren sieht die ja auch irgendwie gruselig aus, oder?“


 

„Sag mal, hast du manchmal Angst, dass dich wer abhört? Die NSA oder der BND?“

„Sollen die mich ruhig abhören. Ich hab nichts zu verbergen.“

 

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Payback-Punkte keinen strafrechtlichen Versammlungsschutz genießen sollten.