Mit ‘Medien’ getaggte Beiträge

Ich wünschte, ich wäre rechts

Veröffentlicht: 15. März 2016 in Allgemein
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Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen. Bildquelle

Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen.
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Rechte Menschen leben in einer schönen Welt.

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist nämlich total links.

Rechte Menschen treffen ständig linke Menschen. Für rechte Menschen sind fast alle anderen Menschen links. Deutschland ist bevölkert mit Gutmenschen, die alles unterwandern. Rechte Menschen gehen auf linke Schulen. Unis sind rechten Menschen auch zu links.

Wenn rechte Menschen sich mal anständig informieren wollen, müssen sie leider feststellen, dass die Mainstream-Medien alle total links sind. Rechte Menschen lesen die FAZ und kriegen Schreikrämpfe, so links, wie die ist. Sie müssen stattdessen in der Jungen Freiheit lesen, wie fürchterlich Deutschland nach links gerutscht ist.

Rechte Menschen können nicht bei facebook herumhängen und nicht twittern, weil die Amerikanischen Massenmedien in der Welt der rechten Menschen total links sind.

Rechte Menschen brauchen keinen Feminismus, weil die Gleichberechtigung in der Welt der rechten Menschen längst erreicht ist und Frauen nicht sich also gar nicht mehr beschweren müssen. Traditionelle Geschlechterrollen haben sich aufgelöst. In der Welt der rechten Menschen sind Schwangerschaftsabbrüche viel zu einfach.

Rechte Menschen leben in einem Staat, in dem die Kirche an Macht verliert und Homosexualität in Schulen als etwas Normales gelehrt wird.

Für den „angeblichen“ Klimawandel sind wir in der Welt vieler rechter Menschen auch nicht verantwortlich. Wir Menschen sind unschuldig. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht.

Wie schön das sein muss. Ich will auch rechts sein.

Aber wenn doch bloß alles so einfach wäre…

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist von einem ständigen Gefühl des „wir gegen die“ geprägt, von Angst vor „Fremden“, Angst vor Veränderung, Angst vor Offenheit, vor Unkonventionalität. Ich will nicht in einer Welt leben, in der wir allen, die anders sind als wir, mit Misstrauen und Hass begegnen. Ich will nicht die ganze Zeit meine Festung vor Drachen verteidigen, die nicht da sind.

Laut einer Statistik aus der Jungen Freiheit sympathisiert also jeder fünfte Muslim in Deutschland mit Islamisten? Scheiße.

Und laut einer sehr, sehr wirkungsvollen und ziemlich seriösen Statistik vom 13. März sympathisiert knapp jeder vierte Wähler in Sachsen-Anhalt mit der AfD. Auch scheiße.

Wie reagieren wir also darauf, dass manche Menschen Scheiße denken, glauben und bauen? Na, ab besten, wir werden selbst scheiße. Wir lesen Junge Freiheit und wählen AfD. Denken zumindest rechte Menschen. Ganz einfach. Kann jeder. Denken braucht man dazu übrigens auch nicht – steht ja alles in der Jungen Freiheit.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass ich den Joghurt im Kühlschrank mitgebracht habe, aber ich bin mir nicht mehr sicher. Wisst ihr was, Mädels? Esst ihn einfach. Aber lasst mir was übrig. Teilen ist schön.

PS: Meine Zimmerpartnerin sagt, ich solle den Text noch länger machen, aber dazu müsste ich leider noch länger Junge Freiheit lesen.

Quelle der Ideen rechter Menschen: Junge Freiheit Online

 Die beste Satire-Aktion seit langem! Bildquelle (bearbeitet)


Die beste Satire-Aktion seit langem!
Bildquelle (bearbeitet)

Endlich. Die deutsche Bundesregierung lernt dazu.

Es erstaunt mich gleichermaßen, wie es mich freut, diesen Post schreiben zu dürfen. Denn nach Jahren neoliberaler, marktradikaler und Arbeitnehmerfeindlicher Politik von CDU & Co hatte sogar ich als junge, optimistische Bundesbürgerin nicht mit einem so schnellen Kurswechsel gerechnet.

Jetzt aber haben Merkel, das Institut der deutschen Wirtschaft und die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie ihre Fehler eingesehen und sich mit einem Augenzwinkern dafür entschuldigt. Mit der großartigen Kunstaktion „INSM – Initiative Neoliberale Scheiß-Meinungsmache“ schaffen sie es, ihre ehemaligen Positionen gekonnt durch den Kakao zu ziehen und sich dabei als zwar nicht unfehlbare, aber durchaus humorvolle und sympathische Zeitgenossen zu präsentieren.

INSM steht vordergründig für „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Diese fiktive Initiative predigt angeblich mehr Leistung, mehr Wachstum, mehr Markt, weniger Einschränkungen, weniger Freizeit und weniger Energiewende. Glücklicherweise sind diese Statements gut als Satire zu erkennen – schließlich werden sie in Form von klar als Fake erkennbaren Zitaten in pinker Schrift auf schwarzen Plakatwänden präsentiert. Und damit selbst Ironie-resistente Mitbürger*innen sie als Satire erkennen, zeigen diese Plakate ebenfalls halbe schwarz-weiß-Portraits grimmig dreinblickender älterer Herrschaften – eine äußerst gelungene Hommage an Grumpy Cat. Ich persönlich hätte Aussagen wie „Je freier die Wirtschaft, umso sozialer ist sie auch“ (Ludwig Erhard, CDU) oder „Märkte sind wie Fallschirme: sie funktionieren nur, wenn sie offen sind“ (Felix Baumgartner) jedoch auch ohne diese optische Unterstützung als beinahe überspitzte Satire erkannt.

Diese Plakate, mit denen ganz Berlin verschönert wurde, sind zum Glück nicht die einzigen Produkte der genialen Kunstaktion. Kostenlose „Unterrichtsmaterialien“ wie „Wir erklären Wirtschaft“ (gemeinsam mit dem beliebten Satire-Magazin Focus Money) sollen auch schon Schüler*innen der Mittel- und Oberstufen die Absurdität der freien Marktwirtschaft auf humorvolle Weise beibringen. Durch lustige Studien-Parodien wie „Chancengerechtigkeit durch Aufstiegsmobilität“ – sozialer Aufstieg sei angeblich problemlos möglich – unterstreicht die INSM ihren Satire-Charakter. Und auch das Fernsehen erobert das verantwortliche Künstlerkollektiv um CDU-und Commerzbank-Mitglied Johanna Hey, CDU- und Moody’s-Mitglied Hans Tietmeyer, Headhunter und Lobbyist Dieter Rickert und andere. Versteckte INSM-Themen machten sogar die ARD-Seifenoper „Marienhof“ zur Comedy-Show.

Alles in allem ist die INSM die witzigste und ehrlichste Satire, die die Bundesrepublik seit langem gesehen hat. Sie zeigt, dass unsere Medienkünstler*innen auch den internationalen Vergleich mit den grandiosen „Joint the Army“-Kampagne aus den USA oder der weltweit hochgelobten „Sozialistischen Propaganda“ des ehemaligen Ostblocks nicht zu scheuen braucht. Ich als Satirikerin bin jedenfalls stolz, dass meine Regierung so lustig und kreativ ist. Es lebe die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass keine Meinung auch eine Meinung ist, oder auch nicht.

Die INSM bei Lobbypedia

Die INSM bei Lobby Control

„Stoppt die INSM“ auf Facebook

Feminismus im Fernsehn

Veröffentlicht: 3. April 2015 in WGweisend
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Serienkiller statt Topmodels – Alternativprogramm als Antisexistischer Aktivismus (Bildquelle)

Serienkiller statt Topmodels – Alternativprogramm als Antisexistischer Aktivismus
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Donnerstagabend.

Auf dem Campus ist es schon um Viertel nach acht ungewöhnlich still. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Internats sitzen in ihren WGs vor dem Fernseher, in Grüppchen, mit Snacks und Getränken. Alle schauen Germany’s Next Top Model.

Wir nicht.

Eine kleine Schar von Prime-Time-Rebellinnen hat sich in meinem Wohnzimmer versammelt, um Serienkiller zu jagen. Natürlich nicht persönlich. Viel eher sehen wir dem FBI-Team der Serie Criminal Minds beim Jagen von Serienkillern zu. Dabei essen wir Cookies und das fetteste Gemüse der Welt – Avocados. Und wir werden selbst zu Killern.

Wir killen den Magerwahnsinn. Wir killen das unnatürliche Frauenbild, dass uns Klum und Co jeden Donnerstag zu vermitteln versuchen. Wir killen das lächelnde Bauch rein, Ellenbogen raus-Image der Modebranche. Wir killen 90-60-90. Wir killen das Ideal eines Mädchens, für das Streiten gleich Zicken-Terror bedeutet und das seinen Körper an Pro7 verkauft hat. Wir killen die angebliche Ironie, mit der die Hälfte aller GNTM-Zuschauer sich vor Kritikern verteidigt. Wer den Kram ironisch guckt, treibt die Quoten auch hoch.

Wir versuchen zu ignorieren, dass Werbepausen bei Sat.1 dieselbe Diät- und Modewerbung zeigen wie auf Pro7, weil beide zur selben Sendergruppe gehören. Wir ignorieren, dass auch unsere FBI-Agentinnen vollkommen untaugliche kugelsichere Westen tragen, durch die ihre weiblichen Konturen nicht verloren gehen. Wir ignorieren, dass es Sexismus und Reduzierung von Frauen auf ihren Körper nicht nur in Castingshows gibt.

Aber vor allem freuen wir uns jedes Mal, wenn ein Typ oben ohne durchs Bild läuft.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jeder Mörder in einer Fernsehserie ein Serienmörder ist.

Mein siebter fiktiver Brief an Jochen Sönkeberg vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Vielleicht kann Jochen mir helfen, das Radio zu revolutionieren.


 

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Wenn es nach Franz-Robert Liskow ginge, bekäme der NDR ein neues Logo.

Hallo Jochen,

wahrscheinlich sind Sie für das, was ich jetzt vorschlage, gar nicht zuständig, aber man weiß ja nie, wie mächtig Behörden wirklich sind. Könnten Sie mein Konzept bitte an die Zuständigen weiterleiten?

Der Chef der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern, Franz-Robert Liskow, hat ja eine fünfunddreißigprozentige Schlagerquote für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefordert. Er erklärte dies sehr einleuchtend: „Durch Helene Fischer hat der Schlager ein frisches Image bekommen. Der NDR glaubt noch immer, junge Leute wollen nur internationale Popmusik hören. Die sollen mal in Helenes Konzerte gehen.“

Zuerst dachte ich, das sei Satire.

Danach dachte ich, das sei nervig, egoistisch, spießig und einfach nur peinlich. Sollen die Schlager vielleicht noch regional angeglichen werden? Sollen im Radio alle Moderatoren Mundart sprechen? Oder doch lieber solche Pop-Schlager spielen? Warum führen wir nicht gleich eine Helene Fischer-Quote ein? Ich vergaß, Helene Fische hat ja nur einen Song. Also eine Atemlos-Quote? Ich bin übrigens auch in einer politischen Jugendorganisation und ich mag wirklich gern Rise Against. Warum führen wir also keine Hardcore/Punk-Quote ein? Ach ja, weil der NDR glaubt, junge Leute wollten nur Popmusik hören. Aber da irren sie sich gewaltig. Sollen sie mal auf ein Festival gehen!

Aber dann dachte ich mir – warum nicht? Die CDU ist schließlich die einflussreichste Partei in Deutschland! Und warum nur 35%? Die Union hat bei der letzten Bundestagswahl schließlich 41,5% erreicht. Folglich sollten sie 41,5% der gespielten Musik bestimmen. Alle Politiker sollten so viel Musik bestimmen, wie sie Prozente haben. Ist ja schließlich Hauptaufgabe von Politikern. Das Volk repräsentieren und die Musik im Radio aussuchen. Steht sogar im Grundgesetz. Glaube ich.

Diese perfekte Verschmelzung von Musik und Politik ließe sich natürlich auch schneller vollziehen. Wir könnten zum Beispiel nur noch Musik von Abgeordneten des Bundes- und der Landtage spielen. Um weiterhin Qualität im Rundfunk zu gewährleisten, müsste natürlich jeder, der einen Listenplatz oder ein Direktmandat haben möchte, vorher wahlweise eine kleine Gesangsprobe oder einen Talentbeweis am Schlagzeug oder der Blockflöte abliefern. Sollte ein Kandidat letztendlich von der Bevölkerung in den Bundestag gecastet werden – Juroren unter der Leitung von Dieter Bohlen oder ein Coach-System wie bei The Voice sind durchaus denkbar – können die Fraktionen anhand der Musikrichtungen zusammengestellt werden. Eine Koalition ist extrem schwierig zu bilden, eine Band sehr viel einfacher, allein schon wegen der geringeren Mitgliederzahl. Die so entstandenen Combos treten dann in Blind Auditions und Battles im Parlamentsfernsehen gegeneinander an, wobei der oder die Leadsänger*in der Sieger-Band ins Kanzleramt einziehen darf. Der Rest der Band stellt die Ministerposten. Alternativ kann auch über eine Zusammenlegung von Bundestag und Staatsballett nachgedacht werden.

Um das ganze Verfahren abzukürzen kann natürlich auch gleich Helene Fischer als Bundeskanzlerin eingesetzt werden. Aber nur, wenn Florian Silbereisen Bundespräsident wird.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es total verwirrend ist, wenn Sätze anders enden als man Kartoffel.

CCTV is everywhere…

Veröffentlicht: 21. Oktober 2014 in Echt jetzt?
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CCTV_HK

Das Chinesische Staatsfernsehen heißt also tatsächlich CCTV… witzig, denn die Abkürzung hat noch eine ganz andere Bedeutung:

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung. Screenshot: Wikipedia

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel über private Videoüberwachung.
Screenshot: Wikipedia

Das ist zumindest mir suspekt. Und „Smile, you’re on CCTV“ bekommt dadurch eine ganz neue Dimension.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man in der Schule als vierte Fremdsprache zwischen Chinesisch und Klingonisch wählen sollen könnte.

Feminismus? Ohne die Junge AfD…

Veröffentlicht: 8. August 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
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Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative. Ich habe daran herumgebastelt - aber nur ein bisschen.

Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative.
Ich habe daran herumgebastelt – aber nur ein bisschen.

Die Junge Alternative für Deutschland ist gar nicht so verkorkst, wie ich bisher dachte. Ich war mir sicher, es gäbe dort nur krasse Antifeministen. Es gibt aber noch mehr. Es gibt auch krasse Antifeminist*innen!

Per Facebook hat die JA schon vor Monaten die Kampagne „Vernunft statt Genderwahn“ oder „Gleichberechtigung statt Gleichstellung“ gestartet. Dabei gab es auch schon nackte Hintern zu sehen. (Es waren nicht die Hintern von AfD-Mitgliedern. Wäre ja auch zu schön gewesen. Aber anscheinend ist alles rechts von der CDU asexuell oder gibt sich zumindest so.)

Die nackten Model-Hintern waren aber nicht genug. Jetzt lichten sich auch AfD-Mädels als Antifeministinnen ab – allerdings nicht im Bikini, sondern mit Plakaten, auf denen sie erklären, warum sie keine Feministinnen sind. Kräftige Unterstützung kommt natürlich von den AfD-Jungs. Da diese ihre „Keimzellen der deutschen Gesellschaft“ später wohl mit braven, vernünftigen deutschen Mädchen gründen wollen, kommt ihnen die Selbst-Degradierungsaktion ihrer Parteifreundinnen wahrscheinlich sehr gelegen.

„Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist“, „Ich bin kein Feminist, weil Familie wichtiger ist als Karriere und ich den Genderwahn stoppen will“ oder „Ich bin kein Feminist, weil ich keine Ideologie brauche, um Frauen zu respektieren“ sind die Aussagen. Irgendwie ist diese Anti-Ideologie fast schon witzig. Mir zumindest macht das Ausdenken von Sprüchen so viel Spaß, dass ich erwäge, sie auf T-Shirts zu drucken.

„Ich bin keine Feministin, weil ich das Denken lieber meinem Mann überlasse.“
„Ich bin keine Feministin, weil ich nicht weiß, wie man ein Kondom benutzt.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich keine Frau will, die klüger ist als ich.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich nicht kochen kann.“
„Ich bin keine Feministin, weil Eva auch keine Feministin war.“
„Ich bin kein Feminist, weil Frauen beim Sex die Klappe zu halten haben!“

Sehr schön, liebe AfD-Kids. Wie wäre es mit der nächsten Kampagne: „Ich mag keine Männer, weil…“, „Ich bin nicht sexy, weil…“ oder „Ich denke niemals selbst, weil…“? Ich würde euch dabei mit Vergnügen beraten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bernd Lucke mit seiner Blümchenkrawatte gar nicht so homophob aussieht, wie er redet.

Die taz hat übrigens auch ein paar lustige Vorschläge.

CDU will Krieg verbieten?

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Echt jetzt?, Krieg & Frieden
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Höchster Kreisblatt 23. Juni 2014

Höchster Kreisblatt
23. Juni 2014

Oh. Junge Deutsche sollen nicht an bewaffneten Konflikten im Ausland teilnehmen? Das war mir neu.
Sicherlich ist es auch Frau von der Leyen neu, die mit einer Konjunkturspritze von insgesamt über 10 Milliarden Euro für die Bundeswehr winkt.

10 Milliarden Euro!
10.000.000.000 €
1.000.000.000.000 ct
Mehr als 114.155 Jahre (!) Arbeit, wenn man 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr durcharbeitet und dabei den von den Linken geforderten Mindestlohn bekommt.

Auf der Welt gibt es über sieben Milliarden Menschen. Das ist mehr als ein Euro pro Mensch. Für die Armee eines einzigen Landes. Und da soll noch mal eine CDU-Politikerin sagen, sie sei dagegen, dass junge Deutsche sich an bewaffneten Konflikten beteiligen!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass zwischen „mit dem Ziel“ und „an bewaffneten Konflikten“ ein Komma fehlt.

Auf der Jagd nach dem fünften Stern

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Allgemein
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Kein Fußballbeitrag. Versprochen.


Bei vielen Online-Bestellungs- und Bewertungsportalen kann man zur Einschätzung seiner Zufriedenheit ein bis fünf Sterne vergeben. Das erinnert an Hotels und Restaurants und ist ja auch schon fast ein geflügeltes Wort.

Fünf-Sterne-Bewertungen sind aber auch diejenigen, die sich niemand durchliest. Wenn alles perfekt ist, braucht man nicht mehr zu erfahren, damit ist alles gesagt. Sobald aber jemand weniger als die Bestnote vergibt, wollen wir wissen, warum.

Vier Sterne – wo ist der Haken?
Drei Sterne – ist das Produkt noch okay?
Zwei Sterne – wer zur Hölle vergibt zwei Sterne?
Ein Stern – war der Film so scheiße oder ist bloß die DVD nicht gekommen?

Ein Stern und vier Sterne sind wahrscheinlich die spannendsten Bewertungen. Wir interessieren uns für die großen Katastrophen und die kleinen Meckereien. Wir wollen nicht wissen, warum etwas perfekt ist. Wir wollen wissen, warum es nicht perfekt ist. Wir glauben nicht an Perfektion. Wir lästern gern.

Was mir häufig auffällt, sind Vier-Sterne-Bewertungen wie

4Sterne_perfekt
Die große Frage lautet: Warum gibt es dann keine fünf Sterne? Wie viel besser als perfekt soll das Produkt denn noch werden?

Soll die Kurzhaarfrisur für immer halten, ohne nachzuwachsen? Soll der Staubsauger die Wohnung von alleine saugen? Wie soll man „super CD, super Künstlerin, jeder Song ist einzigartig & aufrichtig, schönes Artwork, Lieferung ging auch schnell, alles top“ denn bitte noch steigern?

Ich hatte mal eine Lehrerin, die generell keine Einsen vergab, weil sie meinte, so gut könne sowieso niemand sein. Eine Zwei bei ihr entsprach quasi einer Eins, und wo andere Lehrer eine Sechs vergaben, hätte sie eine sieben drunter geschrieben.

Nach diesem Prinzip funktioniert leider ein großer Teil unserer Gesellschaft. Wir werden nicht mehr von gesundem Ehrgeiz, sondern von krankhaftem Perfektionismus angetrieben. Anstatt uns zu freuen, dass etwas gut ist, wollen wir, dass alles noch schneller, noch besser, noch bequemer für uns wird. Wir streben so sehr nach dem Glück, dass wir es nicht mehr erkennen, wenn es längst da ist. Wir heben uns den fünften Stern auf, bis wir irgendwann vergessen, dass wir ihn haben.

Wann haben Sie das letzte Mal über etwas ganz Banales gelacht, nicht auf die anderen gehört und einfach gelacht?

Freuen Sie sich doch mal. Lachen Sie im Kino, im Theater, in der Oper, im Museum. Lachen Sie, auch wenn Ihnen die Etikette das Lachen verbietet, denn Sie müssen nicht verstecken, dass Sie glücklich sind. Loben Sie sich und andere wieder mehr. Sie haben es verdient. Vergeben Sie öfter mal fünf Sterne.

Graffiti sind illegal, aber wunderschön? Vergeben Sie fünf Sterne. Ihr Stammdöner ist kein Nobelrestaurant, macht aber die besten Falafel-Sandwiches weltweit? Fünf Sterne. Sie haben den ganzen Tag ohne Ihr Smartphone überlebt? Fünf Sterne.

Besorgen Sie sich einen Fünf-Sterne-Stempel, Fünf-Sterne-Aufkleber, eine Fünf-Sterne-Sprühschablone. Sagen Sie „Das ist super“, wenn etwas super ist, damit Sie guten Gewissens „Das ist die letzte Scheiße“ sagen können, wenn etwas die letzte Scheiße ist. Sparen Sie sich den Ärger für die Dinge, die Ihnen wichtig sind. Sie müssen nicht zufrieden sein mit der Welt. Aber das muss Sie nicht davon abhalten, glücklich zu sein.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Recht auf eine Hängematte ins Grundgesetz gehört.

Goldener Windbeutel für die Bundeswehr

Veröffentlicht: 30. Juli 2014 in Echt jetzt?, Krieg & Frieden
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Der Goldene Windbeutel, der jährlich von der Organisation FoodWatch verliehen wird, ist ein Negativpreis für die verlogenste Produktwerbung, vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen. Actimel, Milchschnitte und Capri-Sonne waren schon unter den Preisträgern. Coole, vielversprechende Werbung, ungesunder Inhalt – das ist oft Standard in der Werbung, und das nicht nur bei Lebensmitteln.

Den Preisträger 2014 muss die Verbraucherumfrage noch bestimmen. Wie wäre es, wenn statt Nutella, Cola Light oder Activia dieses Jahr ein echter Werbepfuscherverein den Preis bekäme?

Den Goldenen Windbeutel 2014 verdient am meisten die deutsche Bundeswehr!

Soldat ist ein tödlicher Beruf. Nicht nur für denjenigen, der im Panzer sitzt, sondern auch für denjenigen, der aus Versehen vor den Panzer läuft. Dabei muss man sich doch fragen: sind die Zivilisten im Weg? Oder sind die Panzer im Weg?

Darüber, ob das Massensterben von Soldaten und Zivilisten notwendig ist, lässt sich sowieso streiten. Ganz klar sollte aber sein, dass für einen tödlichen Beruf, ob notwendig oder nicht, nicht auch noch mithilfe von Sommercamps geworben werden soll.

Man mag hier gegenhalten, dass die Bundeswehr ohne diese Veranstaltungen wohlmöglich keinen Nachwuchs finden würde. Junge Leute interessieren sich eben mehr für Sport und Flugzeuge als für zerfetzte Gliedmaßen und tote Zivilisten. Die gehören allerdings auch zur Bundeswehr – die, und nicht Sommercamps und Journalistenworkshops. Wenn sich niemand für die wahren Inhalte der Bundeswehr begeistert, bedeutet das dann nicht, dass die wahren Inhalte der Bundeswehr schlichtweg abstoßend sind?

Die Bundeswehr wirbt mit Sport, Action und dem Versprechen auf intellektuellen Austausch für Auslandseinsätze, die, ob notwendig oder nicht, sowohl die Mitglieder der Streitkräfte als auch tausende von Zivilisten täglich in Lebensgefahr bringen und viele von ihnen töten. Kein Wunder, dass es mittlerweile Schulen gibt, die sogenannte „Jungendoffiziere“ der Bundeswehr nicht mehr zu „Informationsveranstaltungen“ einladen und Werbematerial der „Young Leaders Presseakademie“ – mitgetragen von der Bundeswehr – nicht verteilen. Denn daraus, dass all diese Veranstaltungen zur Anwerbung von Nachwuchs dienen, macht die Bundeswehr selbst keinen Hehl. „Und das ist auch das Ziel des Sommercamps – Einblicke geben und Begeisterung für den Soldatenberuf wecken.“ So heißt es etwa auf der Jugendwebsite der Bundeswehr. „Ich kann mir schon vorstellen, später bei der Bundeswehr zu landen“ und „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, später zur Bundeswehr zu gehen“ werden Vierzehn- und Fünfzehnjährige zitiert, die sich schon um den Finger haben wickeln lassen. Vielleicht winkt den beiden wirklich eine glorreiche Karriere. Vielleicht enden sie auch schon in ein paar Jahren als Kollateralschaden.

Von den Risiken des Soldatenberufs schreibt die Bundeswehr auf diesen Websites natürlich nichts. Die Karriereseite der Bundeswehr verspricht stattdessen das Blaue vom Himmel. Lesen Sie mal folgende Stellenanzeige: „Als […] erwarten Sie interessante und abwechslungsreiche Aufgaben mit hohen Anforderungen. Dafür bieten wir Ihnen Teamwork, berufliche Qualifizierung und ein attraktives Gehalt. Informieren Sie sich!“ Könnten Sie das einem Beruf zuordnen? Lehrer? Koch? Pilot vielleicht? Wer genau hinschaut, liest nur hohle Phrasen, die auch auf einer Capri-Sonne stehen könnten. Der Windbeutel wäre verdient.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man eine Eyeliner-Flatrate einführen müsste.

 

 

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