Mit ‘Glück’ getaggte Beiträge

Ein Ein-Wort-Gedicht

Veröffentlicht: 4. November 2014 in WGweisend
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Ungehorsam

trotzdem


Was das soll? Nein, ich werde nicht auf einen Lyrik-Blog umstellen, keine Angst. Allerdings bin ich im Übrigen der Meinung, dass ein Gedicht dann am besten ist, wenn es auf die Rückseite eines Schokoriegeleinwickelpapiers passt, das man seier WG als Nachricht an den Kühlschrank magneten kann.

PS: LJ, du bist dran mit Putzen.

Auf der Jagd nach dem fünften Stern

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Allgemein
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Kein Fußballbeitrag. Versprochen.


Bei vielen Online-Bestellungs- und Bewertungsportalen kann man zur Einschätzung seiner Zufriedenheit ein bis fünf Sterne vergeben. Das erinnert an Hotels und Restaurants und ist ja auch schon fast ein geflügeltes Wort.

Fünf-Sterne-Bewertungen sind aber auch diejenigen, die sich niemand durchliest. Wenn alles perfekt ist, braucht man nicht mehr zu erfahren, damit ist alles gesagt. Sobald aber jemand weniger als die Bestnote vergibt, wollen wir wissen, warum.

Vier Sterne – wo ist der Haken?
Drei Sterne – ist das Produkt noch okay?
Zwei Sterne – wer zur Hölle vergibt zwei Sterne?
Ein Stern – war der Film so scheiße oder ist bloß die DVD nicht gekommen?

Ein Stern und vier Sterne sind wahrscheinlich die spannendsten Bewertungen. Wir interessieren uns für die großen Katastrophen und die kleinen Meckereien. Wir wollen nicht wissen, warum etwas perfekt ist. Wir wollen wissen, warum es nicht perfekt ist. Wir glauben nicht an Perfektion. Wir lästern gern.

Was mir häufig auffällt, sind Vier-Sterne-Bewertungen wie

4Sterne_perfekt
Die große Frage lautet: Warum gibt es dann keine fünf Sterne? Wie viel besser als perfekt soll das Produkt denn noch werden?

Soll die Kurzhaarfrisur für immer halten, ohne nachzuwachsen? Soll der Staubsauger die Wohnung von alleine saugen? Wie soll man „super CD, super Künstlerin, jeder Song ist einzigartig & aufrichtig, schönes Artwork, Lieferung ging auch schnell, alles top“ denn bitte noch steigern?

Ich hatte mal eine Lehrerin, die generell keine Einsen vergab, weil sie meinte, so gut könne sowieso niemand sein. Eine Zwei bei ihr entsprach quasi einer Eins, und wo andere Lehrer eine Sechs vergaben, hätte sie eine sieben drunter geschrieben.

Nach diesem Prinzip funktioniert leider ein großer Teil unserer Gesellschaft. Wir werden nicht mehr von gesundem Ehrgeiz, sondern von krankhaftem Perfektionismus angetrieben. Anstatt uns zu freuen, dass etwas gut ist, wollen wir, dass alles noch schneller, noch besser, noch bequemer für uns wird. Wir streben so sehr nach dem Glück, dass wir es nicht mehr erkennen, wenn es längst da ist. Wir heben uns den fünften Stern auf, bis wir irgendwann vergessen, dass wir ihn haben.

Wann haben Sie das letzte Mal über etwas ganz Banales gelacht, nicht auf die anderen gehört und einfach gelacht?

Freuen Sie sich doch mal. Lachen Sie im Kino, im Theater, in der Oper, im Museum. Lachen Sie, auch wenn Ihnen die Etikette das Lachen verbietet, denn Sie müssen nicht verstecken, dass Sie glücklich sind. Loben Sie sich und andere wieder mehr. Sie haben es verdient. Vergeben Sie öfter mal fünf Sterne.

Graffiti sind illegal, aber wunderschön? Vergeben Sie fünf Sterne. Ihr Stammdöner ist kein Nobelrestaurant, macht aber die besten Falafel-Sandwiches weltweit? Fünf Sterne. Sie haben den ganzen Tag ohne Ihr Smartphone überlebt? Fünf Sterne.

Besorgen Sie sich einen Fünf-Sterne-Stempel, Fünf-Sterne-Aufkleber, eine Fünf-Sterne-Sprühschablone. Sagen Sie „Das ist super“, wenn etwas super ist, damit Sie guten Gewissens „Das ist die letzte Scheiße“ sagen können, wenn etwas die letzte Scheiße ist. Sparen Sie sich den Ärger für die Dinge, die Ihnen wichtig sind. Sie müssen nicht zufrieden sein mit der Welt. Aber das muss Sie nicht davon abhalten, glücklich zu sein.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Recht auf eine Hängematte ins Grundgesetz gehört.