Mit ‘Politik’ getaggte Beiträge

Keine Satire

Veröffentlicht: 23. Oktober 2017 in Hallo Welt!
Schlagwörter:, , , , ,

Sich zu verstecken, ist sehr einfach. Bildquelle

Ich habe lange nicht geschrieben. Ich könnte es auf das Abitur schieben, und darauf, dass ich umgezogen bin, aber damit würde ich es mir wohl zu einfach machen.

Tatsache ist, dass es einfach ist, nicht zu schreiben. Die Gründe dafür sind nicht einfach, auch wenn sie sich vermutlich ganz einfach in den Zahlen 2016 und 2017 zusammenfassen lassen. Das möchte ich erklären.

Vielleicht fing es damit an, dass ich Donald Trump unkommentiert gelassen habe. Ich habe ihn, selbst im Frühjahr 2016, als seine Kampagne schon im Gang und ich noch regelmäßig auf meinem Blog aktiv war, lieber ignoriert, vielleicht aus Unwillen, über die Politik eines anderen Landes zu schreiben – auch wenn ich das bereits mehrfach getan habe – vielleicht, weil man Tag für Tag überall Artikel, Horrorgeschichten und Satire über ihn las und ich einfach keinen Bock hatte, davon noch mehr zu produzieren. Vielleicht habe ich gehofft, dass er, wenn ihn nur genug Menschen ignorieren, wieder in den Untiefen des Amerikanischen Reality-TV verschwindet.

Dann kam die Wahl. Dass meine Hoffnung naiv gewesen war, wunderte mich zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr, aber ich fühlte mich nicht berechtigt, mich im Internet auf welche Weise auch immer über den Präsidenten Trump aufzuregen, nachdem ich den Kandidaten Trump absichtlich ignoriert hatte. Einmal in diesem Denkmuster verheddert, ist es unglaublich schwer, wieder daraus auszusteigen. Tag für Tag strömten Nachrichten über die immer desolatere politische Lage in den USA auf mich ein, und wenn ich vielleicht nicht nicht darüber schreiben konnte, so bildete ich mir zumindest ein, nicht darüber schreiben zu können. Was momentan in der Welt passiert, sind keine „normalen“ GroKo-Querelen – ich will nicht so tun, als hätte die deutsche Austeritäts-Politik der letzten Jahre nicht auch viel Schaden angerichtet – sondern leider eine Krise nach der anderen. Wir leben wieder in einer Welt, in der offener Hass auf andere wieder salonfähig ist, in der Staaten ohne Verluste wie Konzerne gelenkt werden und in der Populisten und religiösen Fanatikern mehr vertraut wird als den Ergebnissen der etablierten Wissenschaften. Daran, in so einer Welt über so eine Welt zu schreiben, muss man sich gewöhnen. Das ist, ganz einfach, nicht einfach.

Über das Schreiben im Zeitalter Trumps hat der geniale amerikanische Science-Fiction-Autor John Scalzi hier einen sehr guten Text verfasst. Wie Scalzi spüre ich die plötzliche Schwere nicht nur im politischen, sondern auch im literarischen Schreiben. Etwa zeitgleich mit dem letzten Blogeintrag habe ich fast aufgehört, Kurzgeschichten zu schreiben, ich lasse nur eine Wettbewerbs-Deadline nach der anderen verstreichen und zweifle mit fast schon pathologischer Routine an meinem Schreiben an sich, an meinem Talent, meiner Kreativität, der Legitimität meiner Stimme, man nenne es, wie man will. Was das Schreiben von Satire angeht, kann ich hier nur die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling zitieren, die mich weiterhin sehr zum Lachen bringen: „Ich dachte: Ich bin überflüssig, denn es ist schlicht unmöglich, die Wirklichkeit noch satirisch zuzuspitzen. Ich gebe auf“. Das Einfache am Schreiben ist mir irgendwie abhandengekommen.

Anders als Scalzi lebe ich nicht in Amerika, und darüber bin ich Tag für Tag froh. Aber es dauerte nicht lange, bis die Horror-Storys zu mir nach Hause kamen. Ich habe nicht über die Bundestagswahl geschrieben, weil es einfach war, es nicht zu tun, aber auch, weil mir mittlerweile das Zweifeln sehr einfach geworden war. Ich bezweifle, dass ich mit meinem Blog irgendetwas erreichen kann. Diejenigen, die ihn lesen und links wählen, brauchen ihn nicht, um links zu wählen, und diejenigen, die ihn lesen und rechts wählen, hat er ja offensichtlich nicht davon abgehalten, rechts zu wählen. Ich kenne Rechte, die lesen meinen Blog ironisch. Ich kenne Rechte, die schicken mir ironisch-nette Gewaltdrohungen. Ich habe mein Impressum vom Netz genommen.

Nach der Bundestagswahl habe ich mich feige gefühlt. Ich war wählen. Ich war demonstrieren. Ich habe mich um Naziplakate gekümmert. Ich habe Angst, die Situation auf meine Art ein kleines bisschen schlimmer gemacht zu haben. Denn ich habe während des Wahlkampfes mit keinem einzigen besorgten Bürger geredet, der Gefahr lief, AfD zu wählen, sich aber doch nicht ganz sicher war. Ich habe mich, wie viele Linke, lieber online wie offline in meiner Filterblase bewegt und mit denjenigen diskutiert, deren Meinung nicht allzu weit von meiner entfernt ist. Weil das einfach ist.

Mit Gefühlen von Zweifeln und Feigheit schreibt es sich nicht gut. ich erinnere mich, wie sehr ich mich über die Öffnung der Ehe für Homosexuelle in Irland gefreut habe, es ist bis heute vermutlich der Blogbeitrag, auf den ich stilistisch am stolzesten bin. Über die Ehe für Alle in Deutschland habe ich mich umso mehr gefreut, weil sie für Menschen geschaffen ist, die ich kenne und mit denen ich mich freuen konnte. Darüber schreiben konnte ich nicht. Nachdem ich zu so viel Negativem geschwiegen hatte, kam es mir falsch vor, einen euphorischen Text dazu zu schreiben.

Ich bin vor fast zwei Monaten nach Tschechien gezogen, wo am Wochenende das Parlament gewählt wurde. Der Rechtspopulist und Konzernchef Andrej Babiš, der nicht umsonst als Tschechischer Donald Trump bezeichnet wird, holte mit seiner One-man-Partei ANO mit fast dreißig Prozent die klare Mehrheit. Zusammen mit der konservativen ODS – gegen den Auftritt von deren ehemaligen Vorsitzenden Václav Klaus auf einer AfD-Veranstaltung bin ich diesen August noch auf die Straße gegangen – und der rechtsextremen SPD (kein Witz), die über zehn Prozent erreicht hat, kann er regieren. (Nehmt diese Koalitions-Idee nicht beim Wort, tschechische Politik ist unberechenbar und ich besitze darüber höchstens gefährliches Halbwissen.) In Österreich wird es wohl keine Koalition ohne die rechtsextreme FPÖ geben. Polen schränkt die Pressefreiheit ein. Großbritannien verlässt die EU, und das Land verkauft sein Bildungswesen an Unternehmen. Ganz Europa dreht am Rad.

Was soll ich sagen? Ich kann das Rad nicht anhalten. Ich muss, so wie wir alle, wohl lernen, mich mitzudrehen, ohne die ganze Zeit zu kotzen. Ich habe wieder begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben. Dass sie alle gut sind, bezweifle ich. Aber das kann ich ignorieren. Ich hatte trotz allem ein sehr gutes Jahr.

Ich weiß nicht, in welcher Form dieser Blog in Zukunft existieren wird – das kommt ganz auf die Zukunft an. Angst habe ich schon vor ihr. Frustriert bin ich auch. Fatalistisch will ich nicht sein. Wie auch immer es wird, dieser Beitrag ist hoffentlich ein Anfang. Und wie auch immer es wird, bloggen wird nicht reichen. Ich arbeite zurzeit für ein Jahr in einer Holocaust-Gedenkstätte. Bernd Höcke will eine 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungspolitik? Dazu muss er erst an mir vorbei.

Dinge zu ignorieren, ist immer einfach. Aber das ist kein Grund, die Zukunft sich selbst zu überlassen. Und vielleicht schreibe ich auch bald wieder Satire.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das echt gut getan hat.

 

Ich wünschte, ich wäre rechts

Veröffentlicht: 15. März 2016 in Allgemein
Schlagwörter:, , , , , ,
Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen. Bildquelle

Es ist einfach, immer nur nach rechts zu laufen.
Bildquelle

Rechte Menschen leben in einer schönen Welt.

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist nämlich total links.

Rechte Menschen treffen ständig linke Menschen. Für rechte Menschen sind fast alle anderen Menschen links. Deutschland ist bevölkert mit Gutmenschen, die alles unterwandern. Rechte Menschen gehen auf linke Schulen. Unis sind rechten Menschen auch zu links.

Wenn rechte Menschen sich mal anständig informieren wollen, müssen sie leider feststellen, dass die Mainstream-Medien alle total links sind. Rechte Menschen lesen die FAZ und kriegen Schreikrämpfe, so links, wie die ist. Sie müssen stattdessen in der Jungen Freiheit lesen, wie fürchterlich Deutschland nach links gerutscht ist.

Rechte Menschen können nicht bei facebook herumhängen und nicht twittern, weil die Amerikanischen Massenmedien in der Welt der rechten Menschen total links sind.

Rechte Menschen brauchen keinen Feminismus, weil die Gleichberechtigung in der Welt der rechten Menschen längst erreicht ist und Frauen nicht sich also gar nicht mehr beschweren müssen. Traditionelle Geschlechterrollen haben sich aufgelöst. In der Welt der rechten Menschen sind Schwangerschaftsabbrüche viel zu einfach.

Rechte Menschen leben in einem Staat, in dem die Kirche an Macht verliert und Homosexualität in Schulen als etwas Normales gelehrt wird.

Für den „angeblichen“ Klimawandel sind wir in der Welt vieler rechter Menschen auch nicht verantwortlich. Wir Menschen sind unschuldig. Vielleicht gibt es ihn auch gar nicht.

Wie schön das sein muss. Ich will auch rechts sein.

Aber wenn doch bloß alles so einfach wäre…

Die Welt, in der rechte Menschen leben, ist von einem ständigen Gefühl des „wir gegen die“ geprägt, von Angst vor „Fremden“, Angst vor Veränderung, Angst vor Offenheit, vor Unkonventionalität. Ich will nicht in einer Welt leben, in der wir allen, die anders sind als wir, mit Misstrauen und Hass begegnen. Ich will nicht die ganze Zeit meine Festung vor Drachen verteidigen, die nicht da sind.

Laut einer Statistik aus der Jungen Freiheit sympathisiert also jeder fünfte Muslim in Deutschland mit Islamisten? Scheiße.

Und laut einer sehr, sehr wirkungsvollen und ziemlich seriösen Statistik vom 13. März sympathisiert knapp jeder vierte Wähler in Sachsen-Anhalt mit der AfD. Auch scheiße.

Wie reagieren wir also darauf, dass manche Menschen Scheiße denken, glauben und bauen? Na, ab besten, wir werden selbst scheiße. Wir lesen Junge Freiheit und wählen AfD. Denken zumindest rechte Menschen. Ganz einfach. Kann jeder. Denken braucht man dazu übrigens auch nicht – steht ja alles in der Jungen Freiheit.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass ich den Joghurt im Kühlschrank mitgebracht habe, aber ich bin mir nicht mehr sicher. Wisst ihr was, Mädels? Esst ihn einfach. Aber lasst mir was übrig. Teilen ist schön.

PS: Meine Zimmerpartnerin sagt, ich solle den Text noch länger machen, aber dazu müsste ich leider noch länger Junge Freiheit lesen.

Quelle der Ideen rechter Menschen: Junge Freiheit Online

Schiebt mich doch ab!

Veröffentlicht: 2. Februar 2016 in Allgemein, Hallo Welt!
Schlagwörter:, , , , , ,

Guten Tag, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Gestatten Sie, dass ich mich kurz vorstelle. Mein Name ist Kim S und in meiner Freizeit liege ich gern dem Staat auf der Tasche. Mit ein wenig Stolz kann ich sagen, dass ich ausgesprochen gut darin bin.

Ich bin seit sechzehn, bald siebzehn Jahren in Deutschland. Seit ich hier bin, habe ich noch keinen Tag gearbeitet oder Steuern gezahlt. Stattdessen beziehe ich regelmäßig Sozialleistungen. Meine Eltern erhalten beispielsweise jeden Monat Kindergeld für mich. Die Tatsache meiner Existenz hat die beiden zudem jahrelang daran gehindert, Vollzeit zu arbeiten und angemessen zum Wirtschaftswachstum beizutragen. In den letzten Jahren war ich zudem mehrfach krank, jedes Mal zumindest zum Teil auf Kosten des Staates. Man muss dazusagen, dass mein Aufenthalt in Deutschland sogar mit einem ausgedehnten Krankenhausaufenthalt für mich und meine Mutter begann. Ich erhalte regelmäßig haus- sowie zahnärztliche Routineuntersuchungen, für die jeweils meine gesetzliche Krankenversicherung aufkommt. Sogar einen Teil meiner langwierigen kieferorthopädischen Behandlung übernahm diese.

Dazu kommt all das Geld, das der Staat Jahr für Jahr in meine Bildung steckt. Ich gehe seit über zehn Jahren auf Staatskosten zur Schule. Ich sitze im Mathe-, Bio- und PoWi-Leistungskurs. Ich könnte Ingenieurin, Krebsforscherin oder Hedgefonds-Managerin werden und dem Staat was Gutes tun und dabei ordentlich Steuern zahlen. Will ich aber nicht. Ich werde lieber was Nutzloses mit Geisteswissenschaften. Zurzeit besuche ich eine für mein Bundesland äußerst kostspielige staatliche Schule, inklusive teurer Gimmicks wie einem vierwöchigen Auslandsaufenthalt, einer jährlichen Klassenfahrt und einem unverschämt großen neuen Fernseher im Fernsehraum, der vermutlich so viel gekostet hat wie das Auto meiner Mutter und die neue Matratze meines Vaters kombiniert. Und das alles von Ihren Steuergeldern, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Sonderlich integrationswillig bin ich im Übrigen auch nicht. Bis ich fließend Deutsch sprach, dauerte es mehrere Jahre. Ich habe, obwohl ich seit sechzehn Jahren hier bin, nie einen Deutschkurs besucht. Ich bin keine Christin, verweigere mich seit der Mittelstufe dem schulischen Religionsunterricht, und esse kein Schweinefleisch und kein Sauerkraut. Anstatt angemessen deutsches Kulturgut wie Helene Fischer zu fördern, importiere ich lieber – häufig mit politsicher Ideologie bepackte – Musik aus der Anglosphäre.

Einen deutschen Pass habe ich dennoch sofort bekommen. Es geht doch nichts über die richtigen Eltern. Die Regierung, die all das für mich ermöglicht, ziehe ich dabei in meinem pathetischen kleinen Blog durch den Kakao.

Wann ich etwas zurückgebe? Das weiß ich noch nicht. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich überhaupt etwas zurückgeben werde. Vielleicht wandere ich stattdessen aus. Ich genieße das Recht auf freie Wahl meines Wohnraumes innerhalb der EU. Dublin III gilt für mich nicht. Ich könnte nach dem Abitur Tschüss sagen und nach Schottland ziehen. Dann wäre ich weg mit Ihrem Steuergeld, und Sie könnten nichts dagegen machen! Aber wenigstens liegen meine Kinder dann nicht Deutschland auf der Tasche.

Mit freundlichen Grüßen,

Kim S

"Zu viele" Flüchtlinge? Wem die Überbevölkerung in Deutschland zu kritsiche wird, der soll leine Kinder kriegen. Quele des Originalplakats

„Zu viele“ Flüchtlinge? Wem die Überbevölkerung in Deutschland zu kritsich wird, der soll keine Kinder kriegen.
Quele des Originalplakats

 

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Staat lieber an der Parteienfinanzierung für die AfD sparen sollte als an Geldern für die Flüchtlingshilfe.

Noch mal für alle

Veröffentlicht: 11. Oktober 2015 in Echt jetzt?
Schlagwörter:, , , , , ,

Liebe Leute,

da offenbar immer noch nicht alle verstanden haben, wie wir auf fliehende Menschen zu reagieren haben, hier noch mal die häufigsten Fehlannahmen einfach erklärt.

Fluechtlingsboot

Dieses Boot ist voll.

DeutschlandSchiff

Dieses Boot ist nicht voll.

Seehofer

Dieser Mann will Grenzzäune bauen und sagt, er sei kein Rassist.

TrumpQuote

Dieser Mann will eine Grenzmauer bauen und sagt, er sein kein Rassist.

Hmmm.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bahnfahren wirklich kompliziert ist.

Bildquellen: DW, Alles Kreuzfahrt, gmx, CNN Money

Ich wollte ein Bild zum Thema "Political Correctness" posten, aber alles, was ich fand, war rechte Hetze und White-Pride-Shit. Deshalb stattdessen ein Bild, das das Hubble-Space-Teleskop geschossen hat. Bildquelle

Ich wollte ein Bild zum Thema „Political Correctness“ posten, aber alles, was ich fand, war rechte Hetze und White-Pride-Shit. Deshalb stattdessen ein Bild, das das Hubble-Space-Teleskop geschossen hat.
Bildquelle

Ich werde heute etwas aussprechen, was nicht gern gehört wird. Von wem? Ach, von den ganzen Gutmenschen und Phrasendreschern und Wahrheitsverdrehern da oben. Was weiß ich. Denen muss mal ordentlich wer auf die Füße treten. Was ich jetzt aussprechen werde, denken viele, die trauen sich nur nicht, das Maul aufzusperren.

Deutschland muss anders werden. Sich mehr auf seine Werte zurückbesinnen. Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Wir Deutschen müssen wieder politisch korrekt werden. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Spaß beiseite.

Politisch zu sein ist, soweit ich mich erinnere, etwas Gutes. Korrekt war meiner Meinung nach auch immer ein positives Wort. Was, frage ich mich, haben dann ständig alle gegen Politische Korrektheit? Googeln Sie den Begriff mal. Sie werden eine Definition und gefühlt eine Million Parodien, Karikaturen und Hetzreden gegen politische Korrektheit finden.

Wir haben schon immer Negerkuss gesagt. Ich meine das ja gar nicht abwertend, aber. Mit „Wissenschaftler“ sind natürlich auch Frauen gemeint, aber der Einfachheit halber verzichten wir im Weiteren auf. Ihr müsst schon zugeben, dass. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

„Politisch korrekt“ scheint ein grauenhaftes Schimpfwort für alle zu sein, die sich kleinhalten und den Mund verbieten lassen. Wer politisch korrekt ist, könnte man denken, plappert nach, denkt nicht mit und lässt sich von liberal-linksgrün-versifften Sprachnazis diktieren, was er_sie zu sagen und zu denken hat. Politisch korrekte Mitbürger*innen sind die armen Schlucker, die nicht mehr „Zigeunerschnitzel“ sagen dürfen und deshalb natürlich automatisch alle Probleme in Europa weglächeln, weil man ja über Zigeuner nicht reden darf. Oder so ähnlich.

Aber ganz ehrlich?

Politische Korrektheit bedeutet genau das Gegenteil – nämlich, dass wir über unsere Sprach- und Denkmuster nachdenken, bevor wir den Mund aufmachen, nicht, dass wir den Mund gar nicht aufmachen. Politische Korrektheit bedeutet nicht, alles nachzuplappern, sondern über das nachzudenken, was wir nachplappern. Täglich übernehmen wir unbewusst die Sprach- und damit die Denkmuster unserer Umgebung. Wie wir reden, entscheidet darüber, wie wir denken und wie andere denken. Wenn wir unsere Umgebung ändern wollen, müssen wir unsere Denkmuster ändern, und das beginnt mit der Änderung unserer Sprachmuster. Ganz einfach.

Wenn wir etwas scheiße finden, sagen wir, dass wir es scheiße finden, nicht, dass wir es schwul oder behindert oder abartig finden. Wenn jemand ein Arschloch ist, nennen wir ihn_sie ein Arschloch und keinen Mongo oder Spasti. Wenn wir einen Brief an unsere Kolleginnen und Kollegen schreiben, schreiben wir ihn an unsere Kolleginnen und Kollegen, nicht bloß an unsere Kollegen. Wenn wir eine Packung Schokoküsse kaufen, kaufen wir eine Packung Schokoküsse und keine Packung Mohrenköpfe. Wenn wir Politik weltfremd finden, nennen wir sie weltfremd und nicht autistisch. Wenn wir uns an Fasching unbedingt als etwas Originelles verkleiden müssen, dann verkleiden wir uns als etwas wirklich Originelles, zum Beispiel als Zeitreisebananen oder als Guerillazahncremetuben, und nicht als Inder oder Chinesen. Ganz einfach.

Wenn ich sehe, WER in unserer Gesellschaft am lautesten gegen politische Korrektheit wettert, dann sind das rechtslastige und undemokratische Zeitungen wie die Junge Freiheit und eigentümlich frei und Blogs wie Politically Incorrect. Und wenn ich lese, dass politische Korrektheit zugunsten derer rechter Meinungsmache aufgegeben werden soll, wird sie mir gleich noch viel sympathischer.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jede gute Fernsehserie ein Crossover mit Doctor Who verdient.

Hallo Bernd Lucke

Veröffentlicht: 22. Juli 2015 in Hallo Welt!
Schlagwörter:, , , ,

Hallo Bernd Lucke,

Herzlichen Glückwunsch zur Gründung von Alfa, der „Allianz für Aufbruch und Fortschritt“! Das war eine tolle Idee, Herr Lucke. Aus der AfD auszutreten ist immer eine gute Idee. Deshalb finde ich es schade, dass Sie sich diese einmalig gute Idee durch einen so einfallslosen Parteinamen zerstören.

Zunächst einmal Allianz – ist das nicht eine Versicherung? Oder irre ich mich da und verwechsle die Versicherung mit dem korrupten diktatorischen Imperium aus Joss Whedons genialer Science-Fiction-Serie firefly?

Außerdem – Aufbruch und Fortschritt? Kommen Sie, das ist wie Zukunft und Zukunft oder schön und gut oder Sicherheit und Verantwortung, die rechtspopulistische Partei aus den Känguru-Chroniken. Da könnten Sie Ihre Partei genauso gut Allianz für Floskeln und Phrasen nennen. Da steckt ja nichts drin. Sie müssen Ihre Inhalte in einem schnittigen Akronym unterbringen. Also… äh… rechts gibt sich mittig? Ich bin ja kein Rassist, aber? Raus aus dem Euro? Na ja, Inhalte eben. Sie werden schon wissen, wofür Ihre Partei so steht. Irgendwann zumindest.

Man prophezeit Ihnen, Herr Lucke, Ihre Partei werde sich nicht halten, weil sie kein Alleinstellungsmerkmal habe. Das glaube ich nicht. Ihre Partei ist in den Grundzügen zwar sehr AfD-nah, ABER NICHT RECHTS UND NICHT POPULISTISCH. Und außerdem ein großer Fan der NATO. Also ganz anders. AfD, aber nicht rechts. Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem ehemaligen Präsidenten des Vegetarierbundes austauschen, der nach seinem Austritt bekanntgab, er werde eine eigene Organisation gründen – wie VeBu, aber nicht vegetarisch.

Mit diesem bahnbrechenden Unterschied zu Ihrer Mutterpartei ist Ihnen der Weg in den Bundestag so gut wie sicher. Schließlich haben Sie dieses Mal, anders als bei der Gründung der AfD, dafür gesorgt, dass Populisten, Reformer und Nein-Sager, also alle, die sich von einer aufstrebenden Partei wohlmöglich abspalten könnten, erst gar kein Parteibuch bekommen. Denn Sie hassen Spalter, und das ist komplett nachvollziehbar. Wer hasst die nicht? Sie sollen eine Liste mit Personen haben, die Sie niemals in Ihre Partei aufnehmen werden. Auf dieser Liste stehen ungeliebte AfD-Mitglieder und alle, die einmal einer „wohlmöglich extremistischen Partei“ angehört haben. Sie selbst sind natürlich eine Ausnahme, aber auch das ist total nachvollziehbar. Ich würde das auch so machen, wenn ich Sie wäre.

Den Weg in Ihre Partei muss man sich verdienen. Wer Mitglied werden will, wird erst einmal Mitglied auf Zeit, für ein Jahr ohne Stimmrecht. Das ist eine geniale Methode, sich vor dem Mitgliederandrang zu schützen, den Sie zu erwarten haben. Außerdem werden Sie als Parteigründer im ersten Jahr das alleinige Stimmrecht haben – enorm wichtig für den demokratischen Austausch innerhalb einer Partei, der ansonsten von populistischen Neumitgliedern gefährdet würde, die nur zum Pöbeln gekommen sind.

Was soll ich sagen, Herr Lucke? Sie sind ein Genie. Demokratisch, unpopulistisch, inhaltsorientiert und selbstkritisch. Um die Macht in Deutschland an sich zu reißen, fehlt Ihnen also nur der richtige Parteiname. Wie wäre es mit BeTA? Ballungsraum ehemaliger Total-Arschl*****? Oder GaMmA? Griesgrämige alte Männer machen Aufstand? Nur ein Witz, ich finde Ihre Partei super. Sie ist eine echte Alternative zu meiner Zweitlieblingspartei, der Alternative für Deutschland. Das wäre doch ein guter Name. Alternative zur Alternative. AzA, oder falls Ihnen das zu kurt ist, AzAfD. Ich wäre dabei. Setzen Sie mich bitte bloß nicht auf die Liste der gesperrten Parteibewerber. Ich bin vielleicht links, aber den Spaß lasse ich mir ungern entgehen.

Alle Liebe und viel Erfolg,

Kim S

PS: Ihr Logo gefällt mir auch super. Grau ist eine total beruhigende Farbe, vor allem für Bestattungsunternehmen. Haben Sie Momo gelesen? Na ja, auch egal.

ALFA bestattet Ihre Toten - schnell und unauffällig. Bildquelle

ALFA bestattet Ihre Toten – schnell und unauffällig.
Bildquelle

PPS: Oh, das war nicht Ihr Logo, auf Wikipedia war einfach noch kein Logo vorhanden, daher das grau. Verzeihung.

Im Übrigen war ich lange der Meinung, dass Zeitreisen unmöglich sind, aber dann kam mein zukünftiges Ich und belehrte mich eines Besseren.

Hallo SYRIZA!

Veröffentlicht: 29. Januar 2015 in Echt jetzt?, Hallo Welt!
Schlagwörter:, , , ,
Bildquelle: Wikipedia (bearbeitet)

Bildquelle: Wikipedia (bearbeitet)

Hallo SYRIZA,

es hätte so schön mit euch werden können.

Schon vor der vorgezogenen Parlamentswahl in Griechenland war es relativ sicher, dass Ihr die Mehrheit im Parlament und den Ministerpräsidenten stellen würdet. Und das als junge, radikal linke Reformpartei. Alle deutschen Medien haben gezittert. Ich persönlich fand es ziemlich cool.

Es gab diese Kampagne unter deutschen Linken, Internationalen und Gewerkschaftlern, #westandwithsyriza. Die Teilnahme war einfach: druck das Bild aus, mach ein Foto von dir und dem Bild, poste es irgendwo unter dem Hashtag We stand with SYRIZA. Mein Bild war fertig. Und jetzt?

Ihr habt die Mehrheit bekommen. Und was dann? Von all den Koalitionspartnern, die ihr hättet haben können, habt Ihr euch ausgerechnet die „Unabhängigen Griechen“ ausgesucht, die neuen Rechtspopulisten, einen Ableger der konservativen Ex-Regierungspartei. (Kommt uns bekannt vor, nicht wahr, Deutschland?) Die sind nämlich, wie Ihr, gegen die Troika-Sparpolitik. Aber das ist auch schon alles. Und das ist euch genug? Dafür wollt Ihr alles andere in Kauf nehmen? Die Politik zurückstecken, die nichts mit den Spar-Reformen zu tun hat? Eure solidarische, internationalistische Ausrichtung über Bord werfen? Beim „nationalen Erwachen“ der Rechtspopulisten mitmachen, die sich einer Verschwörung zum Opfer gefallen sehen?

Was ist jetzt mit Griechenland? Was wird das „nationale Erwachen“ mit den Bürger*inne anstellen, die zu 36,34% in eine linke Regierung vertraut haben? Wie wird das Land aussehen, wenn die Krise nicht mehr das größte Problem ist? Wie wird es den Migranten gehen, die da sind, den Migranten, die noch kommen, den Homosexuellen, den Kindern, die keine einheitliche orthodoxe Schulbildung haben wollen?

Mein Vertrauen habt Ihr mit dieser allzu wütenden und total unüberlegten Querfront-Regierung fürs Erste verspielt. Mir als linksradikaler Europäerin ist sie peinlich. Wenn mir jemand sagt, links oder rechts, Extremismus sei immer gleich, dann halte ich ihm unter anderem immer vor, Links- und Rechts-„Populisten“ seien sich doch Spinnenfeind. Linke und rechte Regierungen hätten doch Unterschiede. Was soll ich jetzt sagen? Mir sind auch die Vertreter der Partei Die Linke peinlich, die das Problem dieser Regierung relativieren, schließlich seien die Unabhängigen Griechen keine Goldene Morgenröte und kein Front National. Was stimmt, aber nichts daran ändert, dass Ihr falsch entschieden habt.

Herzliches Beileid,

Kim S

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Strände auch ganz schön wären, wenn man sie mit Schnee auffüllen würde.

 

Take the lead and melt it down

Veröffentlicht: 11. August 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
Schlagwörter:, ,

Das englische Wort für Blei ist lead.
Das englische Wort für Führung ist auch lead.
Zu viel Blei macht krank…

Feminismus? Ohne die Junge AfD…

Veröffentlicht: 8. August 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
Schlagwörter:, , , ,

 

Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative. Ich habe daran herumgebastelt - aber nur ein bisschen.

Das Bild ist von der Website der Jungen Alternative.
Ich habe daran herumgebastelt – aber nur ein bisschen.

Die Junge Alternative für Deutschland ist gar nicht so verkorkst, wie ich bisher dachte. Ich war mir sicher, es gäbe dort nur krasse Antifeministen. Es gibt aber noch mehr. Es gibt auch krasse Antifeminist*innen!

Per Facebook hat die JA schon vor Monaten die Kampagne „Vernunft statt Genderwahn“ oder „Gleichberechtigung statt Gleichstellung“ gestartet. Dabei gab es auch schon nackte Hintern zu sehen. (Es waren nicht die Hintern von AfD-Mitgliedern. Wäre ja auch zu schön gewesen. Aber anscheinend ist alles rechts von der CDU asexuell oder gibt sich zumindest so.)

Die nackten Model-Hintern waren aber nicht genug. Jetzt lichten sich auch AfD-Mädels als Antifeministinnen ab – allerdings nicht im Bikini, sondern mit Plakaten, auf denen sie erklären, warum sie keine Feministinnen sind. Kräftige Unterstützung kommt natürlich von den AfD-Jungs. Da diese ihre „Keimzellen der deutschen Gesellschaft“ später wohl mit braven, vernünftigen deutschen Mädchen gründen wollen, kommt ihnen die Selbst-Degradierungsaktion ihrer Parteifreundinnen wahrscheinlich sehr gelegen.

„Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist“, „Ich bin kein Feminist, weil Familie wichtiger ist als Karriere und ich den Genderwahn stoppen will“ oder „Ich bin kein Feminist, weil ich keine Ideologie brauche, um Frauen zu respektieren“ sind die Aussagen. Irgendwie ist diese Anti-Ideologie fast schon witzig. Mir zumindest macht das Ausdenken von Sprüchen so viel Spaß, dass ich erwäge, sie auf T-Shirts zu drucken.

„Ich bin keine Feministin, weil ich das Denken lieber meinem Mann überlasse.“
„Ich bin keine Feministin, weil ich nicht weiß, wie man ein Kondom benutzt.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich keine Frau will, die klüger ist als ich.“
„Ich bin kein Feminist, weil ich nicht kochen kann.“
„Ich bin keine Feministin, weil Eva auch keine Feministin war.“
„Ich bin kein Feminist, weil Frauen beim Sex die Klappe zu halten haben!“

Sehr schön, liebe AfD-Kids. Wie wäre es mit der nächsten Kampagne: „Ich mag keine Männer, weil…“, „Ich bin nicht sexy, weil…“ oder „Ich denke niemals selbst, weil…“? Ich würde euch dabei mit Vergnügen beraten.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Bernd Lucke mit seiner Blümchenkrawatte gar nicht so homophob aussieht, wie er redet.

Die taz hat übrigens auch ein paar lustige Vorschläge.

CDU will Krieg verbieten?

Veröffentlicht: 7. August 2014 in Echt jetzt?, Krieg & Frieden
Schlagwörter:, , ,
Höchster Kreisblatt 23. Juni 2014

Höchster Kreisblatt
23. Juni 2014

Oh. Junge Deutsche sollen nicht an bewaffneten Konflikten im Ausland teilnehmen? Das war mir neu.
Sicherlich ist es auch Frau von der Leyen neu, die mit einer Konjunkturspritze von insgesamt über 10 Milliarden Euro für die Bundeswehr winkt.

10 Milliarden Euro!
10.000.000.000 €
1.000.000.000.000 ct
Mehr als 114.155 Jahre (!) Arbeit, wenn man 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr durcharbeitet und dabei den von den Linken geforderten Mindestlohn bekommt.

Auf der Welt gibt es über sieben Milliarden Menschen. Das ist mehr als ein Euro pro Mensch. Für die Armee eines einzigen Landes. Und da soll noch mal eine CDU-Politikerin sagen, sie sei dagegen, dass junge Deutsche sich an bewaffneten Konflikten beteiligen!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass zwischen „mit dem Ziel“ und „an bewaffneten Konflikten“ ein Komma fehlt.

GroKo goes Anarchy!

Veröffentlicht: 31. Juli 2014 in Allgemein, Echt jetzt?
Schlagwörter:,

Kennen Sie diese Sterne? Diese fünfzackigen Sterne, die zur Hälfte rot und zur Hälfte schwarz sind? So einer pinnt neuerdings an meiner schwarzen Tasche, direkt neben dem Roten. Soll heißen: die Trägerin dieser Tasche hat eine anarchistische Grundeinstellung.
Heute Morgen bemerkte jemand dieses – im Gallus eigentlich ganz alltägliche – Symbol und sprach mich darauf an.

„Du unterstützt die große Koalition?“

Die große Koalition, sprich, die Regierung, zu unterstützen, ist wirklich das Letzte, was ich mit so einem Pin bewirken will. Aber der Typ hatte Recht. Die Anarchie-Flagge sieht wirklich ein bisschen aus wie das GroKo-Logo. Besser gesagt, die derzeitige Regierung sieht farblich ein bisschen anarchistisch aus.

Könnte es einen größeren Kontrast geben? Stellen Sie sich mal vor, die USA und Al-Qaida hätten dieselbe Flagge. (Wer in diesem Fall die USA und wer Al-Qaida ist, das überlasse ich Ihnen.) So etwa erscheint mir das. Jetzt stellen Sie sich eine Gruppe Jusos und JU-Mitglieder vor, die mit Anarchie-Pins und Anarchie-T-Shirts in der Fußgängerzone stehen, direkt neben ein paar Punks. Vielleicht könnten sie sich ja mit den Punks anfreunden und nachts zusammen „KEINE MACHT FÜR NIEMAND, KUCHEN FÜR ALLE“ an die Europäische Zentralbank sprayen.

Wessen Logo ist das wohl? Bildquelle: Wikipedia http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAnarchist_flag.svg

Wessen Logo ist das wohl?
Bildquelle: Wikipedia

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Abschaffen von Autos die Anzahl von Staus um 100% verringern würde. Mindestens.
(mehr …)