Mit ‘Vollzeitmutter’ getaggte Beiträge

Bitte erklär mir mal wer, wie man weniger als 24/356 Mutter sein kann. Bildquelle

Bitte erklär mir mal wer, wie man weniger als 24/356 Mutter sein kann. Bildquelle

Ein Begriff, über den ich im Zusammenhang mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer wieder stolpere, ist „Vollzeitmütter“.  Vollzeitmütter – altmodisch oder unterschätzt? Vollzeitmütter – altmodisch oder einfach nur gut für’s [sic!] Kind? Vollzeitmütter in Erklärungsnot. Selbstbewusste Vollzeitmütter – Der Wunschtraum aller Kleinkinder. 5 Dinge, die man zu einer Vollzeitmutter nicht sagen sollte. Das Internet kennt sich aus mit Vollzeitmüttern. Nach ein paar Klicks weiß auch ich, was gemeint ist. Vollzeitmütter sind Frauen mit Kindern, die keinem Beruf nachgehen, um sich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.

Ah, also Mutter und Hausfrau.

Genau.

Warum sagt man dann Vollzeitmutter?

Na ja… sie sind Mutter… die ganze Zeit.

Spannend. Gibt es auch Teilzeitmütter? Google kennt auch diesen Begriff. Teilzeitmütter sind Frauen mit Kindern, die Teilzeit arbeiten.

Ach, und man sagt Teilzeit, weil sie Teilzeit arbeiten!

Genau.

Moment… Teilzeitmutter kommt von Teilzeit arbeiten…

Genau.

…und Vollzeitmutter kommt von Vollzeit zuhause…Moment, das ist ja total unlogisch.

Ist es nicht. Vollzeitmutter kommt von Vollzeit zuhause bleiben, Teilzeitmutter von Teilzeit zuhause bleiben.

Okay. Verstehe. Aber was hat das Ganze mit Mutter sein zu tun?

Ich finde, das jeder Mensch, ob Frau oder Mann, selbst entscheiden sollte, ob sie oder er nach der Geburt ihrer oder seiner Kinder weiterarbeiten möchte, wann, und ob Teilzeit oder Vollzeit. Was mich an all den Debatten über Vollzeitmütter stört, ist also nicht die Tatsache, dass es Frauen gibt, die, sobald sie Kinder haben, darauf verzichten, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Was mich stört, ist der Begriff Vollzeitmutter an sich. Denn er legt nahe, dass eine Frau nur dann Vollzeit Mutter ist, wenn sie  nicht arbeitet, dass sie nicht gleichzeitig arbeiten und Mutter sein kann, und das arbeitende Frauen nur nach Feierabend Mutter sind.

Was sagt das über unser Verständnis von Familie aus? Und was über unser Verständnis von Frauen und Müttern? Ist eine Frau keine Mutter, während sie arbeitet?

Ich bin in einem arbeitenden Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter ist in Teilzeit beschäftigt und gleichzeitig selbstständig. Als ich klein war, studierte sie und jobbte zeitweise nebenbei, zusätzlich macht sie Kommunalpolitik. Mein Vater hat eine Dreiviertelstelle und leitet außerdem mehrere Theatergruppen. Ich war in der Krippe, in der Kita und im Hort, auch in der Ferienbetreuung, ich habe in der Schule gegessen, und Abende und Wochenenden, an denen meine Eltern arbeiteten oder Tagungen und Fortbildungen hatten, was nicht oft, aber regelmäßig vorkam, verbrachte ich bei Freunden oder meinen Großeltern. Meine Eltern waren auch zuhause oft mit Arbeiten beschäftigt.

Nichts daran ändert, dass sie beide meine Vollzeiteltern sind. Wenn sie morgens zur Arbeit fahren, hören sie nicht einfach auf, meine Eltern zu sein. Ich habe noch nie mit Bauchschmerzen, einem verpassten Zug oder Aufrege-Bedarf, einem gewonnenen Wettbewerb oder der Bitte, mir Erdbeeren mitzubringen, meine Mutter oder meinen Vater auf der Arbeit angerufen und mir anhören müssen, „Sorry Kim, ich bin erst ab siebzehn Uhr wieder deine Mutter“ oder „Ihr Vater ist erst ab dem 22. Juli wieder ihr Vater, bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Signalton.“

Wer also Begriffe wie Vollzeitmutter und Vollzeitvater für Eltern vorbehält, die nicht arbeiten gehen, ignoriert die vielen Frauen und Männer, die die Verantwortung für ihre Kinder nicht vergessen, sobald sie eine Aktentasche oder einen Hammer on die Hand nehmen. Wer das vergisst, trägt nicht zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Alle Eltern sind Vollzeiteltern, und das hat mit arbeiten gar nichts zu tun.

Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass Jugendherbergen nur für Jugendliche da sind.